{"id":1826,"date":"2010-06-09T09:21:11","date_gmt":"2010-06-09T08:21:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1826"},"modified":"2014-05-26T08:35:01","modified_gmt":"2014-05-26T07:35:01","slug":"la-perichole-berlin-komische-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1826","title":{"rendered":"LA P\u00c9RICHOLE &#8211; Berlin, Komische Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffe in 3 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 6. Oktober 1868, Th\u00e9atre des Vari\u00e9t\u00e9s, Paris<\/p>\n<p>Regie: Nicolas Stemann, B\u00fchne: Katrin Nottrodt, Kost\u00fcme: Marysol del Castillo<\/p>\n<p>Dirigent: Markus Poschner, Orchester der Komischen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Karolina Gumos (P\u00e9richole), Johannes Chum (Piquillo), Roger Smeets (Don Andr\u00e8s), Peter Renz (Graf Miguel de Panatellas), G\u00fcnther Papendell (Don Pedro de Hinoyosa), Andreas D\u00f6hler (Alter Gefangener)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Juni 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Berlin-ko-La-Perichole.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1827\" title=\"Berlin-ko-La-Perichole\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Berlin-ko-La-Perichole.gif\" width=\"350\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Berlin-ko-La-Perichole.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Berlin-ko-La-Perichole-300x194.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im K\u00f6nigreich Peru herrschen Verarmung und Verzweiflung. Der Hof versteht es jedoch, die Wirklichkeit zu vertuschen. Als sich der Vizek\u00f6nig an seinem Geburtstag inkognito unters Volk begibt, trifft er auf die Stra\u00dfens\u00e4ngerin P\u00e9richole, die ihrem Unmut freien Lauf l\u00e4\u00dft. Der Vizek\u00f6nig, von ihrer Sch\u00f6nheit gebannt, bietet ihr einen Platz als \u201eEhrendame\u201c an. P\u00e9richole verabschiedet sich mit einem Brief von ihrem Geliebten Piquillo, der seine Verzweiflung in Alkohol ertr\u00e4nkt. Da der K\u00f6nig von gesetzeswegen jedoch nur verheiratete Frauen an den Hof holen darf, wird nun eine Zwangsheirat zwischen den mit Alkohol gef\u00fcgig gemachten Piquillo und P\u00e9richole herbeigef\u00fchrt. Tags darauf wird Piquillo, der sich an nichts erinnert, mit den neusten Ereignissen konfrontiert. Als ihm dann P\u00e9richole als Angetraute und gleichzeitig auch als M\u00e4tresse des K\u00f6nigs pr\u00e4sentiert wird, endet alles in einem Amoklauf. Piquillo und P\u00e9richole werden eingesperrt, doch schlie\u00dflich gelingt beiden die Flucht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung beginnt mit dem Erscheinen eines franz\u00f6sischen revolution\u00e4ren Freiheitsk\u00e4mpfers, der als \u201egutes Gewissen der Gesellschaft\u201c auf die politische Situation zur Zeit der Entstehung des St\u00fcckes verweist und das Paradox von komischem Handlungsgeschehen und realem damaligen Kriegsgeschehen (1870\/71) versinnbildlicht. Diese im urspr\u00fcnglichen Libretto nicht existente Figur wird von der Regie als \u201eSt\u00f6rfaktor\u201c eingesetzt, der ununterbrochen mit politischen Parolen die Szenen sprengt, um sich zum Schlu\u00df in den Kerkernachbarn Piquillos zu verwandeln. Wer diese Inszenierung mit den Erwartungen eines herk\u00f6mmlichen Operabends besucht, wird von der Verwandlung der <em>P\u00e9richole<\/em> in ein zum \u00fcberwiegenden Teil gesprochenes Vari\u00e9t\u00e9theaterst\u00fcck im Stil der 1970er Jahre mit nur sehr wenigen s\u00e4ngerischen Einlagen mehr als \u00fcberrascht sein. Das B\u00fchnenbild variiert zwischen einer Revueb\u00fchne mit bunten Lichterketten, einem goldenen K\u00e4fig und dem direkt auf der B\u00fchne positionierten Orchester. Unter den Kost\u00fcmen findet sich als Kontrast zu den farbenfrohen, glitzernden Kleidern und Anz\u00fcgen mit Lack- und Lederapplikationen, die stilistisch zwischen Vari\u00e9t\u00e9theater und Rocky-Horror-Picture-Show stehen, die alltagsentlehnte Kleidung des Chores oder der BSR-Anzug des Vizek\u00f6nigs, der inkognito unterwegs ist. Erw\u00e4hnenswert ist in jedem Fall der nahezu durchgehende Einsatz von Don Pedro de Hinoyosa und Graf Miguel de Panatellas, die, ausgestattet mit Mikrophonen, als moderierende Kommentatoren sprechend durch die Szenen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, besteht die aktuelle Umsetzung von Offenbachs <em>P\u00e9richole<\/em> \u00fcberwiegend in gesprochenem Text. Somit ist beispielsweise eine gesangliche Charakterisierung der beiden \u201eModeratoren\u201c <strong>Peter Renz<\/strong> als Graf Miguel de Panatellas und <strong>G\u00fcnther Papendell<\/strong> (Don Pedro de Hinoyosa) nur sehr schwer zu treffen. Zwar gestalteten beide ihre gesprochenen Partien sehr \u00fcberzeugend mit schauspielerischem Talent, doch mangelt es in den kurzen s\u00e4ngerischen Partien im ersten Akt an rhythmischer Koordination. Dagegen stehen <strong>Johannes Chum<\/strong> in der Rolle des Piquillo sowie <strong>Karolina Gumos<\/strong> als P\u00e9richole. Chum gelingt es, in seiner Klagearie in der Kerkerszene des dritten Aktes mit einer warmen, vollen, aber trauererf\u00fcllten Stimme seiner Liebesverzweiflung ebenso Ausdruck zu verleihen, wie Karolina Gumos in ihrer \u201eBriefarie\u201c des ersten Aktes. \u00a0Auch <strong>Roger Smeets<\/strong> verk\u00f6rpert den Vizek\u00f6nig von Peru, Don Andr\u00e8s, mit einer Mimik und Gestik, die das Komische dieser Figur nachdr\u00fccklich zur Geltung bringt (wie z.B. in der Brautvorf\u00fchrung im zweiten Akt). Mit herausragendem Eifer pr\u00e4sentiert <strong>Andreas D\u00f6hler<\/strong> die Figur des Revolution\u00e4rs bzw. \u201eAlten Gefangenen\u201c. Bei jedem Eingreifen in die Szenen gelingt es ihm, den Eindruck zu vermitteln, als w\u00e4re er ein gl\u00fchend \u00fcberzeugter franz\u00f6sischer Freiheitsk\u00e4mpfer. Das <strong>Orchester der Komischen Oper Berlin<\/strong> unter der Leitung von <strong>Markus Poschner<\/strong> leistete an diesem Premierenabend eine durchgehend pr\u00e4zise Arbeit im Hinblick auf Intonation und Rhythmus und schuf einen ausdifferenzierten, farbenreichen Klang.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt wurde der Abend vom Publikum sehr unterschiedlich aufgenommen: Dem begeisterten Applaus stand eine ebenso gro\u00dfe Zahl von Buhenden gegen\u00fcber, teilweise wurde der Saal schon w\u00e4hrend der Vorstellung verlassen, doch mangelte es auch nicht an Beifall zwischen den Szenen.<\/p>\n<p>Friederike Jurth<\/p>\n<p>Bild: Iko Freese\/<a href=\"http:\/\/drama-berlin.de\">drama-berlin.de<\/a><\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Karolina Gumos (P\u00e9richole) und Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffe in 3 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 6. 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