{"id":1724,"date":"2010-05-22T22:16:42","date_gmt":"2010-05-22T21:16:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1724"},"modified":"2010-05-26T06:56:56","modified_gmt":"2010-05-26T05:56:56","slug":"la-calisto-theater-basel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1724","title":{"rendered":"La Calisto &#8211;  Basel, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Dramma per musica in drei Akten und einem Prolog, Libretto: Giovanni Faustini, basierend auf den <em>Metamorphosen<\/em> (2. Buch) Ovids<\/p>\n<p>Regie: Jan Bosse, B\u00fchne: St\u00e9phane Laim\u00e9, Kost\u00fcme: Kathrin Plath, Video: Ulrike Lindenmann, Licht: Hermann M\u00fcnzer, Dramaturgie: Ute Vollmar<\/p>\n<p>Dirigent: Andrea Marcon, La Cetra Barockorchester Basel, Chor Studierender der Schola Cantorum Basiliensis, Choreinstudierung: Johannes Keller<\/p>\n<p>Solisten: Luca Tittoto (Jupiter), Nikolay Borchev (Mercurio), Maya Boog (Calisto), Xavier Sabata (Endymion), Agata Wilewska (Diana), Flavio Ferri-Benedetti (Linfea), Michael Feyfar (Pan), Andrew Murphy (Silvano), Geraldine Cassidy (Juno), Alice Borciani (Satyr), Anna Fusek (Amore), Chorsoli des Studierendenchores (Le Furie)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><strong><em><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/LaCalisto008_q350.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1725\" title=\"La Calisto\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/LaCalisto008_q350.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/LaCalisto008_q350.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/LaCalisto008_q350-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Calisto ist eine der Nymphen im Gefolge Dianas, der G\u00f6ttin der Jagd, und darum zur Keuschheit verpflichtet. Der Gott Jupiter begegnet ihr und versucht sie zu erobern. Pflichtgem\u00e4\u00df weist Calisto ihn zur\u00fcck, doch so einfach l\u00e4\u00dft sich ein Gott nicht verschm\u00e4hen, weswegen dieser zu einem hinterlistigen Plan greift: Er verwandelt sich in die Gestalt Dianas und schafft es so, Calisto zu verf\u00fchren. Die wahre Diana aber liebt verbotenerweise den Sch\u00e4fer Endimione. Da es durch die g\u00f6ttliche Verwandlung nun aber zwei Dianas gibt, entsteht ein chaotisches Verwechslungsspiel, in welches schlie\u00dflich auch noch Juno, die Gattin Jupiters eingreift. Die will dem bunten Treiben ihres Mannes Einhalt gebieten und verwandelt Calisto in eine B\u00e4rin. Jupiter verspricht der Verzauberten daraufhin, sie als Sternbild unsterblich zu machen. Diana versetzt ihren Endimione in einen Dornr\u00f6schenschlaf, um ihn so f\u00fcr immer \u2013 wenn auch platonisch \u2013 lieben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bereits beim Einla\u00df werden die Opernbesucher in zwei Lager getrennt, die Frauen werden nach rechts, die M\u00e4nner nach links gef\u00fchrt. Der Frauenblock nimmt im gew\u00f6hnlichen Zuschauerraum Platz, von den m\u00e4nnlichen G\u00e4sten allerdings fehlt jede Spur. Noch bevor das Licht ged\u00e4mmt wird beginnt das Orchester zu spielen, der Vorhang hebt sich und spontaner Applaus und Gel\u00e4chter bricht aus: Auf der anderen Seite des Vorhangs sitzt in dem exakt nachgebildeten Saal, die Gruppe der M\u00e4nner und ebenso spiegelbildlich noch einmal ein Orchester \u2013 getrennt nur, durch einen schmalen Steg, der teilweise als B\u00fchne fungieren wird. Die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger agieren aus den beiden Publikumsr\u00e4umen, eine Wasserstrahl f\u00e4llt auf den Steg und wird immer wieder zu einer Wand aus Regen, die dann als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die eingespielten Videosequenzen der Diana dient. Die Kost\u00fcme sind bunt und burlesk, spielen mit der Bedeutung von Farben.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Barockorchester <em>La Cetra<\/em><\/strong> unter der Leitung eines hervorragenden <strong>Andrea<\/strong> <strong>Marcon<\/strong> versteht sich darauf, die reich instrumentierte Musik dynamisch diversifiziert und technisch tadellos erklingen zu lassen.<\/p>\n<p>Zumeist pr\u00e4sent ist <strong>Anna<\/strong> <strong>Fusek<\/strong> (Amore), die mit ihrer Blockfl\u00f6te \u2013 sinniger Bogenersatz \u2013 Liebespfeile schie\u00dft und damit zum chaotischen Liebesgewirr beitr\u00e4gt. Fast unm\u00f6glich ist es, einem der S\u00e4ngerinnen oder S\u00e4nger dieser exzellenten Auff\u00fchrung den Vorzug zu geben: Alle imponieren durch ihr technisches K\u00f6nnen, das sie mit enormer Sicherheit und dennoch kaum vorstellbarer Leichtigkeit unter Beweis stellen. Pr\u00e4zise und ausdrucksstark zeigt sich ein ausgezeichnet besetztes Ensemble, das vom Publikum mit mehrfachem Szenenapplaus belohnt wurde. Erstaunlich ist dennoch, wie flexibel <strong>Luca Tittotos<\/strong> (Jupiter) sonorer Ba\u00df ist, wenn er mit verstellter Stimme als falsche Diane in den h\u00f6chsten T\u00f6nen singt und ebenso als keifendes Weib seinen Mann respektive Frau steht. Eine Entdeckung ist der junge Altus <strong>Flavio<\/strong> <strong>Ferri-Benedetti<\/strong> (Linfea), dessen bezaubernde, klare Stimme von achtenswerter Intensit\u00e4t ist und der dar\u00fcber hinaus sagenhafter Schauspieler ist. <strong>Maya Boog<\/strong> (Calisto) besticht mit ihrem ausdrucksstarken Sopran, <strong>Agata<\/strong> <strong>Wilewska<\/strong> (Diana) mit Eleganz und <strong>Geraldine<\/strong> <strong>Cassidy<\/strong> (Juno) mit Koloratursicherheit und Gef\u00fchl. <strong>Xavier Sabatas<\/strong> (Endymion) nasaler und vibratoarmer Countertenor steht in seiner edlen Expressivit\u00e4t dem \u00fcbrigen Ensemble in nichts nach.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die frivol-komische Oper aus der Feder Cavallis wurde vom Publikum mit enormer Begeisterung aufgenommen \u2013 Bravorufe gab es uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr alle Beteiligten auf und hinter der B\u00fchne. Die Inszenierung des Werkes setzt die bereits im St\u00fcck angelegte Frivolit\u00e4t sehr komisch um, ohne dabei in irgendeiner Form oberfl\u00e4chlich-seicht zu sein oder gar die vorhandene Dramatik der L\u00e4cherlichkeit preiszugeben. Ein \u00fcberaus starkes S\u00e4ngerensemble, das ebenso hohes darstellerisches Potential besitzt, wurde hier mit einem vorz\u00fcglichen Orchester kombiniert und realisierte eine sehr originelle und au\u00dfergew\u00f6hnliche Lesart des Werkes. Der nicht enden wollende, tosende Applaus zeigte zusammen mit Standing Ovations mehr als deutlich, was f\u00fcr ein gro\u00dfer Erfolg an diesem Abend in Basel gefeiert wurde.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Hans-J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt <strong>v.l.n.r.:<\/strong> Maya Boog (Calisto), Nikolay Borchev (Mercurio), Luca Tittoto (Jupiter)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Dramma per musica in drei Akten und einem Prolog, Libretto: Giovanni Faustini, basierend auf den Metamorphosen (2. 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