{"id":1818,"date":"2010-06-05T08:56:02","date_gmt":"2010-06-05T07:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1818"},"modified":"2010-06-15T08:59:51","modified_gmt":"2010-06-15T07:59:51","slug":"die-piraten-oldenburg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1818","title":{"rendered":"DIE PIRATEN &#8211; Oldenburg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Arthur Sullivan (1842-1900), Komische Oper in zwei Akten (1879), Libretto: William Schwenk Gilbert, Broadwayfassung des New York Shakespeare Festival (1981), deutsche Fassung von Klaus Straube und Peter Zeug, UA: 30. Dez. 1879, Royal Bijou Theatre, Paignton<\/p>\n<p>Regie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Anne Neuser, Choreographie: Cedric Lee Bradley, Licht: Herbert Jan\u00dfen, Dramaturgie: Katharina Ortmann<\/p>\n<p>Dirigent: Jason Weaver, Oldenburgisches Staatsorchester, Chor und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters, Choreinstudierung: Thomas B\u00f6nisch<\/p>\n<p>Solisten: Paul Brady (Piratenk\u00f6nig), Derrick Ballard (Major General), Henry Kiichli (Sergeant), Michael Pegher (Frederick) Andreas L\u00fctje (Samuel), Ks. Marcia Parks (Ruth), Sarah Papadopoulou (Mabel), Sharon Starkmann (Edith), Annekatrin Kupke (Kate)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Juni 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Oldenburg-Piraten.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1819\" title=\"Oldenburg-Piraten\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Oldenburg-Piraten.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Oldenburg-Piraten.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Oldenburg-Piraten-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Jungpirat Frederick feiert seinen 21. Geburtstag bei den Piraten von Penzance, bei denen er bis zu diesem Tag in Lehre war. Er will das Schiff verlassen, um ein b\u00fcrgerliches Leben an Land zu f\u00fchren, denn eigentlich wollte er nie Pirat sein. Seine Amme Ruth beichtet ihm, wie es \u00fcberhaupt dazu kam: Ein H\u00f6rfehler ihrerseits hat daf\u00fcr gesorgt, da\u00df Frederick nicht, wie es vom Vater gew\u00fcnscht, Pilot in privater Lehre geworden ist, sondern Pirat.<em> <\/em>Kurz darauf trifft Frederick auf einen Schwarm junger M\u00e4dchen, den T\u00f6chtern von Major General. Er verliebt sich in Mabel, nachdem er zun\u00e4chst allen M\u00e4dchen eine Liebeserkl\u00e4rung gemacht hat. Doch Ruth und der Piratenk\u00f6nig haben andere Pl\u00e4ne mit ihm: Ruth hat Frederick l\u00e4ngst als potentiellen Ehemann ins Visier genommen, und der Piratenk\u00f6nig verzichtet ungern auf den begabten Nachwuchs. Gefangen zwischen dem Pflichtgef\u00fchl eines Piraten und der b\u00fcrgerlichen Welt und beseelt von der Liebe zu Mabel irrlichtert Frederick naiv zwischen den m\u00f6glichen Lebenswelten. Am Ende stellt sich jedoch alles als gro\u00dfe Farce heraus, und ein Happy End ist in Sicht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Den Zuschauern wird eine rasante Kom\u00f6die mit zahlreichen Effekten und viel Show geboten. Die Regisseurin setzt auf \u00fcbertriebene Mimik der S\u00e4nger und Schauspieler, bunte Kost\u00fcme, witzige Choreographien und zahlreiche humoristische Details, wie z. B. eine kurze Fechtkampfszene zwischen Dirigent und Piratenk\u00f6nig. Neben den gro\u00dfen Showeffekten hat Andrea Schwalbach auch viel Augenmerk auf Details gelegt: So wird die naive Liebe zwischen Frederick und Mabel in kurzen Augenblicken durch ein z\u00e4rtliches Brillentauschen deutlich gemacht. Jede Stelle, bei der nach der Originalfassung theoretisch Ernsthaftigkeit m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, wird veralbert: so fliegen bei der Naturbetrachtung des Major General Plastik-Oktopusse durch die Luft, und Mabel erscheint als Meerjungfrau. Das B\u00fchnenbild wird dominiert durch Elemente, die ein Segelschiff andeuten. Zahlreiche Seile h\u00e4ngen herab, und an beiden Seiten der B\u00fchne sind Segel gespannt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Originalbesetzung der Oper wird in der Broadwayfassung um die Streicher reduziert, das Orchester besteht aus Bl\u00e4sern, klassischem Schlagwerk, Schlagzeug und Synthesizer. So wirkte die gesamte Auff\u00fchrung, die als \u201ekomische Oper\u201c angek\u00fcndigt wurde, wie ein Musical. Die Bl\u00e4ser spielten souver\u00e4n die hohen, schnellen L\u00e4ufe, nur vereinzelt traten Intonationstr\u00fcbungen auf. An einigen Stellen war das Orchester zu laut, es \u00fcberdeckte den Chor so sehr, da\u00df der Text nicht mehr zu verstehen war. Der Chor der Piraten und der Polizisten hatte durchg\u00e4ngig eine gute Textaussprache und \u00fcberraschte mit kleinen Einlagen<em> <\/em>im Zuschauerraum (wie u.a. einem angedeuteten Strip der Polizisten bei <em>Ein Polizist zu sein bringt nicht viel Ruhm), <\/em>ohne da\u00df die Musik Einbu\u00dfen hinnehmen mu\u00dfte. Bei der Umsetzung der parodistischen Elemente von Sullivans Musik (wie unangemessene lange Koloratur und Kadenz) gelang es besonders der Sopranistin <strong>Sarah Papadopoulou<\/strong> als Mabel die komischen Aspekte herauszuarbeiten und darzustellen, etwa durch ein \u00fcbertriebenes Vibrato. Die extremen H\u00f6hen erreichte sie m\u00fchelos. Der Tenor <strong>Michael Pegher<\/strong> (Frederick) wirkte daneben stimmlich unterlegen und hatte auch Probleme mit der deutlichen Textaussprache.<\/p>\n<p>Diese gelang wiederum dem Bariton<strong> Derrick Ballard <\/strong>in der Rolle des Major General und <strong>Henry Kiichli<\/strong> (Ba\u00df) als Sergeant; besonders herausragend war das Couplet des Major General <em>I am a very model of a modern Major Stanley<\/em> in unglaublicher Geschwindigkeit und in englischer Sprache. Alles andere wird auf deutsch gesungen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem vergn\u00fcglichen Abend mit st\u00e4ndigem Zwischenapplaus und lang anhaltendem Beifall mit Bravorufen f\u00fcr alle Beteiligten bleibt lediglich die Frage, warum die Darbietung \u201eKomische Ope<em>r<\/em>\u201c<em> <\/em>genannt wird. Andrea Schwalbachs Inszenierung ist eindeutig ein Musical, keine Oper. Wenn man in den Kategorien des Musicals denkt, war es ein gelungener Abend, wer eine Oper erwartet, wird allerdings entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: Johnnes J. Etter<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marcia Parks (Ruth), Paul Brady (Piratenk\u00f6nig) und Andreas L\u00fctje (Samuel, der Piratenleutnant)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Arthur Sullivan (1842-1900), Komische Oper in zwei Akten (1879), Libretto: William Schwenk Gilbert, Broadwayfassung des New York Shakespeare Festival (1981), deutsche Fassung von Klaus Straube und Peter Zeug, UA: 30. 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