{"id":164,"date":"2008-01-23T19:03:55","date_gmt":"2008-01-23T17:03:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=164"},"modified":"2008-02-18T20:07:07","modified_gmt":"2008-02-18T18:07:07","slug":"berlin-staatsoper-unter-den-linden-un-ballo-in-maschera-ein-maskenball","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=164","title":{"rendered":"Berlin, Staatsoper Unter den Linden  &#8211; UN BALLO IN MASCHERA (EIN MASKENBALL)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813 \u2013 1901), Melodramma in drei Akten, Text von Antonio Somma nach dem Libretto von Augustin Eug\u00e8ne Scribe zur Op\u00e9ra-historique Gustave III ou Le Bal masqu\u00e9 von Daniel Fran\u00e7ois Esprit Auber UA: 1859 Rom<br \/>\nRegie und Dramaturgie: Jossi Wieler, Sergio Morabito; B\u00fchnenbild: Barbara Ehnes Kost\u00fcme: Anja Raabes<br \/>\nDirigent: Philippe Jordan<br \/>\nSolisten: Piotr Beczala (Riccardo), Dalibor Jenis (Renato), Catherine Naglestad (Amelia), Larissa Diadkova (Ulrica), Anna Prohaska (Oscar), Arttu Kataja (Silvano), Oliver Zwarg (Samuel), Andreas Bauer (Tom), Peter-J\u00fcrgen Schmidt (der oberste Richter), Motoki Kinoshita (ein Diener Amelias)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 20. Januar 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/maskenball1.jpg\" TITLE=\"maskenball1.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/maskenball1.jpg\" ALT=\"maskenball1.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Riccardo, der \u00fcberaus beliebte englische Gouverneur von Boston, liebt Amelia, die Frau seines besten Freundes und Weggef\u00e4hrten Renato. Als Renato dies durch einen ungl\u00fccklichen Zufall erf\u00e4hrt, macht er sich zum Werkzeug einer Verschw\u00f6rung und verwundet Riccardo w\u00e4hrend eines Maskenballs t\u00f6dlich. Der sterbende Riccardo vergibt ihm und kl\u00e4rt ihn \u00fcber den vollkommen unschuldigen Charakter seiner Liebesbeziehung zu Amelia auf.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas f\u00fcnfk\u00f6pfige Team um den Regisseur <strong>Jossi Wieler<\/strong> hat den historischen Schauplatz der Verdi-Oper aktualisiert. Die gesamte Handlung spielt in einem Saal eines amerikanischen Hotels, des Arvedson Palace-Hotels, was allerdings nur die Lekt\u00fcre des Programmzettels offenlegt. Das Ambiente wie die Kost\u00fcme sind \u2013 allerdings nicht ganz konsequent \u2013 im Design der sechziger Jahre gehalten, und nach einem stark an den amerikanischen Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf erinnernden Finale des ersten Akts wird auch dem nicht so Geschichtskundigen klar: Die Inszenierung identifiziert Riccardo, dessen historisches Vorbild der schwedische K\u00f6nig Gustav III. ist, mit John F. Kennedy. Das mag man nachvollziehbar finden oder auch nicht, dem Publikum jedenfalls mi\u00dffiel es deutlich, denn im Gegensatz zu dem pr\u00e4zisen Dirigat <strong>Philippe Jordans<\/strong>, dem wie gewohnt hervorragenden <strong>Chor<\/strong> (Einstudierung: <strong>Eberhard Friedrich<\/strong>) und den einer Staatsoper wahrhaft w\u00fcrdigen S\u00e4ngern der Hauptpartien gab es f\u00fcr das Regieteam heftige Buhs.<\/p>\n<p>Die \u00c4nderung von Zeit und Ort der Handlung l\u00e4\u00dft zwar die dramatische Struktur des St\u00fcckes, so wie sie im Kurzinhalt geschildert ist, bestehen, doch sind im Detail etliche \u00c4nderungen der Handlung vorgenommen worden: Vor Beginn des Vorspiels ist eine pantomimische Szene zu sehen: Oscar inspiziert den Ballsaal des [&#8230;] Hotels. Die Hosenrolle des Oscar wird \u00fcbrigens zu einer schwer zu deutenden weiblichen Figur umgedeutet. Der zweite Akt spielt nicht auf dem Galgenberg, sondern im n\u00e4chtlichen Hotelsaal, in dem das Personal \u2013 erkennbar an den Putzkitteln \u2013 einer stimmlich beeindruckenden Ulrica bei ihrem wahrsagerischen Treiben zusieht. Ein bi\u00dfchen taschenspielerm\u00e4\u00dfig wirkt der vor ihr auf und ab schwebende Zimmerschl\u00fcssel. Im dritten Akt liefert Renato den Verschw\u00f6rern tats\u00e4chlich seinen Sohn aus; diese werden im Programmheft als abtr\u00fcnniger Teil der Spitze einer Partei gedeutet, was allein aus der Inszenierung nicht zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Etliche kleine Aktionen am Rande der Haupthandlung und die realistische Choreographie beleben das B\u00fchnenbild. Dazu geh\u00f6rt der ausgiebige Einsatz von Komparsen und stummen Figuren. All diese Ma\u00dfnahmen verunklaren die Opernhandlung, wie sie urspr\u00fcnglich war, zwar nicht, andererseits bringen sie aber auch keine wirklich neuen, erhellenden Aspekte hinein. Anders gesagt: Die Aktualisierung ist ein wenig nichtssagend. Da die Handlung aus dem Boston des 17. Jahrhunderts in die Mitte des 20. Jahrhunderts, also eine mittlerweile ebenfalls historische Epoche, verlagert wird, f\u00e4llt die Aktualisierung nicht allzu br\u00fcsk aus.<br \/>\nDie Personenregie ist durchaus konventionell: Man bekommt ausschlie\u00dflich die in der Oper g\u00e4ngigen Mienen, Gesten und Aktionen zu sehen.<br \/>\nDiese Inszenierung hinterl\u00e4\u00dft durch eine positive Identifikation von Verdis Riccardo mit einem amerikanischen Pr\u00e4sidenten einen unangenehmen Beigeschmack durch Glorifizierung eines Realpolitikers. Denn abgesehen davon, da\u00df Kennedy seinerzeit beliebt war und ebenfalls durch ein Attentat ums Leben kam, sind Parallelen zwischen beiden nur schwer auszumachen.<br \/>\nMan fragt sich unwillk\u00fcrlich, ob die Regisseure dem Publikum eine eigenst\u00e4ndige Interpretation des Stoffes in seiner urspr\u00fcnglichen Fassung nicht zutrauen, ob die Ver\u00e4nderung von Handlung und Ort also den Zugang zu diesem recht bekannten St\u00fcck erleichtern soll. Es bleibt also ein etwas zwiesp\u00e4ltiger Eindruck von diesem in sich nicht ganz stimmigen Regiekonzept zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nGesangstechnisch waren die Leistungen aller Solisten an diesem Abend \u00fcber jeden Zweifel erhaben, mit der Ausnahme von <strong>Dalibor Jenis<\/strong> (Renato), der zuweilen rhythmisch unpr\u00e4zise agierte. <strong>Catherine Naglestad<\/strong> als Amelia \u00fcberzeugt durch eine dynamisch und artikulatorisch fein nuancierte Interpretation. Einzig ihre mit einem starken Hauch einhergehende Klanggebung, die sie in innerlich bewegten Momenten etwas zu h\u00e4ufig einsetzte, wirkte etwas st\u00f6rend. Beczalas Wiedergabe der Hauptpartie des Riccardo war hingegen ein Genu\u00df f\u00fcr alle Freunde des italienischen Operngesangs. Mit einem an Caruso erinnernden, gelegentlich schluchzenden Ansatz und einer recht dunklen, sehr metallischen Stimme sang er seine Partie absolut souver\u00e4n. Ebenfalls \u00fcberzeugend war <strong>Anna Prohaskas<\/strong> Interpretation der mit zahlreichen Verzierungen aufwartenden Partie des Oscar.<br \/>\nAm Pult der Staatskapelle Berlin stand an diesem Abend (nicht zu ersten Mal) der erst 33j\u00e4hrige <strong>P<\/strong><strong>hilippe Jordan<\/strong>, der seine Aufgabe solide bew\u00e4ltigte, ohne auf Effekte zu setzen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch bekommt man das hohe Niveau geboten, das man von einer Staatsoper erwarten darf. Das Regieteam hat sich mit dieser Arbeit allerdings zwischen alle St\u00fchle gesetzt: Weder ist das Konzept ultramodern noch gen\u00fcgt es traditionellen Sehgewohnheiten. Es ist nicht gelungen, eine wirklich neue Lesart des St\u00fcckes zu finden. Andererseits: Rein technisch gesehen, also von B\u00fchnenbild, Personenf\u00fchrung und musikalischer Dramaturgie her, ist die Berliner Umsetzung professionell und ohne gravierende M\u00e4ngel. Wenn man sich mit der Aktualisierung abfindet, ist es eine Inszenierung, die sicherlich niemandem wehtut.<\/p>\n<p>Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: \tRuth Walz<br \/>\nCatharine Naglestad (Amalie), Piotr Beczala (Riccardo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813 \u2013 1901), Melodramma in drei Akten, Text von Antonio Somma nach dem Libretto von Augustin Eug\u00e8ne Scribe zur Op\u00e9ra-historique Gustave III ou Le Bal masqu\u00e9 von Daniel Fran\u00e7ois Esprit Auber UA: 1859 Rom Regie und Dramaturgie:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=164\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-staatsoper-unter-den-linden"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/164\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}