{"id":1662,"date":"2010-03-28T13:14:27","date_gmt":"2010-03-28T12:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1662"},"modified":"2010-05-10T13:19:57","modified_gmt":"2010-05-10T12:19:57","slug":"emilia-di-liverpool-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1662","title":{"rendered":"EMILIA DI LIVERPOOL &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaetano Donizetti (1797 \u2013 1848), Dramma semi-seria in zwei Akten, Libretto von einem anonymen Verfasser, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, Dialoge in Deutsch, UA: 1824, Neapel<br \/>\nInszenierung: Andreas Baesler, B\u00fchne: Harald Thor<br \/>\nDirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Hrachuhi Bassenz (Emilia), Kurt Schober (Claudio), Rainer Zaun (Don Romualdo), Christopher Lincoln (Federico), Melih Tepretmez (Il Conte), Audrey Lacrose Zicat (Luigia), Therese Fauser (Candida)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. M\u00e4rz 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Nuernberg-Emilia.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1663\" title=\"Nuernberg-Emilia\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Nuernberg-Emilia.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Nuernberg-Emilia.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Nuernberg-Emilia-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Emilia widmet ihr Leben in der Eremitage von Liverpool ihrem Schmerz \u00fcber den Tod ihres Vaters Claudio, der auf See umkam, \u00fcber ihren Liebhaber, der sich als Heiratsschwindler entpuppte, und \u00fcber ihre Mutter, die vor Gram verstarb. Ein Sturm f\u00fchrt eine Reisegruppe in die Eremitage: den kauzigen Edelmann Don Romualdo, dessen Verlobte Luigia, ihren Vater Il Conte und dessen Sekret\u00e4r Federico. Nach einigen Verwicklungen entpuppt sich Federico als der Heiratsschwindler, der mit Luigia \u2013 wie einst mit Emilia &#8211; durchbrennen wollte. Er heiratet Emilia und bringt deren Verm\u00f6gen zur\u00fcck, weshalb ihm Claudio, der wieder aufgetaucht ist, verzeiht. Don Romualdo und Luigia vers\u00f6hnen sich.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die Umsetzung dieses d\u00fcsteren, resignativen und morbiden Stoffes erfolgt in der optischen \u00c4sthetik des Film Noir mit seinem schwarzen Humor. Die gesprochenen Dialoge wurden \u00fcbersetzt, verk\u00fcrzt und mit Slapstickeinlagen gew\u00fcrzt. Das Ende des musikalischen Vorspiels, die Schilderung eines heftigen Unwetters, endet mit einem Knalleffekt: Ein Auto bricht durch eine Wand, Tr\u00fcmmer fliegen umher, die Bewohner eines typischen englischen Landsitzes aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts eilen herbei. Die Hausherrin Emilia di Liverpool trauert um ihre tote Mutter, deren Urne des \u00f6fteren umf\u00e4llt oder herumgereicht wird. Das Bild der Mutter h\u00e4ngt drohend \u00fcber dem Kamin, das Bild des Vaters auf der anderen Seite wurde von dem Auto \u00fcberfahren. Die beherrschende Fensterfront dient auch als Projektionsfl\u00e4che, es werden englische Landsitze oder Autofahrten durch Sturm und Gewitter gezeigt. Vor dem Kamin steht eine Leder-Sitzgruppe, dazwischen ein B\u00e4renfell mit Kopf, \u00fcber das wie in <em>Dinner for one<\/em> h\u00e4ufig gestolpert wird. Emilia betreibt neben einer Suppenk\u00fcche f\u00fcr Arme, die sch\u00fcsselklappernd im Bademantel zum Essen anstehen, auch noch eine Irrenanstalt. Der Gag im Schlu\u00dfbild ist Alfred Hitchcock gewidmet, wenn das Gesicht des Statisten mit Hitchcocks ber\u00fchmter Profilzeichnung \u00fcberblendet wird. Auch darf er zweimal durchs Bild laufen \u2013 mit der Zigarre in der Hand.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Der Erfolgsgarant des Abends ist unstrittig <strong>Rainer Zaun<\/strong>, der sein schauspielerisches Talent als Don Romualdo \u2013 als naiver Liebhaber \u2013 unter Beweis stellt. Nicht nur, da\u00df er in den gesprochenen Dialogen mit seinem hessischen Dialekt Heiterkeit verbreitet, er gewinnt die Herzen der Zuh\u00f6rer auch mit seinem strahlenden und \u2013 wie bei den Koloraturen zu h\u00f6ren \u2013 geschmeidigen Ba\u00df. <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> hat ein erfolgreiches Rollendeb\u00fct als Emilia, weil sie diesmal nicht mit zuviel Kraft singt. So gelingt es ihr, in dieser enorm anspruchsvollen Partie zu zeigen, wie sie Koloraturen zum Laufen bringen kann. <strong>Kurt Schober<\/strong> als Vater Claudio ist ein technisch brillanter Spielbariton, der ohne Probleme seine Arien mit voller Durchschlagskraft aussingt. <strong>Christopher Lincoln<\/strong> (Federico) zeigt sich als strahlender lyrischer Tenor. Seine Arien z\u00e4hlen zu den Glanznummern der Oper und w\u00fcrden es auch verdienen als Konzertarien mehr Beachtung zu finden. <strong>Melih Tepretmez<\/strong> (Il Conte) ist deutlich unterfordert, hat seinen gro\u00dfen Auftritt als Schwerh\u00f6riger, der alles mi\u00dfversteht und damit witzig verdreht. Eigentlich ist Luigia nur eine kleine Nebenrolle. Durch <strong>Audrey Lacrose Zicat<\/strong> wird sie jedoch \u2013 musikalisch gesehen \u2013 etwas in den Mittelpunkt ger\u00fcckt. <strong>Guido Johannes Rumstadt<\/strong> zeigt, wie ideal die N\u00fcrnberger Philharmoniker als Begleitorchester f\u00fcr eine Belcantoopern sind: Die Solisten werden unterst\u00fctzt, nicht \u00fcberdeckt und k\u00f6nnen so stimmlich gl\u00e4nzen. Aber <em>Emilia die Liverpool<\/em> ist nicht nur eine Belcanto-Oper, denn in den effektvollen orchestralen Zwischenspielen, wie z.B. dem Vorspiel oder dem n\u00e4chtlich-d\u00fcsterem Gewitter wei\u00df das Orchester Klangbilder zu malen, die den Zuh\u00f6rer in seinen Bann ziehen.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Ein unglaubw\u00fcrdiges und unverst\u00e4ndliches Liebesdrama in einer Viereckskonstellation kann man, wie hier geschehen, mit etwas schr\u00e4gem Humor, Slapstick und guten Darstellern zu einer Liebeskom\u00f6die umwandeln. Auch die musikalische Seite dieser Produktion war herausragend. Und daher feiert das Publikum die Solisten und das Regie-Team ausgiebig.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jutta Missbach<br \/>\nDas Bild zeigt: Das Schlu\u00dfbild als Hommage an Alfred Hitchcock (im Hintergrund). vorne von links Christopher Lincoln (Federico), Hrachuh\u00ed Bass\u00e9nz (Emilia di Liverpool), Audrey Larose Zicat (Luigia), Rainer Zaundahinter (Don Romualdo), Kurt Schober (Claudio di Liverpool) und Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti (1797 \u2013 1848), Dramma semi-seria in zwei Akten, Libretto von einem anonymen Verfasser, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, Dialoge in Deutsch, UA: 1824, Neapel Inszenierung: Andreas Baesler, B\u00fchne: Harald Thor Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1662\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-1662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nurnberg-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1662"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1665,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662\/revisions\/1665"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}