{"id":1765,"date":"2010-05-31T10:06:59","date_gmt":"2010-05-31T09:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1765"},"modified":"2010-05-31T10:06:59","modified_gmt":"2010-05-31T09:06:59","slug":"tristan-und-isolde-dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1765","title":{"rendered":"TRISTAN UND ISOLDE &#8211; D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Musik und Text von Richard Wagner, UA 10. Juni 1865, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Claus Guth, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Schmidt<\/p>\n<p>Dirigent: Axel Kober, D\u00fcsseldorfer Symphoniker, Chor und Statisterie der Deutschen Oper am Rhein<\/p>\n<p>Solisten: Ian Storey (Tristan), Janice Baird (Isolde), Hans-Peter K\u00f6nig (Marke), Annette Seiltgen (Brang\u00e4ne), Oleg Bryjak (Kurwenal) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Duesseldorf-Tristan.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1766\" title=\"Duesseldorf-Tristan\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Duesseldorf-Tristan.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Duesseldorf-Tristan.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Duesseldorf-Tristan-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke von Kornwall als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod. Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Ihre Magd Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht. Tristan und Isolde entbrennen in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet K\u00f6nig Marke, trifft sich aber immer wieder mit Tristan. Dessen Freund Melot verr\u00e4t die Liebenden und verwundet Tristan schwer. W\u00e4hrend Isolde zur\u00fcckbleibt, bringt der Knappe Kurwenal Tristan in Sicherheit. In der Hoffnung, da\u00df sie Tristans Verwundung heilen kann, schickt Kurwenal nach Isolde. Tristan stirbt jedoch im Moment ihrer Ankunft. Als letzte Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung ist in die Entstehungszeit des Werkes, also in die Mitte des 19. Jahrhunderts, verlegt. Es ist die Welt von B\u00fcrgertum und Geldadel, die Marke als Gro\u00dfindustrieller mit pelzverbr\u00e4mtem Mantel repr\u00e4sentiert. Das Innere einer Villa mit hohen Decken und T\u00fcren, Wintergarten und kahlen Fluren bestimmt das B\u00fchnenbild. Immer wieder irren die Figuren, unterst\u00fctzt von einer Drehb\u00fchnen-Konstruktion, in den Zimmern umher. Reale Situationen und solche, die nur in Tr\u00e4umen oder Erinnerungen exstieren, vermischen sich. Isolde ist von Anfang an eine psychisch labile Frau, ein Opfer b\u00fcrgerlicher Zw\u00e4nge, deren Symbol die festlich gedeckte Tafel ist, der zentrale Ort b\u00fcrgerlicher Geselligkeit. Gef\u00fchle haben hier zu schweigen. Aus diesen Zw\u00e4ngen versucht Tristan sich und Isolde zu befreien, wenn er im zweiten Aufzug das Geschirr vom Tisch fegt, um Platz zu schaffen f\u00fcr einen \u2013 nicht vollzogenen \u2013 Liebesakt. Der Preis ist hoch: Im dritten Aufzug vegetieren Tristan und Kurwenal in einer Gasse zwischen zwei heruntergekommenen H\u00e4usern dahin, Ausgesto\u00dfene wie der Isoldes Ankunft meldende Hirt, der hier ein Obdachloser ist. Sterbend tr\u00e4umt sich Tristan zur\u00fcck an die Tafel in Markes Villa. Hier findet ihn Isolde \u2013 und zieht die letzte Konsequenz: Nach dem \u201eLiebestod\u201c nimmt sie ihre Umwelt nicht mehr wahr.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ian Storeys<\/strong> (Tristan) kraftvolle Stimme hat die notwendigen Reserven f\u00fcr die Fieberausbr\u00fcche des dritten Aufzugs. Zu einer Ausnahmeleistung wird seine Interpretation aber durch die leisen T\u00f6ne, die dem Helden eine ber\u00fchrende Verletzlichkeit geben, und die Storey, trotz seiner h\u00fcnenhaften Statur, auch in der K\u00f6rpersprache umsetzt. Weniger differenziert geht <strong>Janice Baird<em> <\/em><\/strong>(Isolde) ihre Partie an. Die Energie der Amerikanerin ist bis zum Ende atemberaubend. Ihr fehlt allerdings, vor allem im Duett des zweiten Aufzuges, die F\u00e4higkeit, die Stimme zur\u00fcckzunehmen, weshalb Baird und Storey hier nicht wirklich zueinander finden. <strong>Annette Seiltgen <\/strong>(Brang\u00e4ne) kostet intonationssicher, mit schlanker Stimme und gro\u00dfer Textverst\u00e4ndlichkeit die weiten Melodieb\u00f6gen der oft stiefm\u00fctterlich behandelten Partie aus. Brang\u00e4nes <em>Habet acht<\/em>-Rufe sind ein H\u00f6hepunkt des Abends. Kom\u00f6diantische Momente bringt <strong>Oleg Bryjak (Kurwenal) <\/strong>als sympathisch polternder Naturbursche ins Spiel. Der stimmgewaltige <strong>Hans-Peter K\u00f6nig <\/strong>(Marke) gibt einen autorit\u00e4ren und dabei mit balsamischem Wohlklang singenden Herrscher. Die St\u00e4rken der <strong>D\u00fcsseldorfer Symphoniker <\/strong>sind die fl\u00fcssigen Tempi und die bis in hohe Lagen brillant spielenden Streicher und Holzbl\u00e4ser. Passagen mit voller Orchesterbesetzung geraten dagegen zu derb, hier wird Leidenschaft mit Lautst\u00e4rke verwechselt. Trotzdem: Generalmusikdirektor <strong>Axel Kober<\/strong> hat in seiner zweiten D\u00fcsseldorfer Saison ein Fundament gelegt, auf dem sich aufbauen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung von <strong>Claus Guth<\/strong>, in der vergangenen Spielzeit bereits in Z\u00fcrich gezeigt, ist \u00e4sthetisch anspruchsvoll und packend \u2013 sieht man von wenigen L\u00e4ngen ab. Da\u00df Guth die Handlung ins 19. Jahrhundert verlegt, mu\u00df nicht nur als Anspielung auf Wagner und seine Beziehung zu der verheirateten Mathilde Wesendonck interpretiert werden. Hier scheint es vielmehr um den geistigen Hintergrund des Werkes im allgemeinen zu gehen. Gerade deshalb geht Guths Konzept auf, trotz gelegentlicher Reibungspunkte mit dem Text. Ein szenisch wie musikalisch starker Abend, der mit gro\u00dfem Jubel \u2013 und einigen Buhs f\u00fcr die Regie \u2013 zu Ende geht.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ian Storey (Tristan) und Janice Baird (Isolde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Musik und Text von Richard Wagner, UA 10. 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