{"id":1714,"date":"2010-05-15T21:24:28","date_gmt":"2010-05-15T20:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1714"},"modified":"2010-05-26T07:05:51","modified_gmt":"2010-05-26T06:05:51","slug":"tamerlano-gottingen-deutsches-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1714","title":{"rendered":"Tamerlano &#8211; G\u00f6ttingen, Deutsches Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Liebretto: Nicola Francesco Haym nach einem Libretto von Agostino Graf Piovene, UA: 31. Oktober 1724, King`s Theatre Haymarket, London<\/p>\n<p>Regie: Johanna Garpe, B\u00fchne: Martin Kukulies, Kost\u00fcme: Erika Landertinger<\/p>\n<p>Dirigent: Nicholas McGegan, Festspielorchester G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Solisten: Christopher Ainslie (Tamerlano), Thomas Cooley (Bajazet), Kristina Hansson (Asteria), Clint van der Linde (Andronico), Franziska Gottwald (Irene), Lars Arvidson (Leone)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/G\u00f6ttingen-Tamerlano350.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1715\" title=\"G\u00f6ttingen Tamerlano350\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/G\u00f6ttingen-Tamerlano350.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"252\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/G\u00f6ttingen-Tamerlano350.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/G\u00f6ttingen-Tamerlano350-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Prusa, 1403. Sultan Bajazet wird als Gefangener des Tatarenherrschers Tamerlano an dessen Hof festgehalten. Tamerlano beauftragt seinen Gefolgsmann, den griechischen Prinzen Andronico, Bajazet freizulassen und ihn in seinem Namen um die Hand von dessen Tochter Asteria zu bitten. Bajazet lehnt ab und Asteria f\u00fchlt sich von ihrem Geliebten Andronico betrogen. Inzwischen ist Irene, die Verlobte Tamerlanos, eingetroffen und hat von dessen neuen Heiratspl\u00e4nen erfahren. Sie ist w\u00fctend und m\u00f6chte ihn umstimmen, gibt sich aber zun\u00e4chst nicht zu erkennen. Asteria stimmt der Heirat mit Tamerlano zu, um sich sp\u00e4ter an ihm r\u00e4chen zu k\u00f6nnen, offenbart ihre Mordpl\u00e4ne jedoch, als Bajazet mit Suizid droht. Tamerlano tobt und droht mit dem Schlimmsten. Nun offenbart auch Andronico seine Liebe zu Asteria; Tamerlano m\u00f6chte daraufhin alle t\u00f6ten. Beim Bankett vergiftet Asteria Tamerlanos Getr\u00e4nk, was Irene beobachtet. Sie gibt sich nun zu erkennen und rettet Tamerlano. Bajazet taucht auf. Er hat Gift genommen und verabschiedet sich z\u00e4rtlich von seiner Tochter. Tamerlano gibt nun nach: Asteria ist frei und kann sich mit Andronico verm\u00e4hlen, w\u00e4hrend Tamerlano Irene heiratet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchnengestaltung besteht aus zwei schwarzen, hohen, rechteckigen und beweglichen K\u00e4sten, die die in orangerotes Licht getauchte B\u00fchne vom ersten bis zum dritten Akt gestalten und je nach Handlungsort in Kerker, Thron- oder Bankettsaal verwandeln. Zus\u00e4tzlich ist der B\u00fchnenraum an seiner Stirnseite mit einer Landkarte versehen, auf der die Eroberungen Tamerlanos silbergl\u00e4nzend markiert sind. Die Kost\u00fcmwahl ist eine Synthese zwischen Tradition und Moderne: So zeigt sich Asteria in ein t\u00fcrkises Seidengewand geh\u00fcllt und verschleiert, sp\u00e4ter dann in traditionell verziertem Brautkleid, Bajazet in wei\u00df wallendem Gewand mit schwarzer Weste. Tamerlano, Andronico und Leone hingegen erscheinen in heutigen Anz\u00fcgen in gedeckten Farben, Irene in schwarzem Minikleid mit Designerhandtasche und Designersonnenbrille.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Cooley<\/strong> gelang es an diesem Premierenabend in der Rolle des Bajazet mit Hilfe seiner ausdrucksstarken und intonationsreinen Stimme nebst passender schauspielerischer Darstellung jede Befindlichkeit seiner Figur gut zum Ausdruck zu bringen, was sich besonders in Arien wie <em>Forte e lieto<\/em> \u2013 <em>Froh und tapfer<\/em> (1. Akt) zeigte. Die gesangliche Leistung von <strong>Christopher Ainslie<\/strong> (Tamerlano) durchlebte im Verlauf des Abends eine deutliche Steigerung. Setzte er sich zun\u00e4chst trotz markeloser Intonation nur sehr schwer gegen das starke Orchester durch, z.B. bei <em>Non deve esser mia sposa: La destino per voi \u2013Sie kann ich nicht heiraten: Ich bestimme sie f\u00fcr euch <\/em>(1. Akt), so vertrat er beispielsweise in <em>A dispetto<\/em> \u2013 <em>Ich trotze dir<\/em> (3. Akt) eine stolzere und herrschaftsangemessenere Nachdr\u00fccklichkeit. <strong>Clint van der Linde<\/strong> (Andronico) gelang es, die hohen Lagen sauber zu meistern, und in Klagearien <em>Bench\u00e9 mi sprezzi<\/em> \u2013 <em>Auch wenn sie mich abweist<\/em> einen seufzenden Klang zu treffen. Dennoch zeigten sich Schwachstellen in der Intonation in der tieferen Stimmlage sowie einem \u00fcbertriebenen Vibrato. Positiv hervorzuheben ist das Liebesduett mit Asteria im 3. Akt, in dem beide S\u00e4nger nicht nur eine harmonische Abstimmung ihrer Stimmen, die sich zeitweilig wie zu einer einzigen verbinden, pr\u00e4sentierten, sondern ebenso einheitlich mit dem Orchester korrespondierten. Sowohl <strong>Kristina Hansson<\/strong> (Asteria) als auch <strong>Franziska Gottwald<\/strong> (Irene) ragten mit Genauigkeit in der Textverst\u00e4ndlichkeit und Transparenz im Zusammenwirken mit dem Orchester hervor. Dabei gelang es ihnen au\u00dferdem, die Charaktere ihrer Figuren klar darzustellen wie z.B. im 1. Akt mit Asterias <em>S\u00b4ei non mi vuol amar<\/em> \u2013 <em>Will er mich nicht mehr lieben<\/em> oder Irenes <em>Par che mi nasca in seno<\/em> \u2013 <em>Ein Schimmer von Hoffnung<\/em>. Auch <strong>Lars Arvidson<\/strong> pr\u00e4sentierte die Rolle des Leone mit witziger Mimik und starker, solider Ba\u00dfstimme. Das <strong>Festspiel Orchester G\u00f6ttingen<\/strong> unter <strong>Nicolas McGegan <\/strong> war in barocker Phrasierung, Akzentuierung und klanglicher Durchsichtigkeit sowie dynamischer Differenzierung ungemein pr\u00e4zise.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine Opernabend, der von einem insgesamt starken S\u00e4ngerensemble und einer qualitativ hochwertigen Orchesterleistung bestimmt wurde, was vom Publikum mit h\u00e4ufigem Zwischenapplaus und regelrechtem Begeisterungsausbruch am Ende der Auff\u00fchrung gew\u00fcrdigt wurde.<\/p>\n<p>Friederike Jurth<\/p>\n<p>Bild: Theodoro da Silva<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christopher Ainslie (Tamerlano) und Franziska Gottwald (Irene) im Hintergrund<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Liebretto: Nicola Francesco Haym nach einem Libretto von Agostino Graf Piovene, UA: 31. 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