{"id":180,"date":"2008-02-04T22:57:38","date_gmt":"2008-02-04T20:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=180"},"modified":"2008-02-18T20:04:09","modified_gmt":"2008-02-18T18:04:09","slug":"bayerische-staatsoper-nabucco","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=180","title":{"rendered":"Bayerische Staatsoper &#8211; NABUCCO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera<br \/>\nUA: 9. M\u00e4rz 1842, Teatro alla Scala, Mailand<br \/>\nRegie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Yannis Kokkos, Licht: Michael Bauer, Dramaturgie: Sophie Becker,<br \/>\nDirigent: Paolo Carignani, Bayerisches Staatsorchester und Chor Einstudierung: Andr\u00e9s M\u00e1spero<br \/>\nSolisten: Paolo Gavanelli (Nabucco), Aleksandrs Antonenko (Ismaele), Giacomo Prestia (Zaccaria), Maria Guleghina (Abigaille), Daniele Sindram (Fenena), Andreas Kohn (Il gran sacerdote), Kevin Conners (Abdallo), Lana Kos (Anna)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 3. Februar 2008 (Premiere, 28.1.2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"nabucco-muenchen.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/nabucco-muenchen.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"nabucco-muenchen.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/nabucco-muenchen.jpg\" \/><\/a>Die Babylonier unter K\u00f6nig Nebukadnezar (Nabucco) belagern 578 v. Chr. Jerusalem. Der Hohepriester Zaccaria macht den im Tempel versammelten Hebr\u00e4ern Hoffnung, denn Nabuccos Tochter Fenena befindet sich in seiner Gewalt. In diesem Moment erscheint Ismaele, Neffe des K\u00f6nigs von Jerusalem, der Fenena liebt und berichtet, da\u00df die Babylonier in die Stadt eingedrungen seien. Im Kampf mit Nabucco werden die Hebr\u00e4er besiegt. Ismaele \u00fcbergibt Nabucco dessen Tochter Fenena; denn die aufgebrachten Hebr\u00e4er wollten sie t\u00f6ten. Dennoch befielt Nabucco, den Tempel zu pl\u00fcndern und zu zerst\u00f6ren. Zaccaria und das Volk verfluchen den Verr\u00e4ter Ismaele.<br \/>\nSchauplatzwechsel: In Babylon erf\u00e4hrt Abigaille, da\u00df sie nur nicht \u00e4ltere Tochter Nabuccos, sondern Tochter einer Sklavin sei. Da lange abwesend, h\u00e4lt man Nabucco f\u00fcr tot. Fenena ist seine Nachfolgerin. Doch Abigaille will Fenena verhaften lassen, um selbst K\u00f6nigin zu werden. Da erscheint der totgeglaubte Nabucco und will nun als K\u00f6nig und Gott verehrt werden. Ein Blitzstrahl aus dem Himmel \u00e4ngstigt Nabucco so, da\u00df er wahnsinnig wird. Abigaille kr\u00f6nt sich selbst. Sie verurteilt Fenena zum Tode verurteilt und Nabucco l\u00e4\u00dft in den Kerker werfen. Allein betet Nabucco zum Gott der Hebr\u00e4er. Daraufhin verl\u00e4\u00dft ihn der Wahnsinn. Es gelingt ihm, sich, Fenena und die Hebr\u00e4er zu befreien. Sterbend bittet Abigaille Jehova um Vergebung.<\/p>\n<p><strong>Die Inszenierung<\/strong><br \/>\nIn dunkle Gew\u00e4nder geh\u00fcllte Chormassen stehen fast unbeweglich auf der schwach ausgeleuchteten B\u00fchne. Dazu ert\u00f6nt tiefgr\u00fcndige Musik aus dem Orchestergraben. Das sind die Haupteindr\u00fccke die sich dem Zuschauer in der Neuinszenierung Nabucco durch den griechischen Regisseur<strong> Yannis Kokkos<\/strong> bieten. Dieser l\u00e4\u00dft die Handlung unter Verwendung diverser B\u00fchneneffekte in einem zeitlosen Raum spielen.<br \/>\nDas Innere des Tempels von Jerusalem im ersten Akt besteht aus einer mit vier quadratischen \u00d6ffnungen versehenen Wand, die beim Auftritt Nabuccos  versenkt wird, so da\u00df dieser, in strahlend hellem Licht darauf stehend, erscheint. Im Hintergrund sind die Ruinen des zerst\u00f6rten Jerusalem zu sehen. Doch zeigt sich hier auch, da\u00df aufwendige B\u00fchnentechnik allein zu einer Inszenierung nicht ausreicht. Es bedarf auch Personenf\u00fchrung, die in dieser Neuproduktion praktisch nicht stattfindet. So wird die Bedrohlichkeit der Situation der Hebr\u00e4er in keiner Weise deutlich. Im Gegenteil! Die Er\u00f6ffnungsszene ist an Harmlosigkeit kaum zu \u00fcberbieten. Choristen und Statisten wandern, sofern sie sich \u00fcberhaupt bewegen, einigerma\u00dfen unmotiviert \u00fcber die B\u00fchne.<br \/>\nNach l\u00e4ngerer Umbaupause ist im zweiten Akt ein perspektivisch verengter und orange ausgeleuchteter W\u00fcrfel zu sehen. Dieser soll den babylonischen Palast darstellen, in dem Abigaille (in unvorteilhaftem Lederkost\u00fcm) nach der goldenen Krone auf dem Haupt ihrer Schwester greift. Der Blitzstrahl, der den gottesl\u00e4sternden Nabucco trifft, wird durch ein vom Schn\u00fcrboden heruntergefahrenes Gestell zun\u00e4chst matt, sp\u00e4ter glei\u00dfend hell, in den Zuschauerraum leuchtender Gl\u00fchbirnen dargestellt. Personenregie sucht man auch hier vergeblich.<br \/>\nEbenso verh\u00e4lt es sich nach der Pause im dritten und vierten Akt, wenn der hervorragend disponierte Chor den ber\u00fchmten Gefangenenchor hinter einem Maschendrahtzaun mit Stacheldraht anstimmt, der KZ-Assoziationen hervorruft. (Wie originell!) Der Kerker, in dem Nabucco sitzt, besteht aus einem \u00fcber Treppen erreichbaren fahrbaren Podest. Im Hintergrund sind die Schatten der zum Richtplatz Gef\u00fchrten zu sehen.<br \/>\nVon szenischer Seite insgesamt also kein gutes Bild: Die \u00c4sthetik dieser \u00e4u\u00dferst konventionellen Neuinszenierung erinnert an Produktionen aus den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts. Extrem statische Personenregie l\u00e4\u00dft dabei manche Szene beinahe komisch wirken. Der in jedem Akt drohende Genozid an den Hebr\u00e4ern, das spannungsreiche Vater-Tochter-Verh\u00e4ltnis zwischen Nabucco und Abigaille, all das blendet Yannis Kokkos zugunsten d\u00fcsterer, belangloser Bebilderung der Opernhandlung v\u00f6llig aus. Das k\u00f6nnen auch die teilweise eindrucksvollen B\u00fchneneffekte nicht wettmachen. Schade!<br \/>\n<strong>S\u00e4nger\/Orchester<\/strong><br \/>\nDie wohl anspruchsvollste Partie der Oper ist die der Abigaille. <strong>Maria Guleghina<\/strong> kann trotz starker B\u00fchnenpr\u00e4senz nicht \u00fcberzeugen. In der H\u00f6he schrill und in den Koloraturen mehr als unsauber, fiel sie gegen eine <strong>Edita Gruberova<\/strong>, die zwei Abende zuvor die Norma gab, deutlich ab. Am Schlu\u00df ihrer Cavatine <em>A<\/em><em>nch\u2019io dischiuso un giorno ebbi alla gioa il core \u2013 <\/em><em>A<\/em><em>uch ich hatte ehemals ein Herz offen f\u00fcr die Freude <\/em>brach ihr der Ton v\u00f6llig weg. <strong>Paolo Gavanelli<\/strong> (Nabucco) ist Stammgast f\u00fcr alle gro\u00dfen Verdi-Baritonrollen an der M\u00fcnchener Staatsoper und verstr\u00f6mte erneut balsamische T\u00f6ne, mit denen er vor allem in der Cavatine im vierten Akt \u00fcberzeugen konnte. Zur Charakterisierung des wahnsinnigen Tyrannen in den vorigen Aufz\u00fcgen h\u00e4tte man sich jedoch weniger einem dem Sch\u00f6nklang verpflichteten Gesang gew\u00fcnscht.<br \/>\nDer Ismaele von<strong> Aleksandrs Antonenko<\/strong> blieb insgesamt eher bla\u00df, wohingegen <strong>Giacomo Prestia<\/strong> (Zaccaria) mit bet\u00f6rend sch\u00f6n gef\u00fchrter Ba\u00dfstimme, begeisterte. Ensemblemitglied <strong>Daniela Sindram<\/strong> landete als Fenena einen sch\u00f6nen Achtungserfolg.<br \/>\nBei wohl allen Auff\u00fchrungen dieser Oper \u2013 so auch hier \u2013 ist jedoch der<strong> Chor<\/strong> der Star, der bei weitem nicht nur den Gefangenenchor darzubieten hat. Es mag an der statischen Inszenierung gelegen haben, da\u00df die Damen und Herren des Opernchors sich voll und ganz auf den Gesang konzentrieren konnten. Das akustische Ergebnis war jedenfalls gro\u00dfartig. Gro\u00dfartig auch das Dirigat von <strong>Paolo Carignani<\/strong> unter dem das Staatsorchester eine konzentrierte bis ins Detail ausmusizierte Vorstellung bot.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie biedere, langweilige Inszenierung nicht gesehen zu haben ist kein Verlust. Auf Folgevorstellungen mit <strong>Prestia<\/strong>, <strong>Carignani<\/strong> und diesem Chor darf sich das M\u00fcnchner Publikum freuen.<br \/>\nChristoph Lang \t\t\t\t\t\t\t\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Wilfried H\u00f6sl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera UA: 9. 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