{"id":1698,"date":"2010-05-10T22:34:23","date_gmt":"2010-05-10T21:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1698"},"modified":"2010-05-26T07:07:21","modified_gmt":"2010-05-26T06:07:21","slug":"der-ferne-klang-zurich-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1698","title":{"rendered":"Der ferne Klang &#8211; Z\u00fcrich, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Franz Schreker (1878-1934) Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto vom Komponisten, UA: 1912 Frankfurt am Main<\/p>\n<p>Regie: Jens-Daniel Herzog, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Mathis Neidhardt<\/p>\n<p>Dirigent: Ingo Metzmacher, Orchester der Oper Z\u00fcrich, Chor und Zusatzchor der Oper Z\u00fcrich, Miklos Lakatos Zigeunerkapelle (Budapest)<\/p>\n<p>Solisten: Juliane Banse (Grete), Roberto Sacca (Fritz), Irene Friedli (Frau Graumann), Stefanie Kaluza (altes Weib), Valeriy Murga (Dr. Vigelius), Cheyne Davidson (Schmierenkom\u00f6diant), Morgan Moody (Herr Graumann \/ Rudolf), Tomasz Slawinski (Wirt \/ erster Gast), Oliver Widmer (Graf) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Z\u00fcrich-Der-ferne-Klang-1698-350.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1699\" title=\"Z\u00fcrich Der ferne Klang 1698-350\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Z\u00fcrich-Der-ferne-Klang-1698-350.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Z\u00fcrich-Der-ferne-Klang-1698-350.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Z\u00fcrich-Der-ferne-Klang-1698-350-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der junge Komponist Fritz und Grete lieben sich, doch Fritz flieht in die Welt hinaus um den fernen Klang zu finden. Gretes betrunkener Vater hat seine Tochter im Spiel an den Wirt verloren. Grete weigert sich, ergreift die Flucht. Dabei begegnet sie dem alten Weib, einer Kupplerin. Jahre vergehen, Grete ist in Venedig eine gefeierte und von den Herren begehrte Halbweltdame. Doch kann sie ihren geliebten Fritz nicht vergessen. Als Grete ihr Herz demjenigen verspricht, der es mit seinem Lied am tiefsten r\u00fchren kann, gewinnt ein zuf\u00e4llig anwesender Komponist. Grete erkennt ihren Fritz, er ist aber von ihr zutiefst entt\u00e4uscht. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter treffen sie sich nach der durchgefallenen Premiere der Oper von Fritz wieder, die Begegnung endet tragisch. Fritz kann endlich den fernen Klang h\u00f6ren, doch er stirbt in Gretes Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Jens-Daniel Herzog f\u00fchrt den Zuschauer auf eine Zeitreise, von den sp\u00e4rlichen 50er Jahren, \u00fcber die Null-Bock-Generation der 80er bis in unsere Zeit. Zur Bebilderung verwendet er eine Drehb\u00fchne, die detailliert den Blick auf immer neue Spielr\u00e4ume preisgibt. Es beginnt in einem spartanischen Kinderzimmer der Nachkriegszeit, einziger Luxus ist Gretes Kleid mit aufgesetztem Petticoat. Die Wirtshausgesellen tragen Arbeiterkleidung, dunklen Anzug oder Kittelsch\u00fcrze f\u00fcr den Wirt. Gretes Flucht endet in einen schmutzigen Hinterhof bei Nacht und Regen. Gretes n\u00e4chster Lebensabschnitt findet in einem rotleuchtenden Bordell der 80er statt. Der Graf tr\u00e4gt eine dunkle Sonnenbrille sowie Schlapphut und hat damit \u00c4hnlichkeit mit einem Mafiabo\u00df. In einer Theaterkantine mit surrendem Kaffee-Automaten wird die laufende Vorstellung von Fritz\u2019 neuer Oper auf dem Monitor \u00fcbertragen. Die gealterte Grete trifft dort sich selbst, n\u00e4mlich eine Statistin aus Fritz\u2019 Oper in ihrem alten Kleid aus dem Kinderzimmer-Bild. Das Schlu\u00dfbild f\u00fchrt in eine leere wei\u00dfe Wohnung, einzig m\u00f6bliert durch eine Kaffeemaschine, ein offenes Fenster und einen Heizk\u00f6rper, vor dem die gealterten Liebenden gemeinsam Niedersinken.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Garant dieser musikalisch makellos \u00fcberw\u00e4ltigenden Produktion, die zwischen dem Endpunkt der Sp\u00e4tromantik und dem Expressionismus steht, ist ohne Zweifel Ingo Metzmacher. Ohne zu schleppen nimmt er sich die Zeit die Motive ausf\u00fchrlich darzulegen, besonders den fernen Klang, gespielt von Harfe und Celeste \u2013 mal im Graben, mal elektronisch verst\u00e4rkt. Er sorgt f\u00fcr <em>Eindr\u00fccke \u00fcber Eindr\u00fccke, brausend, ersch\u00fctternd, flammend, ruhelos<\/em>. F\u00fcr den Auftritt der Zigeuner im Bordell wurde aus Budapest die Zigeunerkapelle Miklos Lakatos engagiert, samt Stehgeiger und Zimbal, was zu einem am\u00fcsanten Wettbewerb zwischen Orchester und Kapelle f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Robero Sacca<\/strong> als Fritz schafft es mit m\u00fchelos unangestrengtem Tenor sowohl jugendlich dynamisch als auch zerbrechlich gealtert zu wirken. Das Finale, die Vereinigung mit der in jeder Phase ebenb\u00fcrtigen, jugendlich dramatischen <strong>Juliane Banse<\/strong> als Grete geh\u00f6rt zu den st\u00e4rksten Momenten des Abends. Besonders h\u00f6renswert die Durchschlagskraft von <strong>Morgan Moody<\/strong>, sowohl als Rudolf als auch als zerbrochener Vater Gretes. Der einzige Schwachpunkt im sonst homogenen Ensemble war <strong>Oliver Widmer<\/strong> als Graf, der einfach keine Gestaltung in die Ballade des Grafen bringen konnte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder einmal gelingt es dem Opernhaus Z\u00fcrich unter Beweis zu stellen, da\u00df es zu den leistungsst\u00e4rksten Opernh\u00e4usern Europas geh\u00f6rt. Besonders erw\u00e4hnenswert, da\u00df das St\u00fcck ohne Striche gespielt wird, z.B. ist das besonders exstatische Zwischenspiel zum letzten Bild zu h\u00f6ren. Ingo Metzmacher, stellt unter Beweis, da\u00df er ein Spezialist f\u00fcr die Oper des 20. Jahrhunderts ist und f\u00fchrt diese f\u00fcr manchen etwas konfus wirkende Oper zu einem musikalisch erregenden Abend. Szenisch ist die Zeitreise handwerklich sehr solide umgesetzt. Das Publikum zollte allen K\u00fcnstlern donnernden Applaus.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Suzanne Schwiertz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: In einem Bordell der 80er Jahre streitet Grete (Juliane Banse) mit dem Grafen (Oliver Widmer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Franz Schreker (1878-1934) Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto vom Komponisten, UA: 1912 Frankfurt am Main Regie: Jens-Daniel Herzog, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Mathis Neidhardt Dirigent: Ingo Metzmacher, Orchester der Oper Z\u00fcrich, Chor und Zusatzchor der Oper Z\u00fcrich, Miklos Lakatos Zigeunerkapelle<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1698\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,104],"tags":[],"class_list":["post-1698","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-zurich-opernhaus"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1698","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1698"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1698\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1752,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1698\/revisions\/1752"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}