{"id":1756,"date":"2010-05-06T09:04:29","date_gmt":"2010-05-06T08:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1756"},"modified":"2011-02-24T12:41:06","modified_gmt":"2011-02-24T11:41:06","slug":"la-calisto-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1756","title":{"rendered":"LA CALISTO &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giovanni Faustini nach den Metamorphosen von Ovid, UA: 28. November 1651, Theater San Apollinare, Venedig.<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Macha Macheieff, Licht: Dominique Brugui\u00e8re, Choreographie: Lionel Hoche<\/p>\n<p>Dirigent: Christophe Rousset, <em>Les Talens Lyriques<\/em><\/p>\n<p>Solisten: Sophie Karth\u00e4user (La Calisto), Lawrence Zazzo (Endymion), Giovanni Battista Parodi (Jupiter), V\u00e9ronique Gens (Juno, Das Schicksal), Marie-Claude Chappuis (Diana, Die Ewigkeit) Milena Storti\u00a0 (Linfea), Cyril Auvity (Pane, Die Natur),\u00a0 Mario Cassi\u00a0 (Mercurio), Sabina Pu\u00e9rtolas (Satyr), Greame Broadbent (Silvano), Axel Anselmo (Amore).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung:\u00a0 5. Mai 2010\u00a0 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Paris-La-Calisto1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1758\" title=\"Paris-La-Calisto\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Paris-La-Calisto1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Paris-La-Calisto1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Paris-La-Calisto1-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Nymphe Calisto, Dienerin der keuchen G\u00f6ttin Diana, weist die Ann\u00e4herungsversuche Jupiters zur\u00fcck. Doch der G\u00f6ttervater nimmt, dem Rate seines Begleiters Merkur folgend, selbst die Gestalt Dianas an, so da\u00df ihm Calisto nun\u00a0 freudig auf einen \u201eWaldspaziergang\u201c folgt. Indessen, singt der Hirte Endymion seine hoffnungslose Liebe zur Diana. Calisto, begl\u00fcckt aus dem Wald zur\u00fcckgekehrt, kann die\u00a0 Entr\u00fcstung ihrer Herrin nicht verstehen. Endymion ist \u00fcber seinem Liebesgesang eingeschlafen. Diana bewundert seine Sch\u00f6nheit und k\u00fc\u00dft ihn. Sie gesteht ihm ihre Liebe, aber eingedenk ihres Keuschheitsgel\u00f6bnisses flieht sie. Juno wittert einen Seitensprung Jupiters, steigt zur Erde herab und findet ihre Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt. Der immer noch verkleidete Jupiter verabredet sich erneut mit Calisto. Endymion macht der vermeintlichen Diana Vorw\u00fcrfe. Der G\u00f6ttervater kommt in Verlegenheit. Pan und die Satyr entf\u00fchren den verbitterten Hirten.<\/p>\n<p>Calisto wartet auf ihre \u201eDiana\u201c an der Quelle, doch statt derer erscheint Juno und verwandelt die Nymphe in einen kleinen B\u00e4ren. Diana befreit Endymion. Sie schw\u00f6ren einander ewige, doch keusche Liebe. Jupiter kehrt auf den Olymp zur\u00fcck. Und Calisto wird als Ursa minor \u2013 kleine B\u00e4rin, in die Zahl der Sternbilder aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Es war nicht die erste Operninszenierung\u00a0 der vielseitigen Regisseurin Macha\u00a0 Machaieff, doch ihre erste im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es. Ein karges B\u00fchnenbild, gro\u00dfe silberne und goldene\u00a0 Scheiben auf schwarzem Hintergrund. Davor stilisierte, oft wie von Kinderhand gemalte Kulissen. Dazu meist farbenpr\u00e4chtige Phantasiekost\u00fcme, unter denen die zebragestreifte Popstar-Glitzerjacke Jupiters besonders auffiel.<\/p>\n<p><strong>Orchester und Solisten.<\/strong><\/p>\n<p>Sophie Karth\u00e4user\u00a0 spielt und singt die naiv-idealistische Nymphe Calisto\u00a0 glaubw\u00fcrdig und mit Charme. Stimmlich bewegt sie gleich zu Beginn im Lamento (Klagelied) <em>Piante ombrose \u2013 Schattenspendende Pflanze<\/em> durch klares Legato und ein m\u00fcheloses Durchlaufen der Melismen. Wirkt sie im hohen dramatischen Register anf\u00e4nglich etwas herb, so entfaltet sich im Laufe des Abends auch ihr hohes reines Timbre. Vor allem aber strahlt ihre Stimme in den Liebesduetten (1. Akt 5. und 3. Akt, 4. und 8. Szene).<\/p>\n<p>Lawrence Zazzo und Marie-Claude Chappuis erfreuen durch wundervollen Wechselgesang. Bei Lawrence Zazzo, der dem Publikum des Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es als Star unz\u00e4hliger Barock-Interpretationen wohl bekannt ist, erstaunt das wenig. Doch die nuancierte, klare Phrasierung und die stimmliche Sicherheit der jungen Schweizerin in dieser Barockrolle war eine freudige \u00dcberraschung und die Liebesszene auf dem Monte Liceo demnach entschieden einer der H\u00f6hepunkte des Abends.<\/p>\n<p>Giovanni Battista Parodis warmer, voller Ba\u00df gab dem unverbesserlichen Sch\u00fcrzenj\u00e4ger Jupiter Verf\u00fchrungskraft und seine Falsettstimme in den Verkleidungsszenen k\u00f6nnte manch einen Countertenor vor Neid erblassen lassen. Sein treuer Diener Mercurio begleitete ihn mit Rat, Tat und einem wohlklingenden Bariton. V\u00e9ronique Gens starker, dramatischer Sopran brachte die Rachegef\u00fchle der verletzen Juno prachtvoll zum Ausdruck. Nicht zu vergessen die tragikomischen Szenen der peitschenschwingenden Linfea, die Milena Storti mit tiefer Altstimme und d\u00fcsterer Leidenschaft verk\u00f6rperte. Die \u201ebeleidigten\u201c Unterg\u00f6tter der Waldwelt, Pan, Silvano und Satyr, hatten als Terzett farbenfreudige Auftritte, wobei\u00a0 das metallhelle Timbre Cyril Auvitys besonders auffiel.<br \/>\n<em>Les Talens Lyriques<\/em> bestanden zu diesem Anla\u00df aus Geigen, Blockfl\u00f6ten, Kornetts und einem vielf\u00e4ltigen basso continuo. Vom Cembalo hat Christophe Rousset\u00a0 mit Pr\u00e4zision, Eleganz und hoher Musikalit\u00e4t die 14 Instrumentalisten und 10 S\u00e4nger zu einen erfreulichen Ganzen zusammengef\u00fcgt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Francesco Cavalli, Sch\u00fcler und Nachfolger Claudio Monteverdis als Kapellmeister von San Marco in Venedig, galt als der f\u00fchrende Meister der venezianischen Oper in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Christophe Roussets musikalische Leitung lie\u00dfen diese dreieinhalb Jahrhunderte alte Opernkom\u00f6die auch heute noch zu einem musikalischen Vergn\u00fcgen werden.\u00a0 Und man erkennt das Wegweisende dieses Werks. Der oft \u00fcber das arioso hinausgehende Sologesang deutet schon die gro\u00dfen da capo Arien der sp\u00e4ten Barockopern an, und man fragt sich, ob der Venezianer Lorenzo da Ponte nicht auch mal in diese frivole Posse\u00a0 hineingeschaut hatte, bevor er das Paar Don Giovanni-Leporello konzipierte und sp\u00e4ter die Verkleidungsszenen in <em>Cos\u00ec fan tutte.<\/em><\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Alvaro Yanez<\/p>\n<p>Das Bild zeigt von links nach rechts: zwei Furien, Sophie Karth\u00e4user (Calisto) und V\u00e9ronique Gens (Juno)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giovanni Faustini nach den Metamorphosen von Ovid, UA: 28. November 1651, Theater San Apollinare, Venedig. Regie, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Macha Macheieff, Licht: Dominique Brugui\u00e8re, Choreographie: Lionel Hoche Dirigent: Christophe Rousset, Les<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1756\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,128],"tags":[],"class_list":["post-1756","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-paris-theatre-des-champs-elysees"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1756","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1756"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2580,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1756\/revisions\/2580"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}