{"id":172,"date":"2008-02-01T20:40:26","date_gmt":"2008-02-01T18:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=172"},"modified":"2008-02-18T20:05:08","modified_gmt":"2008-02-18T18:05:08","slug":"zurich-opernhaus-le-cid","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=172","title":{"rendered":"Z\u00fcrich, Opernhaus &#8211; LE CID"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet (1842-1912), Oper in 4 Akten<br \/>\nLibretto: Adolphe Philippe d\u2019Ennery, Louis Gallet und Edouard Blau<br \/>\nUrauff\u00fchrung: 30. November 1885, Paris<br \/>\nRegie: Nicolas Joel, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Andreas Reinhardt \u2020<br \/>\nDirigent: Michel Plasson, Operorchester Z\u00fcrich; Chor, Jugendchor, Zusatzchor, Einstudierung: J\u00fcrg H\u00e4mmerli<br \/>\nSolisten: Isabelle Kabatu (Chim\u00e8ne), Isabel Rey (Infantin), Jos\u00e9 Cura (Rodrigue), Andreas H\u00f6rl (Don Di\u00e8gue), Vladimir Stoyanov (K\u00f6nig), Cheyne Davidson (Graf Gormas), Tomasz Slawinski (St. Jacques), Miroslav Christoff (Don Arias), Kre\u0161imir Stra\u017eanac (Don Alonso und Maurischer Gesandter)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 26. Januar 2008 (Premiere am 13. Januar 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Operngeschichte<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/le-cid.jpg\" TITLE=\"le-cid.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/le-cid.jpg\" ALT=\"le-cid.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Massenets Oper LE CID ist angeblich bereits die siebenundzwanzigste, die sich diesem Themenkreis stellt, u.a. z\u00e4hlen auch Paisiello und Peter Cornelius zu den Vorg\u00e4ngern. Zeitgleich mit Massenet arbeitete Debussy an einer Cid-Oper.<br \/>\nDie historischen Ereignisse um Rodrigo Diaz de Bivar, genannt El Cid, liegen mehr als neunhundert Jahre zur\u00fcck. In erster Linie war El Cid, nach dem arabischen saiyid = Herr und Meister ein erfolgreicher Kriegsherr, der wesentlichen Anteil an der R\u00fcckeroberung derjenigen Teile der iberischen Halbinsel hatte, die seit dem achten Jahrhundert durch Mauren besetzt war. Seine recht wechselhafte Karriere &#8211; er fiel beim K\u00f6nig des \u00f6fteren in Ungnade, wurde aber immer wieder rehabilitiert &#8211; fand ihren H\u00f6hepunkt in dem Ehrentitel Campeador. Er heiratete 1075 Jimena, eine Verwandte des K\u00f6nigs. Im Jahre 1099 starb er sechsundf\u00fcnfzigj\u00e4hrig als Herrscher von Valencia.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nRodrigue soll zum Ritter geschlagen werden, F\u00fcrsprecher ist Graf Gormas, Vater Chim\u00e8nes, die Rodrigue liebt. Aber auch die Infantin h\u00f6chselbst ist in den feschen Krieger verliebt, wei\u00df aber, da\u00df ihre Liebe zu einem Mann nicht k\u00f6niglichen Gebl\u00fcts hoffnungslos ist. Rodrigue wird zum Ritter geschlagen, sein Vater, Don Di\u00e8gue, ernennt der K\u00f6nig zum Erzieher des Kronprinzen. Das wiederum mi\u00dff\u00e4llt Graf Gormas, der selbst gern dieses Amt anstrebte. Wegen der Zur\u00fccksetzung au\u00dfer sich vor Wut, schl\u00e4gt er Don Di\u00e8gue ins Gesicht. Rodrigue verteidigt seines Vaters Ehre, indem er Graf Gomes beim Duell t\u00f6tet. Tochter Chim\u00e8ne \u2013 als Spanierin bedeutet auch ihr die Ehre mehr als die Liebe \u2013 fordert vom K\u00f6nig Gerechtigkeit, im Klartext: Rodrigues Kopf. Da erscheint der maurische Gesandte und k\u00fcndigt an, da\u00df der Sultan die Spanier \u00fcberfallen wollt. Daraufhin ernennt der K\u00f6nig anstelle des get\u00f6teten Gormas Rodrigue zum Feldherrn. Beim Abschied gesteht Chim\u00e8ne Rodrigues, da\u00df sie ihn immer noch liebe. Rodrigue aber will den Tod in der Schlacht suchen. Die Niederlage gegen die zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Mauren scheint unvermeidlich, bis der Heilige Jakob erscheint und seine allerkatholischsten Spanier zum Sieg f\u00fchrt. Der K\u00f6nig \u00fcberl\u00e4\u00dft es Chim\u00e8ne, den siegreichen Rodrigues zu richten. Zun\u00e4chst erscheint sie unf\u00e4hig, ihm zu verzeihen. Als dieser sich jedoch erstechen will \u2013 schlie\u00dflich ist auch er Spanier \u2013 gesteht sie \u00f6ffentlich ihre Liebe und vergibt ihm.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Einheitsb\u00fchnenbild ist erheblich augenanstrengend \u2013 wir befinden uns im Sektionsraum der Geschichte. Man blickt in pseudounendliche R\u00e4ume, G\u00f6tz Friedrichs Zeittunnel l\u00e4\u00dft gr\u00fc\u00dfen. Alles, aber auch alles, auch die zwei riesigen Raumteiler, die mal vor- und mal zur\u00fcckfahren, ist mit blau-liniertem Millimeterpapier ausgeschlagen, der doppelte Fluchtpunkt blickt aus dem B\u00fchnenhintergrund mit glei\u00dfendem Blick zur\u00fcck. Man f\u00fchlt sich wie auf dem Boden eines reichlich futuristischen Hallenbads \u2013 nur nicht unter Wasser! Pl\u00f6tzlich steht im Fluchtpunkt ein Altarbild, jetzt ist alles goldgelb, Rodrigue t\u00f6tet Gormas. Beim Abschied Rodrigues von Chim\u00e8ne flackert ein ewiges L\u00e4mpchen auf dem Fliesenboden, eine einsame Zypresse wei\u00df nicht so recht, was sie da soll. Im k\u00f6niglichen Palast sind wir wieder im Hallenbad, vier Kanonen stehen in den vier Ecken, was h\u00e4tte der Ausstatter da auch sonst hinstellen sollen \u2013 vier Fernsehapparate? Die Schlacht findet im leeren \u201eHallenbad\u201c statt und im letzten Akt steht ein majest\u00e4tischer Brunnen in der Mitte. Die Kost\u00fcme allerdings sind echt bis in die M\u00fchlsteinkragen \u2013 immerhin!<br \/>\n<strong>Dirigent und S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Michel Plasson<\/strong>, auch er eine feste Gr\u00f6\u00dfe im eidgen\u00f6ssischen Opernhaus, l\u00e4\u00dft Massenets farbenpr\u00e4chtige, bombastische, aber auch sensible Musik als Schlachtenl\u00e4rm ert\u00f6nen. Gro\u00dfe Musik und gro\u00dfe Gef\u00fchle! Recht effektvoll, aber wo bleibt die Ausgewogenheit? Wo bleiben die lyrischen Momente? Daf\u00fcr mu\u00dften die S\u00e4nger sorgen, allen voran <strong>Jos\u00e9 Cura<\/strong>. (Wie wir erfuhren, was sein Vater vor wenigen Tagen verstorben.)<br \/>\nDennoch hat Cura keine Vorstellung abgesagt, eine fast \u00fcbermenschliche Leistung, f\u00fcr die ihm unser Dank und unsere uneingeschr\u00e4nkte Anerkennung gilt. Auch in dieser schweren Stunde denkt er an sein Publikum, das z.T. von weit her angereist ist. Cura ist der martialische Kriegsherr, er zerbricht fast an dem Konflikt Ehre \u2013 Liebe, er wei\u00df die dramatischen Momente f\u00f6rmlich herauszubr\u00fcllen, und er r\u00fchrt unsere Herzen mit einem Pianissimo d\u2019Amore, das ihm erstmal einer nachmachen mu\u00df. Eine grandiose Leistung, in unserer Achtung noch gesteigert durch die schicksalhaften Umst\u00e4nde seines Auftritts. Stimmgewaltig <strong>Isabel Rey<\/strong> als Chim\u00e8ne, f\u00fcr meinen Geschmack hatte sie anfangs zuviel Vibrato auf der Stimme, aber zugegeben, das klang dramatisch. Auch sie ausdruckszart im Liebesduell mit Rodrigue. Tadellose Leistung auch von ihrer Pseudo-Gegenspielerin und Pseudo-Verb\u00fcndeten, <strong>Isabelle Kabatu<\/strong> als Infantin.<br \/>\nHervorragend, mit geradezu schmeichelhaftem Bariton, <strong>Vladimir Stoyanov<\/strong> als Spanischer K\u00f6nig. Gro\u00dfartig in Sang und Spiel, man verzweifelt f\u00f6rmlich mit ihm und an der Kraftlosigkeit des Alters, die auch uns erwartet, wenn es uns noch nicht erwischt hat, <strong>Andreas H\u00f6rl<\/strong> als beleidigter Vater Don Di\u00e8gue. Rollendeckend war <strong>Cheyne Davidso<\/strong>n als Graf Gormas. Auch die kleineren Rollen waren so besetzt wie man es von diesem Haus, das sich in den letzten Jahren unter Intendant Alexander Pereira an die Weltspitze emporgearbeitet hat, erwarten kann: <strong>Kre\u0161imir Stra\u017eanac<\/strong> als Maurischer Gesandter und Don Alonso, <strong>Tomasz Slawinski<\/strong> als St. Jacques und <strong>Miroslav Christoff<\/strong> als Don Arias. Mein pers\u00f6nlicher Superstar des Abends waren <strong>Ch\u00f6re<\/strong>, wie man sie fast nur in Z\u00fcrich h\u00f6ren kann \u2013 begeisternd!<br \/>\nRiesenapplaus f\u00fcr alle, besonders nat\u00fcrlich f\u00fcr <strong>Jos\u00e9 Cura<\/strong>.<\/p>\n<p>Dr. R\u00fcdiger Ehlert \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Foto: Suzanne Schwiertz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet (1842-1912), Oper in 4 Akten Libretto: Adolphe Philippe d\u2019Ennery, Louis Gallet und Edouard Blau Urauff\u00fchrung: 30. 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