{"id":1632,"date":"2010-03-25T18:20:14","date_gmt":"2010-03-25T17:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1632"},"modified":"2010-04-27T18:32:58","modified_gmt":"2010-04-27T17:32:58","slug":"tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg-oslo-nasjonal-operaen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1632","title":{"rendered":"TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG &#8211; Oslo, Nasjonal Operaen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1861 Paris<br \/>\nRegie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele<br \/>\nDirigent: Christian Badea, Operaorkestret und Operakoret der Nasjonal Operaen<br \/>\nSolisten: Magne Fremmerlid (Landgraf Hermann), Gary Lehman (Tannh\u00e4user), Geet Smits (Wolfram), Kjell Magnus Sandve (Walther), Ketil Hugaas (Biterolf), Svein Erik Sagbr\u00e5ten (Heinrich), Eirik Roland Egeberg-Jensen (Reinmar), Elisabet Strid (Elisabeth), Judit N\u00e9meth (Venus), Amelie Aldenheim (Hirt), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. M\u00e4rz 2010 (dritte Vorstellung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Oslo-Tannhaeuser.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1633\" title=\"Oslo-Tannhaeuser\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Oslo-Tannhaeuser.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"185\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Oslo-Tannhaeuser.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Oslo-Tannhaeuser-300x158.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg zugebracht, dem legend\u00e4ren Zufluchtsort der Liebesg\u00f6ttin. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft sie, als er der erotischen Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig wird. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet auf der Wartburg bei einem S\u00e4ngerwettstreit anzutreten. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe, der Preis wird von Elisabeth, der Tochter des th\u00fcringischen Landgrafen, vergeben, welche Tannh\u00e4user in Zuneigung ergeben ist. W\u00e4hrend seines Beitrags gesteht Tannh\u00e4user jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten, unter der Bedingung, nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Diese erh\u00e4lt er aber nicht. Allein das selbstlose Opfer Elisabeths rettet ihn.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die Heilsarmee ist in Skandinavien so bedeutend, da\u00df sie sich neben dem Singen f\u00fcr Notleidende und der Verk\u00fcndung des Bibelwortes auch mit der Armenspeisung besch\u00e4ftigt. Diese heutige Heilsarmee wird mit der deutschen Minnes\u00e4ngertradition gleichgesetzt. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft diese Gemeinschaft, um mit Venus dem sch\u00f6nen Schein der Opernwelt zu fr\u00f6nen. Von einer Opernloge aus betrachten die beiden verschiedene Liebespaare der Oper, Paare aus u.a. <em>Carmen<\/em>, <em>Don Giovanni<\/em>, <em>Zauberfl\u00f6te<\/em>, <em>Aida<\/em> und aus Wagners <em>Ring<\/em> feiern ein Bacchanal. Von all dem hat Tannh\u00e4user genug und flieht aus dem Zuschauerraum in die harte Realit\u00e4t des Alltags zur\u00fcck, in das Lokal der Heilsarmee, wo die Gescheiterten ein Matratzenlager, eine warme Mahlzeit und die Hallenarie der Elisabeth pr\u00e4sentiert bekommen. F\u00fcr die Heilsarmee ist es eine asketische Liebe, in der es im S\u00e4ngerkrieg geht, f\u00fcr den Opernfreund Tannh\u00e4user ist Liebe ein Opernmittel. Als Tannh\u00e4user seine Opernbesuche gesteht, verst\u00f6\u00dft ihn die bibelschwingende Glaubensgemeinschaft, Elisabeth bleibt entsetzt sitzen. Nachdem Tannh\u00e4user die Erl\u00f6sung versagt blieb, kehrt er aus dem Zuschauerraum zur\u00fcck auf die B\u00fchne und findet sie nun, indem Elisabeth und er als Wagners Figuren in die Opernwelt eingehen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong><strong>Elisabet Strid<\/strong> (Elisabeth) erhielt mit ihrem fast jugendlichen, aber dennoch durchschlagsstarken Sopran und dank ihrer starken B\u00fchnenpr\u00e4senz st\u00fcrmischen Szenenapplaus f\u00fcr die Hallenarie. <strong>Gary Lehman<\/strong> sang zwar schon Tristan und Siegmund an der Met, singt jedoch den Tannh\u00e4user mit kleinen technischen Fehlern, wenn er auch \u00fcber strahlendes Stimmmaterial verf\u00fcgt. <strong>Judith Nemeth<\/strong>, die die Venus schon in Bayreuth sang, bot auch in Oslo eine solide Vorstellung, doch wieder ohne Glanz und erotische Ausstrahlung. <strong>Gert Smits<\/strong> war ein ungemein ausdrucksstarker lyrischer Wolfram, dessen Morgenstern nahe an den Liedgesang heranr\u00fcckte. So differenziert war seine Gestaltung, da\u00df man jede Phrase auskosten konnte. Man kann sogar sagen, da\u00df er der Forderung Wagners nach der unendlichen Melodie sehr nahe kam. Bla\u00df, leise und fast unverst\u00e4ndlich blieb hingegen <strong>Magne Fremerlid<\/strong> als Hermann. Der Hirtenjunge <strong>Amelie Aldenheim<\/strong> ist eher tiefer timbriert und klingt leider etwas schmal in den H\u00f6hen. Erfreulich die Besetzung der kleineren Minnes\u00e4nger-Rollen, besonders hervorzuheben <strong>Kjell Magnus Sandve<\/strong>, der mit dem Walter einen Zugang als Wagner-Tenor fand.<br \/>\nUnter der Leitung von <strong>Christian Badea<\/strong> gelingt es dem Orchester der Oper, die Pariser Fassung des Bacchanals und das Opernfinale mit gut abgestimmten, dramatischen Lautst\u00e4rke- und Tempowechseln zu gestalten. Erfreulich ist die exakte Koordinierung mit dem Chor. Die gro\u00dfartige Akustik des mit Eichenholz get\u00e4felten Zuschauerraumes erm\u00f6glicht es, da\u00df, obwohl der Orchestergraben nur f\u00fcr maximal 60 bis 70 Musiker ausgelegt ist, er ausreichend ist f\u00fcr ein Haus mit ca. 1400 Pl\u00e4tzen. Faszinierend ist, da\u00df in der breit instrumentierten Pariser Fassung keine Stimmen wegfallen und die Klangminderung durch die geringere Instrumentenanzahl durch die Akustik ausgeglichen wurde. So waren zwei Harfen statt der \u00fcblichen drei Harfen ausreichend.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Tosender Beifall und Szenenapplaus bereits f\u00fcr das Schlu\u00dfbild des zweiten Aktes sind ein Beleg daf\u00fcr, da\u00df die erste Aufr\u00fchrung einer Wagneroper im neuen norwegischen Opernhaus das Publikum beeindruckt hat. Und selten hat man eine so spannende Auseinandersetzung zwischen K\u00fcnstlern und Glaubensrittern \u00fcber den Begriff Liebe zwischen Askese und Eros erlebt wie an diesem Abend. Den Kern dieses St\u00fcckes hat Stefan Herheim beeindruckend auf die B\u00fchne gebracht, allerdings aus modernem Blickwinkel und wie immer in einer alles ertr\u00e4nkenden Bilderflut.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Erik Berg \/ Den Norske Opera<br \/>\nDas Bild zeigt: Im Bacchanal verschwimmen die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Opernwelt \u2013 nicht f\u00fcr Tannh\u00e4user (Gary Lehman) und Venus (Judit Nemeth)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1861 Paris Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele Dirigent: Christian Badea, Operaorkestret und Operakoret der Nasjonal Operaen Solisten: Magne Fremmerlid (Landgraf Hermann), Gary Lehman<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1632\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[141,1,140],"tags":[],"class_list":["post-1632","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nasjonal-operaen","category-allgemein","category-oslo"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1632"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1636,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1632\/revisions\/1636"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}