{"id":174,"date":"2008-02-01T21:56:30","date_gmt":"2008-02-01T19:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=174"},"modified":"2008-02-18T20:04:36","modified_gmt":"2008-02-18T18:04:36","slug":"wiesbaden-hessisches-staatstheater-der-freischutz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=174","title":{"rendered":"Wiesbaden, Hessisches Staatstheater &#8211; DER FREISCH\u00dcTZ"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen<br \/>\nLibretto: Johann Friedrich Kind<br \/>\nZus\u00e4tzliche Texte von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich von Kleist, Andreas Gryphius<br \/>\nUA: 18. Juni 1821, K\u00f6nigliches Schauspielhaus, Berlin<br \/>\nRegie: Dietrich Hilsdorf, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Renate Schmitzer<br \/>\nDirigent: Marc Piollet, Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden<br \/>\nSolisten: Thomas de Vries (Ottokar), Axel Wagner (Kuno), Astrid Weber (Agathe), Emma Pearson (\u00c4nnchen), Thomas Jesatko (Kaspar), Martin Homrich (Max), Christoph Stephinger (Ein Eremit), Brett Carter (Kilian), Zygmunt Apostol (Samiel), Monika Baumgartner, Andrea Diedrich, Heike Schmidt, Barbara Schramm (Brautjungfern)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 26. Januar 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"freischuetz-wiesbaden.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/freischuetz-wiesbaden.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"freischuetz-wiesbaden.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/freischuetz-wiesbaden.jpg\" \/><\/a>Der J\u00e4gerbursche Max versagt beim Probeschie\u00dfen. Doch um Agathe, die Tochter des Erbf\u00f6rsters Kuno, heiraten zu d\u00fcrfen, muss Max beim Probeschie\u00dfen am n\u00e4chsten Tag das Ziel treffen. Da hat der J\u00e4ger Kaspar eine gute Idee: er schl\u00e4gt vor, sich mit Max in der Wolfsschlucht zu treffen, um mit der teuflischen Hilfe Samiels sieben Freikugeln zu gie\u00dfen. Die Freikugeln treffen immer ihr Ziel. Doch die Sache hat einen Haken: die letzte der sieben Kugeln darf Samiel selbst leiten. W\u00e4hrenddessen ist Agathe mit ihrer Vertrauten \u00c4nnchen daheim, und wird von b\u00f6sen Vorahnungen geplagt. Um Mitternacht gie\u00dfen Max und Kaspar die Kugeln.<br \/>\nAgathe tr\u00e4umt, sie w\u00e4re eine wei\u00dfe Taube, und Max w\u00fcrde sie erschie\u00dfen. Daraufhin kommen die Brautjungfern, um Agathe mit der Brautkrone zu schm\u00fccken, doch in der Schachtel liegt eine Totenkrone. Um die Situation zu retten, stellt \u00c4nnchen aus den wei\u00dfen Rosen eines Eremiten einen neuen Kranz her. Beim Probeschie\u00dfen soll Max eine wei\u00dfe Taube treffen. Doch die beiden J\u00e4ger haben bereits sechs der sieben Freikugeln verpulvert. Max schie\u00dft, obwohl er wei\u00df, dass Samiel die Kugel lenkt. Agathe und Kaspar gehen zu Boden. Zum Schluss erscheint der Eremit und bittet den F\u00fcrsten Ottokar, Max zu begnadigen.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEigentlich spielt die Oper 1648, n\u00e4mlich am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. Und so sind die Folgen des Krieges auch auf dem B\u00fchnenbild von <strong>Dieter Richter<\/strong> noch deutlich zu erkennen: ausgebrannte Geb\u00e4ude, zerst\u00f6rte H\u00e4userfronten. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkt man, dass <strong>Dietrich Hilsdorf<\/strong> nicht das Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges meint, sondern die Handlung in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges verlegt, also 1948. Im Harz. Zwischen Schierke und Elend. Am Ende des tausendj\u00e4hrigen Krieges w\u00e4hlt Hilsdorf den Schauplatz seiner Handlung. An der zertr\u00fcmmerten Fassade sind noch die Spuren des Adlers und des abgeschlagenen Hakenkreuzes zu sehen, auf der B\u00fchne patrouillieren Soldaten in SS-Montur und unterdr\u00fccken die Bauern. Da betreten Str\u00e4flinge die B\u00fchne, da werden Gefangene exekutiert, der J\u00e4gerchor wird zu einer Jagd des \u201eAngsthasen\u201c, der von den Soldaten gesch\u00e4ndet wird. Und w\u00e4hrend Max und Kaspar die Freikugeln gie\u00dfen, erschie\u00dfen die Soldaten im Hintergrund zu jeder Kugel einen Gefangenen. Immerhin pa\u00dft dies vielleicht zum satanischen Ritual, wenn sich der Teufel dabei nach und nach immer neue Seelen holt. Das konservative Wiesbadener Publikum protestiert jedoch mit massiven Buh-Rufen gegen die Gewalt- und Sch\u00e4ndungs-Szenen: Sie wollen eine Romantische Oper sehen. Doch die wird ihnen an diesem Abend nicht geboten.<br \/>\nNichtsdestotrotz gibt es viele raffinierte Ideen in der Inszenierung. So etwa der Theatereffekt zu Beginn der Oper, der durch mehrere transparente Vorh\u00e4nge erzielt wird, auf denen der Wald zu erkennen ist. Dahinter werden w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre schon Andeutungen auf die sp\u00e4tere Handlung gemacht. Agathe erh\u00e4lt beispielsweise zu Beginn die wei\u00dfen Rosen vom Eremiten, und Max erdrosselt ein Kind im Kinderwagen. Daran l\u00e4sst sich schon fr\u00fch erkennen, dass Agathe nach Hilsdorfs Interpretation schon vor der Hochzeit schwanger ist: Mit dem \u00c4nnchen futtert sie Gurken in der Schlafkammer, und sp\u00e4ter rufen die Bauern hinein: Es stinkt! Sie f\u00fcttert zwei, wenn sie nun isst und trinkt!, frei nach Goethes Faust. Damit erh\u00e4lt nat\u00fcrlich auch Kunos Absicht, Max und Agathe schnell zu verheiraten, einen neuen Beweggrund.<br \/>\nAuf k\u00fcnstlerischer Ebene bewegt sich die Oper auf einem musikalisch hohen Niveau. <strong>Martin Homrich<\/strong> singt pr\u00e4zise einen sehr gef\u00fchlvollen Max. <strong>Thomas Jesatko<\/strong> als Kaspar meistert vor allem die L\u00e4ufe gut, und gibt sich b\u00f6se. <strong>Astrid Weber<\/strong>, die die Agathe spielt, gibt alle Gef\u00fchlszust\u00e4nde sehr gut wieder: Sie singt bald besorgt, bald freudig, mal sanft und mal volumin\u00f6s. <strong>Emma Pearson<\/strong> als \u00c4nnchen erfreut durch einen angenehmen, hellen Klang.<br \/>\nAuch das <strong>Orchester <\/strong>unter der Leitung von <strong>Marc Piollet <\/strong>liefert eine brillante Vorstellung. Vor allem die f\u00fcr den J\u00e4germythos so wichtigen H\u00f6rner spielen sehr sauber. Generell konnte man sich auch \u00fcber ein gutes Zusammenspiel von <strong>Orchester und Chor<\/strong> beziehungsweise Solisten und \u00fcber die einwandfreie Verst\u00e4ndlichkeit der Texte freuen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Zuschauer sind mit der provokanten Inszenierung mehr als unzufrieden, die musikalische Darbietung von Orchester und S\u00e4ngern erh\u00e4lt breite Zustimmung.<br \/>\nTosender Applaus f\u00fcr das Ensemble, Bravi f\u00fcr die Musiker, Buhs f\u00fcr die Inszenierung.<br \/>\nJulia Korst\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Foto:\u00a0Martin\u00a0Kaufhold<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen Libretto: Johann Friedrich Kind Zus\u00e4tzliche Texte von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich von Kleist, Andreas Gryphius UA: 18. 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