{"id":1709,"date":"2010-04-12T21:04:39","date_gmt":"2010-04-12T20:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1709"},"modified":"2010-05-17T21:16:00","modified_gmt":"2010-05-17T20:16:00","slug":"faust-radebeul-landesbuhnen-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1709","title":{"rendered":"Faust &#8211; Radebeul, Landesb\u00fchnen Sachsen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Louis Spohr (1784-1859), Gro\u00dfe romantische Oper, Libretto von Josef Karl Bernard, UA: 1816, Prag.<\/p>\n<p>Regie: Horst O. Kupich, B\u00fchne: Stefan Wiel<\/p>\n<p>Dirigent: Michele Carulli, Orchester und Opernchor der Landesb\u00fchne Sachsen<\/p>\n<p>Solisten: Hagen Erkrath (Mephistopheles), Norman D. Patzke (Faust), Judith Hoffmann (R\u00f6schen), Falk Hoffmann (Franz), Jussi J\u00e4rvenp\u00e4\u00e4 (Gulf), Guido Hackhausen (Graf Hugo), Anna Erxleben (Kunigunde), Sandra Maxheimer (Hexe Sycorax), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11.April 2010 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/FaustSpohrOper-3501.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1711\" title=\"Szenenfoto: FAUST - Gro\u00dfe romantische Oper von Louis Spohr, Prem\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/FaustSpohrOper-3501.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/FaustSpohrOper-3501.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/FaustSpohrOper-3501-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Faust kann sich nicht zwischen seiner Liebe zu dem jungen R\u00f6schen (die eigentlich mit Franz verlobt ist) und Kunigunde, der Verlobten von Graf Hugo, entscheiden. Er verkauft Mephistopheles seine Seele, um Kunigunde aus den F\u00e4ngen des b\u00f6sen Ritters Gulf befreien zu k\u00f6nnen. Da Graf Hugo als Retter gefeiert wird, erh\u00e4lt Faust von der Hexe Sycorax einen Liebestrank, den er Kunigunde w\u00e4hrend ihrer Hochzeit reicht. Graf Hugo, von dem pl\u00f6tzlichen Sinneswandel seiner Braut erz\u00fcrnt, fordert Faust zum Duell. Faust t\u00f6tet ihn und flieht mit Kunigunde. Als R\u00f6schen, Fausts erste Liebe, die Auseinandersetzung mit Kunigunde um Faust verliert, begeht sie Selbstmord. Weil Kunigunde Rache f\u00fcr den Mord an Graf Hugo will, kann es keine Rettung mehr f\u00fcr Faust geben: Mephistopheles f\u00e4hrt mit ihm zur H\u00f6lle.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr diese Produktion zum vorj\u00e4hrigen Spohr Jahr wurde ein Einheitsb\u00fchnenbild entworfen. Es zeigt einen gro\u00dfen Untergrund-Bahnhof mit Blick in eine riesige Tunnelr\u00f6hre &#8211; mit Zugangsrampen f\u00fcr Fahrg\u00e4ste und einem riesigen Ventilator, der surrend f\u00fcr die Bel\u00fcftung sorgt. Bef\u00f6rdert werden haupts\u00e4chlich Fahrg\u00e4ste in schwarzen Gothic-Stil Kleidern, die mehr herumlungern, als sich bewegen. Faust und seine Freunde sind wie die Schwarzen Sheriffs in der U-Bahn gekleidet. Einzig Mephistopheles erinnert mit seinem schwarzen Haarschnitt an die \u00fcbliche Deutung dieser Figur. Die \u00fcbrigen Figuren tragen Kleidung unserer Tage. Graf Hugo sticht dabei als \u00fcbertrieben elegant gekleideter Dandy ins Auge. K\u00e4mpfe werden zumeist mit dem Schwert ausgetragen, jedoch dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, da\u00df die Handlung in einer Art Endzeitstimmung im U-Bahnhof spielt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich mu\u00df man dankbar sein, da\u00df es der relativ kleinen Landesb\u00fchne Sachsen \u00fcberhaupt gelungen ist, dieses Werk besetzen zu k\u00f6nnen, da nicht weniger als drei Soprane, vier Ten\u00f6re, vier Baritone und ein Ba\u00df gefordert sind. Deshalb m\u00fcssen Abstriche in der Qualit\u00e4t hingenommen werden. Den beiden Hauptdarstellern, sowohl <strong>Hagen Erkrath<\/strong> (Mephistopheles) als auch <strong>Norman D. Patzke<\/strong> (Faust) sind zwei lyrische Baritone mit \u00fcberzeugender Reichweite \u2013 auch in den Tenor-Bereich, aber die D\u00e4monie und Tragik der beiden eng verkn\u00fcpften Rollen k\u00f6nnen sie nicht darstellen. Ein anderes Bild zeigen die Sopranen: Sowohl <strong>Judith Hoffmann<\/strong> (R\u00f6schen), <strong>Anna Erxleben<\/strong> (Kunigunde) und <strong>Sandra Maxheimer<\/strong> (Hexe Sycorax) beeindrucken mit klaren hellen Stimmen, k\u00f6nnen sich aber dadurch (vor allem beim Kampf zwischen Kunigunde und R\u00f6schen) nicht voneinander abgrenzen. Noch erw\u00e4hnenswert ist <strong>Jussi<\/strong> <strong>J\u00e4rvenp\u00e4\u00e4<\/strong>, der als Ba\u00df mit sehr sicherer Tiefe in seinem Kurzauftritt als Gulf auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Herr im Haus ist unumstritten <strong>GMD Michele Carulli<\/strong>, der mit seinem Orchester einen wahren Klangrausch lostritt. Selten hat man einen solchen romantischen Klangteppich erlebt wie an diesem Abend. Genauso sicher ist der bestens disponierte <strong>Chor<\/strong>, der \u00fcberaus pr\u00e4zise mit dem Orchester zusammen wirkte \u2013 die Interaktion mit den Solisten hakte dann doch an einigen neuralgischen Punkten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es mag sein, da\u00df die Landesb\u00fchne Sachsen nur der kleine Bruder der Staatsoper Dresden und eine herausragende S\u00e4ngerriege an einem solchen kleinen Haus kaum m\u00f6glich ist. Eine etwas tiefgr\u00fcndigere, um nicht zu sagen, sinnvollere Inszenierung sollte dagegen schon m\u00f6glich sein. Denn dieser Faust ist kein Gelehrtendrama nach Goethe sondern ein einfaches Drama um einen Vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen, der seine Seele verkauft und in der H\u00f6lle endet. Jedoch beweist die Auff\u00fchrung, da\u00df die Werke von Louis Spohr zu Unrecht vergessen sind und als ein Missing Link zur romantischen Oper wieder auf den Spielplan geh\u00f6ren. Das Publikum bedankte sich daf\u00fcr ausgiebig bei Chor und Orchester.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Martin Krok<\/p>\n<p>Bildlegende:<\/p>\n<p>Das Bild zeigt, wie der b\u00f6se Gulf in die H\u00e4nde von Faust fiel, Kunigunde jedoch in die H\u00e4nde von Graf Hugo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Louis Spohr (1784-1859), Gro\u00dfe romantische Oper, Libretto von Josef Karl Bernard, UA: 1816, Prag. Regie: Horst O. Kupich, B\u00fchne: Stefan Wiel Dirigent: Michele Carulli, Orchester und Opernchor der Landesb\u00fchne Sachsen Solisten: Hagen Erkrath (Mephistopheles), Norman D. 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