{"id":1727,"date":"2010-05-20T22:24:00","date_gmt":"2010-05-20T21:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1727"},"modified":"2010-05-26T07:01:11","modified_gmt":"2010-05-26T06:01:11","slug":"das-rheingold-mailand-teatro-alla-scala","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1727","title":{"rendered":"Das Rheingold &#8211;  Mailand, Teatro alla Scala"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Oper in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 1869, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Regie: Guy Cassiers\/Enrico Bagnoli, Kost\u00fcme: Tim Van Steenbergen, Licht: Enrico BagnoliVideo: Arien Klerkx und Kurt D\u2019Haeseleer, Choreographie: Sidi Larbi Cherkaoui<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Orchestra del Teatro alla Scala, Ballett-Compagnie Eastman (Antwerpen)<\/p>\n<p>Solisten: Rene Pape (Wotan), Doris Soffel (Fricka), Anna Samuil (Freia), Jan Buchwald (Donner), Marco Jentzsch (Froh), Stephan R\u00fcgamer (Loge), Johannes Martin Kr\u00e4nzle (Alberich), Wolfgang Albinger-Sperrhacke (Mime), Tigran Martirossian (Fasolt), Timo Riihonen (Fafner), Anna Larsson (Erda), Aga Mikolaj (Woglinde), Maria Gortsevskaya (Wellgunde), Marina Prudenskaya (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19.Mai 2010 (Koproduktion mit der Staatsoper Berlin)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Milano-Rheingold-IMG_1806-350.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1728\" title=\"Milano Rheingold\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Milano-Rheingold-IMG_1806-350.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Milano-Rheingold-IMG_1806-350.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Milano-Rheingold-IMG_1806-350-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Alberich wirbt um die drei Rheint\u00f6chter, die ihn aber nur verspotten. Daraufhin entsagt er der Liebe und stiehlt ihnen das Rheingold. Aus diesem Gold l\u00e4\u00dft er einen machtvollen Ring schmieden, mit dessen Kraft er sich die Nibelungen untert\u00e4nig macht. Die Riesen Fafner und Fasolt haben f\u00fcr den Gott Wotan die Burg Walhall erbaut, und fordern nun von ihm als ihren Lohn die G\u00f6ttin Freia. Doch Wotan will Freia nicht herausgeben, und der intrigante Gott Loge \u00fcberzeugt ihn davon, Alberich den Ring und das Rheingold zu entrei\u00dfen, um damit die Riesen zu entlohnen. Alberich verflucht den Ring. Wotan gibt den Ring an Fasolt. Fafner erschl\u00e4gt seinen Bruder, die G\u00f6tter ziehen in die Burg Walhall ein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Guy Cassiers<\/strong>\/<strong>Enrico Bagnolis<\/strong> setzen auf b\u00fchnenf\u00fcllende Videoprojektionen und zeigen bunte Farbfl\u00e4chen sowie abstrakte Landschaften, in denen man einen Blick auf die dunkle Welt der Nibelungen und auf einen G\u00f6tterfries hat. Die Handlung erz\u00e4hlt Cassiers durch die <strong>Ballett-Compagnie Eastmen<\/strong>. Die Hauptdarsteller erhalten jeweils einen Schatten. So geschieht das mit Wotan, Fricka, den Nibelungen und den Riesen. Letztere werden als riesiger Schattenri\u00df auf die Leinwand projiziert. Auch Drache, Kr\u00f6te, Tarnhelm und die Fesselung Alberichs werden durch Ballett-Einlagen dargestellt. Deshalb kann man eigentlich nicht mehr von einer Personenf\u00fchrung sprechen, nur Loge, Alberich und Mime spielen noch eingeschr\u00e4nkt ihre Rolle. Wichtige Szenen wirken dadurch wenig konkret: Alberich raubt das Gold, indem er seine Jacke durch die Pf\u00fctzen auf der B\u00fchne zieht \u2013 den Ring gestaltet er als Glitzerhandschuh, das L\u00f6segeld zahlt er mit Goldplatten, die man einfach aufschichtet \u2013 und wieder versenkt. Die G\u00f6tter erscheinen in verschmutzten, zerrissenen Anz\u00fcgen, die Damen haben ihre Kost\u00fcme im Wickel-Look umgestaltet. Die Nibelungen tragen abgewetzte historisierende, die Riesen einfache schwarze Arbeitskleidung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ren\u00e9 Papes<\/strong> Rollendeb\u00fct als Wotan an der Scala fiel etwas zwiesp\u00e4ltig aus. Denn dieser ber\u00fchmte Ba\u00df hatte mit den Vielschichtigkeiten der Ba\u00dfbariton-Partie zu k\u00e4mpfen. Gerade die h\u00f6heren Abschnitte gleich zu Beginn <em>Vollendet das ewige Werk<\/em> sang er nur verhalten, die Orchestermusik \u00fcbert\u00f6nt ihn. Das \u00e4ndert nichts an der wortgewaltigen Interpretation. Die Aufmerksamkeit an diesem Abend zog eher <strong>Johannes Martin Kr\u00e4nzle<\/strong> als Alberich auf sich. Nie die Gesangslinie verlassend, machte er deutlich, da\u00df man diese Rolle auch singen kann und nicht als Sprechrolle gestalten mu\u00df! Und weil <strong>Wolfgang Albinger-Sperrhacke<\/strong> ein lyrischer, voll im Saft stehender Tenor ist und den Mime ebenfalls voll aussingen kann, wurde der Dialog Mime-Alberich zu einem Duell der selten geh\u00f6rten Extraklasse. Auch <strong>Stephan R\u00fcgamer<\/strong> kann seine Rolle als Loge mit s\u00e4ngerischen Mitteln als Charakterstudie der Verlogenheit gestalten, wobei er manchmal \u00fcbertrieb und seine Stimme manchmal etwas nasal klang. Ebenso gl\u00e4nzend aufgelegt war <strong>Anna Larsson<\/strong> in ihrer Paraderolle Erda, ein Hochgenu\u00df! Ebenso herausragend hatte man die kleineren G\u00f6tter besetzt, wobei <strong>Doris Soffel<\/strong> als Fricka, sowohl keifend zeternd als auch lyrisch schmeichelnd, sehr bla\u00df blieb. Entt\u00e4uschend die beiden Riesen <strong>Tigram Martirossian<\/strong> (Fasolt), und <strong>Timo Riihonen <\/strong>(Fafner), die mit ihren Eins\u00e4tzen zu k\u00e4mpfen hatten.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Focus stand <strong>Daniel Barenboim<\/strong>, der die Scala als seine zweite Spielst\u00e4tte entwickelt hat. Er hatte haupts\u00e4chlich sein Orchester im Blick, weniger die S\u00e4nger und sah die Oper eher als \u201eSymphonische Dichtung\u201c, was zu klanggewaltigen Interpretationen, wie bei den <em>Zwischenmusiken<\/em> oder dem <em>Einzug nach Walhall<\/em> f\u00fchrte, manchmal allerdings auch etwas zu laut \u2013 gerade f\u00fcr die S\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende lernt auch ein weiniger Ortskundiger die Mail\u00e4nder Verh\u00e4ltnisse kennen: Das Publikum eilt nur fl\u00fcchtig klatschend dem Ausgang zu. Nach den Ovationen f\u00fcr Barenboim am Anfang des Abends ein seltsames Mi\u00dfverh\u00e4ltnis. Dabei h\u00e4tte diese bildgewaltige und interpretationsfreie Inszenierung als Rampentheater gerade wegen der musikalischen Umsetzung etwas mehr Emotionen verdient. Auch das mit Spannung erwartete Rollendeb\u00fct von Rene Pape erregte das Publikum kaum.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Teatro alla Scala Brescia-Amisano<br \/>\nDas Bild zeigt: wie die Riesen (rechts) ihren riesigen Schatten auf die Welt der G\u00f6tter (Froh, Wotan und Fricka) und das unterirdische Reich der Nibelungen werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner, Oper in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 1869, M\u00fcnchen. 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