{"id":1780,"date":"2010-05-29T19:09:23","date_gmt":"2010-05-29T18:09:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1780"},"modified":"2010-06-01T19:57:40","modified_gmt":"2010-06-01T18:57:40","slug":"dido-and-aeneas-baden-baden-festspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1780","title":{"rendered":"DIDO AND AENEAS &#8211; Baden Baden, Festspielhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper Henry Purcell (1659-1695) in drei Akten und Epilog. Libretto: Nahum Tate nach seiner Trag\u00f6die <em>Brutus of Alba or The Enchanted Lovers<\/em> (1678) nach dem Versepos <em>Aeneis<\/em> von Vergil, UA: 11. oder 30. April 1689, Josias Priest\u2019s School of Young Ladies, Chelsea.<\/p>\n<p>Dirigent: Teodor Currentzis, Musica Aeterna Ensemble, New Siberian Singers<\/p>\n<p>Solisten: Simone Kermes (Dido), Dimitris Tiliakos (Aeneas), Deborah York (Belinda), Oleg Ryabets (Zauberin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Baden-Baden-Dido3.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1779\" title=\"Baden-Baden-Dido\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Baden-Baden-Dido3.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Baden-Baden-Dido3.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Baden-Baden-Dido3-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die karthagische K\u00f6nigin Dido klagt der Schwester Belinda ihr Liebesleid. Es handelt sich um den auf der Flucht aus Troja gestrandeten Aeneas. Das Gefolge beider freut sich daraufhin der Vereinigung der zwei K\u00f6nigreiche. Eine b\u00f6se Zauberin g\u00f6nnt den beiden jedoch ihr Liebesgl\u00fcck nicht. Sie beschlie\u00dft, Aenaeas in Gestalt Merkurs zu erscheinen, um ihn nach dem Willen der G\u00f6tter zur Weiterfahrt gen Italien zu ermahnen. Aenaeas ist hin- und hergerissen mit seiner Liebe zu Dido und dem Gehorsam gegen\u00fcber dem g\u00f6ttlichen Willen. Dido sieht Aeneas Weiterfahrt aus Gehorsam als Ausrede. Br\u00fcskiert weist sie seine Sinneswandlung, bei ihr zu bleiben, ab. Sie stirbt in den Armen ihrer Schwester.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Einen Purcell der besonderen Art gab es in Baden-Baden in jeder Hinsicht. Vorneweg wurde das <em>Dixit Dominus<\/em> in d-Moll von Georg Friedrich H\u00e4ndel gegeben, das in seiner Besetzung jener Purcells weitgehend gleicht. Auf musikalischer Ebene war dadurch ein effektvolles Kontrastprogramm geboten, indem sowohl die Solisten, <strong>New Siberian Singers<\/strong> als auch das <strong>Musica Aeterna Ensemble<\/strong> ihre St\u00e4rken zur Geltung bringen konnten. Die Streicher agierten \u00e4u\u00dferst sensibel in Akzentuierung und Dynamik, jede einzelne Note wurde mit Leben gef\u00fcllt. Rhythmische Unsicherheiten im Zusammenspiel suchte man vergebens. Auch der Chor harmonierte bestens mit den Instrumentalisten. Bereits <strong>Simone Kermes<\/strong> (Dido) erster Auftritt l\u00e4\u00dft eine gro\u00dfartige Sterbeszene am Ende vorausahnen. Dirigent und Solistin erscheinen durch k\u00f6rperliche N\u00e4he und Zuwendung als Duettpartner, die mit gro\u00dfem musikalischem Ausdruck im Publikum f\u00fcr atemberaubende Stille sorgen. Vor allem <strong>Teodor Currentzis\u2019<\/strong> Feingef\u00fchl und das Gestaltungsverm\u00f6gen der im \u00fcbrigen als einzige auswendig singenden Kermes f\u00fcr sensibelste Pianissimo-Passagen lassen die Musik in einem neuen Licht erscheinen. Nahezu unh\u00f6rbar leise intoniert sie im <em>Ah! <\/em><em>Belinda, I\u2019m prest with torment \u2013 Ah! <\/em><em>Belinda, der Schmerz bedr\u00fcckt mich<\/em>. Didos Tod geschieht hier nicht auf r\u00e4tselhafte Weise: Ihr Sterben hat bereits in ihrer ersten Arie begonnen. Verglichen mit Kermes hat <strong>Deborah York<\/strong> Schwierigkeiten,\u00a0 der Rolle Belindas den passenden Ausdruck zu verleihen. Im <em>Dixit Dominus<\/em> brillierte sie mit langatmigen pr\u00e4zisen Koloraturb\u00f6gen, die ihr gro\u00dfes technisches K\u00f6nnen unter Beweis stellten. Im klar strukturierten sanglichen Stil Purcells ist damit jedoch nicht zu trumpfen. Ihr Sopran klingt klar und leicht, emotionale Tiefe fehlt allerdings. Der Gestus des ersten Chors <em>When monarchs unite \u2013 Wenn sich Herrscher vereinen<\/em> ist hart und rasch. Doch kommt hier der Contredance-hafte Ausdruck im Orchester gut zur Geltung. <strong>Dimitris Tiliakos<\/strong> (Aeneas) hat zu Beginn in seiner oftmals rezitativischen Partie wenig Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Er verharrt in der Rolle des Kriegers und schafft es nur schwer, am Ende mit steifer, unflexibler Stimme Dido von seiner Liebe zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Der Countertenor<strong> Oleg Ryabets<\/strong> (Zauberin) klingt etwas heiser, hat aber ein weiches angenehmes Timbre, das vor allem an lauten Stellen keine unangenehmen Sch\u00e4rfen aufweist. Im <em>Dixit Dominus<\/em> dagegen kommt zudem eine f\u00fcllige Tiefe zur Geltung. Lobenswert sind vor allem die beiden Hexen, \u2013 gesungen von Mitgliedern der <strong>New Siberian Singers<\/strong> \u2013\u00a0 die ihrem Gel\u00e4chter durch hart gesto\u00dfene <em>Oh<\/em> und <em>Ah<\/em> \u2013 Laute die geforderte T\u00fccke und Hinterlist verliehen. Eine Glanzleistung des <strong>Chores<\/strong> ist es, am Ende das sensible <em>Piano<\/em> von Orchester und Dido zu \u00fcbernehmen. Das macht Eindruck. Selten hat man Musik so einf\u00fchlsam ausklingen h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Teodor Currentzis ist ein aufgehender Stern am Barockhimmel. Sein <em>Musica Aeterna Ensemble<\/em> setzt alle seine Anforderungen mit Leichtigkeit um. Mehr als der tosende Applaus sprach zuvor die atemberaubende Stille im Saal w\u00e4hrend der ganzen Vorstellung f\u00fcr diese einzigartige Interpretation. Verglichen mit der vor einer Woche bejubelten <em>Carmen-<\/em>Darbietung \u00fcbertraf sich Currentzis hier bei weitem. Im Gegensatz zur historischer Auff\u00fchrungspraxis, die von der ersten Generation bis heute oftmals in Diskussionen \u00fcber Akzentuierung, Phrasierung und der H\u00f6he des Kammertons stecken bleibt und dar\u00fcber h\u00e4ufig die Umsetzung der Musikdarbietung vergi\u00dft, wurde hier der individuelle Kern der Komposition und deren thematische Aussagekraft herausgearbeitet.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Simone Kermes (Dido), Dirigent(Teodor Currentzis) und das <em>Musica Aeterna Ensemble<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper Henry Purcell (1659-1695) in drei Akten und Epilog. Libretto: Nahum Tate nach seiner Trag\u00f6die Brutus of Alba or The Enchanted Lovers (1678) nach dem Versepos Aeneis von Vergil, UA: 11. oder 30. 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