{"id":1683,"date":"2010-05-04T14:08:21","date_gmt":"2010-05-04T13:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1683"},"modified":"2010-05-10T14:15:52","modified_gmt":"2010-05-10T13:15:52","slug":"katja-kabanowa-bonn-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1683","title":{"rendered":"KATJA KABANOWA &#8211; Bonn, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek. Oper in drei Akten, Libretto von Vin\u00e7enc \u010cervinka nach dem Schauspiel \u201eGewitter\u201c von Alexander N. Ostrowskij. UA: 23. November 1921, Nationaltheater Br\u00fcnn<br \/>\nRegie: Bal\u00e1sz Kovalik, B\u00fchne: Csaba Antal, Kost\u00fcme Angelika H\u00f6ckner, Licht: Max Karbe, Dirigent: Will Humburg, Beethovenorchester Bonn, Chor des Theaters Bonn (Einstudierung: Sibylle Wagner), Solisten: Daniela Denschlag (Kabanicha), Mark Rosenthal (Tichon), Irina Oknina (Katja), Ramaz Chikviladze (Dikoj), George Oniani (Boris), Tansel Akzeybek (V\u00e1nja), Susanne Blattert (Varvara) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 2. Mai 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Bonn-Katja1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1685\" title=\"Bonn-Katja\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Bonn-Katja1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Bonn-Katja1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Bonn-Katja1-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Boris entstammt einer adeligen Moskauer Familie. Er kann sein Erbe erst antreten, wenn er bis zur Vollj\u00e4hrigkeit bei seinem Onkel Dikoj in Diensten auf dem Lande steht. Dikoj ist der Geliebte der Witwe Kabanicha, die im Hause Kabanow ein tyrannisches Regiment \u00fcber ihren Sohn Tichon und dessen Frau Katja, sowie die Stieftochter Varvara f\u00fchrt. Katja begehrt Boris, was der Kabanicha nicht verborgen bleibt. Sie schickt ihren Sohn Tichon auf Gesch\u00e4ftsreise und er bricht auf, obwohl seine Frau ihn flehentlich zur\u00fcckh\u00e4lt. Trotz des Misstrauens der Alten arrangiert Varvara ein Treffen zwischen Katja und Boris. W\u00e4hrend eines Gewitters erf\u00e4hrt Katja von Tichons R\u00fcckkehr, gesteht in ihrer Verzweiflung vor aller Ohren den Ehebruch und flieht in die Dunkelheit. Gelockt von geheimnisvollen Stimmen st\u00fcrzt sie sich in die Fluten der Wolga. Tichon bleibt schmerzerf\u00fcllt zur\u00fcck und stellt sich nun gegen seine Mutter, f\u00fcr ihn die M\u00f6rderin seiner Frau.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Hoch aufgestapelte Paletten begrenzen einen unheimlichen, gef\u00e4ngnisartigen Ort. Die Zwischenr\u00e4ume der Kulisse lassen diffuses Licht und neugierige Blicke passieren. Im rechten Vordergrund erh\u00f6ht steht der Wohnbereich, vollkommen verglast, ohne jede Privatsph\u00e4re. Mittig f\u00fcllt Wasser die Szene \u2013 es ist die Wolga, in der Katja sp\u00e4ter versinken wird. W\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre steht sie zart in wei\u00dfem, elegantem Kost\u00fcm, umgeben von Arbeitern, die ihr jeder einen Apfel reichen. Unter dieser Last bricht sie zusammen \u2013 eine Vorausahnung des kommenden Unheils. Sp\u00e4ter wird ihr Biss in einen Apfel den Moment der Verf\u00fchrung durch Boris symbolisieren. \u00c4pfel sind omnipr\u00e4sent: Tichon handelt mit ihnen kistenweise, seine Arbeiter sch\u00e4len und essen sie, w\u00e4hrend des Gewitters prasseln Unmengen davon donnernd auf den Boden.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong><strong>Will Humburg<\/strong> h\u00e4lt vom Pult des <strong>Beethovenorchester<\/strong>s aus von der Ouvert\u00fcre an die elektrisierte Spannung der Musik permanent aufrecht. Er nimmt den Zuh\u00f6rer mit in diese Opernpartitur, die als eine der schwersten des Fachs gilt. S\u00e4mtliche Nuancen zwischen emotionaler Erregung und zarter Lyrik werden absolut \u00fcberzeugend wiedergegeben. Das homogen ausgesuchte Ensemble rundet die musikalische Charakterisierung der Personen ab. Allen voran zu erw\u00e4hnen ist <strong>Irina Oknina<\/strong> als leidenschaftliche, in der Gef\u00fchlsk\u00e4lte der Kabanows dahinvegetierende Katja. Ihre feminine Erscheinung passt perfekt zur Rolle, genauso wie ihr lichter Sopran zur komplett tschechisch gesungenen Titelpartie. Ihr nasses Ende war ebenso dramatisch, wie b\u00fchnenwirksam: Sie verschwindet komplett in der Wolga, als w\u00e4re sie nie dagewesen. Den ihr zur Seite gestellten Tichon verk\u00f6rpert <strong>Mark Rosenthal<\/strong> (Tenor) stimmlich und spielerisch durchaus glaubhaft. Die Leidenschaft des Liebhabers Boris brachte <strong>George Oniani<\/strong>s beweglicher Tenor mit viel Gef\u00fchlsw\u00e4rme zum Ausdruck, w\u00e4hrend\u00a0 <strong>Ramaz Chikviladze<\/strong> seinen profunden Bass und seine kr\u00e4ftige K\u00f6rperpr\u00e4senz dem korrupten und dominanten Dikoj lieh. Das dunkle Timbre von <strong>Daniela Denschlag<\/strong>s Alt passte hervorragend zur machtbesessenen Kabanicha. In violettem Kost\u00fcm und angegrauter Hochfrisur gab sie das optische Pendant zur jugendlichen Katja. Die herrische Dominanz der Kabanicha fand eine starke szenische Umsetzung im Treueschwur, den Tichon seiner Frau auf ihr Gehei\u00df abnimmt. Sie befahl es vom oben liegenden Wohnzimmer herab. Den Kontrapunkt zum tragischen Paar Boris-Katja gaben die Pflegetochter Varvara<strong> <\/strong>(<strong>Susanne Blattert<\/strong> in knalliger Aufmachung) und ihr Liebhaber V\u00e1nja (<strong>Tansel Akzeybek<\/strong> mit Lederjacke und Zigarette) mit ihren jugendlichen Stimmen ab.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Obwohl das d\u00fcstere Sujet nicht so recht in die lichte Maienzeit passen will, \u00fcberzeugte die Bonner Auff\u00fchrung vollkommen. Das Dirigat von <strong>Will Humburg<\/strong> war am Premierenabend von hypnotischer Wirkung. Die Regiearbeit des k\u00fcnstlerischen Leiters der ungarischen Staatsoper <strong>Bal\u00e1zs Kovalik<\/strong> gefiel durch genaue Personenf\u00fchrung, multifunktionales B\u00fchnenbild (Csaba Antal), sowie wirkungsvolle Lichtregie (Max Karbe); man k\u00f6nnte allenfalls die stark strapazierte Apfelsymbolik monieren, sie zog sich jedoch stets mit Bezug zur Handlung durch das Operngeschehen.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Irina Oknina (Katja), Statisterie der Bonner Oper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek. Oper in drei Akten, Libretto von Vin\u00e7enc \u010cervinka nach dem Schauspiel \u201eGewitter\u201c von Alexander N. Ostrowskij. UA: 23. 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