{"id":1736,"date":"2010-05-24T06:40:14","date_gmt":"2010-05-24T05:40:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1736"},"modified":"2010-05-26T06:47:31","modified_gmt":"2010-05-26T05:47:31","slug":"carmen-baden-baden-festspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1736","title":{"rendered":"Carmen &#8211; Baden-Baden, Festspielhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Opera comique in vier Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach der Novelle Carmen von Prosper M\u00e9rim\u00e9e<br \/>\nRegie: Philippe Arlaud, Kost\u00fcme: Andrea Uhmann, Videodesign: screenpix<br \/>\nDirigent: Teodor Currentzis, Balthasar-Neumann-Ensemble, Balthasar-Neumann-Chor, Petits Chanteurs de Strasbourg\/Ma\u00eetrise de l\u2019Op\u00e9ra national du Rhin<br \/>\nSolisten: Rinat Shaham (Carmen), Nikolai Schukoff (Don Jos\u00e9), Marina Rebeka (Mica\u00ebla), Michael Nagy (Escamillo), Michael Vier (Danca\u00efre), James Elliott (Remendado), Jean-Marc Salzmann (Zuniga), Roman Gr\u00fcbner (Moral\u00e9s), Katherina M\u00fcller (Frasquita), Christina Daletska (Merc\u00e9d\u00e8s), Philippe Ermelier (Lillas Pastia)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 22. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Baden-Baden-Carmen2.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1737\" title=\"Baden-Baden-Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Baden-Baden-Carmen2.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Baden-Baden-Carmen2.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Baden-Baden-Carmen2-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong>Die Mutter des Brigadiers Don Jos\u00e9 w\u00fcnscht eine Heirat ihres Sohnes mit ihrer Ziehtochter Mica\u00ebla. Don Jos\u00e9 ist allerdings der Zigeunerin Carmen verfallen, die zu einer Schmugglerbande in der Gegend geh\u00f6rt. Jos\u00e9 hatte ihr nach einem von Carmen begonnenen Streit in der Zigarrenfabrik zur Flucht verholfen und mu\u00dfte deswegen selbst ins Gef\u00e4ngnis. Er l\u00f6st danach die Verlobung mit Mica\u00ebla und schlie\u00dft sich den Zigeunern an. Bevor Jos\u00e8 aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wird, machte Carmen Bekanntschaft mit dem Stierk\u00e4mpfer Escamillo, was Don Jos\u00e8s Eifersucht weckt. Nachdem seine sterbende Mutter ihn zu sich bat, kehrt er nach Sevilla zur\u00fcck, und t\u00f6tet am Rande eines Stierkampfes Carmen aus Eifersucht.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Zu Beginn findet sich der Zuschauer vor einem Aquarium wieder. Ein toter Stier sinkt langsam auf den Grund hinab. Wieder einmal erlebt man die Handlung aus der Erz\u00e4hlung Don Jos\u00e9s. Dieser wartet mit verbundenen Augen auf die Erschie\u00dfung durch seine einstigen Kameraden. Im Hintergrund sind maurische Tor- und Fensterlaibungen angedeutet. In Feinheiten zeigt sich die ungesch\u00f6nte Realit\u00e4t Spaniens zur Zeit Bizets (?): Bei Mica\u00eblas anf\u00e4nglicher Suche nach Don Jos\u00e9 setzt Moral\u00e8s zur Masturbation an. Kurz sp\u00e4ter sieht man unter den Zigarettenarbeiterinnen eine rauchende Schwangere. Anderes bleibt unklar: In der ersten Begegnung sind Mica\u00ebla und Don Jos\u00e9 durch ein Gef\u00e4ngnisgitter getrennt. Anfang des dritten Aktes prozessiert ein Leichenzug \u00fcber die B\u00fchne, zu einem Zeitpunkt, als Don Jos\u00e9s Mutter noch am Leben ist. Im dritten Akt ist \u00a0eine rauhe Felsenlandschaft zu sehen, in der stark angetrunkene Zigeunerinnen ihre Karten legen. Kurz darauf tritt Mica\u00ebla bei ihrer Arie ganz in wei\u00df mit einem Andachtsbild im Arm vor einem schwarzen Sternenhimmel auf.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Unter der Leitung von <strong>Teodor Currentzis<\/strong> bl\u00fchte das Balthasar-Neumann-Ensemble bereits in der Ouvert\u00fcre zu Glanzleistungen auf. Besonders die Streicher zeigten sich im Torero-Abschnitt (Tor\u00e9ador) dynamisch sehr beweglich. Die <strong>Petits Chanteurs de Strasbourg<\/strong> machten ihrem Namen alle Ehre: Der sauber intonierende Kinderchor beschrieb die Wachabl\u00f6sung in klarstem Franz\u00f6sisch. <strong>Nikolai Schukoff<\/strong> (Don Jos\u00e9) wirkte im ersten Akt, besonders im ersten Duett mit Mica\u00ebla <em>Parle-moi de ma mere \u2013 Erz\u00e4hle mir von meiner Mutter,<\/em> bla\u00df und ausdruckslos. Desto mehr \u00fcberraschte sein Pathos im Finale, wo Zerrissenheit und Verzweiflung stimmlich selten so hinrei\u00dfend zur Geltung kommen. Vor allem in der H\u00f6he gl\u00e4nzte er mit langem und sicherem Atem! <strong>Rinat Shaham<\/strong> (Carmen) versuchte noch zu Beginn in der Habanera, eventuelle Sch\u00e4rfen der Spitzent\u00f6ne abzud\u00e4mpfen. Im zweiten Akt kam dann ihre ganze Farbenpalette zur Geltung: Das Timbre war dunkel, zugleich stets leicht und verspielt \u2013 kann man sich von einer Carmen mehr w\u00fcnschen? <strong>Marina Rebeka<\/strong> (Mica\u00ebla) war das Gegenteil: hell, strahlend und schuldlos erklang ihr <em>Je dis que rien me n\u2019\u00e9pouvante \u2013 Ich sage, da\u00df mich nichts erschreckt<\/em>, vom Publikum mit tosendem Applaus goutiert. <strong>Michael Nagy<\/strong> (Escamillo) machte mit seinem sonoren Bariton in ganzer Hinsicht den Eindruck eines prahlerischen Stierk\u00e4mpfers. Im Ensembleschlu\u00df <em>L\u2019amour t\u2019attend \u2013 Die Liebe erwartet dich<\/em> mit den Soli von <strong>Katherina M\u00fcller<\/strong> (Frasquita) und <strong>Christina Daletska<\/strong> (M\u00e9rc\u00e9d\u00e8s) traf auch auf stimmlicher Ebene weibliche Koketterie auf eine \u00fcbergro\u00dfe Dosis Testosteron. Durchweg fand sich eine fein ausgearbeitete Musikalit\u00e4t.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Meist\u00a0 suchte die Inszenierung einen Mittelweg zwischen Aktualit\u00e4t und Werktreue. Es handelte sich um eine Inszenierung, die an mancher Stelle mitf\u00fchlte, anderw\u00e4rts aber irritierte.<\/p>\n<p>Eine vor allem musikalisch h\u00f6chst lobenswerte Produktion, die sich wegen zweier Pausen bis in den sp\u00e4ten Abend zog. Die gl\u00fcckliche Wahl der Solisten und ein spannungsgeladenes Musizieren verlieh dieser <em>Carmen<\/em> eine besondere Note. Das Programmheft erkl\u00e4rt umfassend und strukturiert die dramaturgischen Aspekte der Oper und das Dilemma der Darstellung in unserer heutigen Zeit &#8211; eine Aufarbeitung, die man andernorts vergeblich sucht.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<br \/>\nDas Bild zeigt Rinat Shaham (Carmen), M\u00e4nnerchor und Michael Nagy (Escamillo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georges Bizet (1838-1875), Opera comique in vier Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach der Novelle Carmen von Prosper M\u00e9rim\u00e9e Regie: Philippe Arlaud, Kost\u00fcme: Andrea Uhmann, Videodesign: screenpix Dirigent: Teodor Currentzis, Balthasar-Neumann-Ensemble, Balthasar-Neumann-Chor, Petits Chanteurs de Strasbourg\/Ma\u00eetrise de<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1736\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[107,1],"tags":[],"class_list":["post-1736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-baden-baden-festspielhaus","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1736"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1739,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1736\/revisions\/1739"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}