{"id":1627,"date":"2010-03-08T17:58:25","date_gmt":"2010-03-08T16:58:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1627"},"modified":"2010-04-27T18:02:43","modified_gmt":"2010-04-27T17:02:43","slug":"die-lustigen-weiber-von-windsor-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1627","title":{"rendered":"DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Otto Nicolai (1810-1849), Komisch-Phantastische Oper, Libretto: Salomon Hermann Ritter von Mosenthal nach Shakespeare, UA: 1849 Berlin.<br \/>\nRegie: Waut Koeken, B\u00fchne: Benoit Dugardyn<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchester Erfurt und Opernchor des Theaters Erfurt<br \/>\nSolisten: Dario S\u00fc\u00df (Falstaff), Mate Solyom-Nagy (Herr Fluth), Sebastian Pilgrim (Herr Reich), Erik Fenton (Fenton), J\u00f6rg Rathmann (Junker Sp\u00e4rlich), Ji-Su Park (Dr. Cajus), Marisca Mulder (Frau Fluth), Stefanie Schaefer (Frau Reich), Susanne Langbein (Anna), Nesabravka Leinhoss (Frau Schnell)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 7. \u00a0M\u00e4rz 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Erfurt-Lustige-Weiber.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1628\" title=\"Erfurt-Lustige-Weiber\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Erfurt-Lustige-Weiber.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Erfurt-Lustige-Weiber.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Erfurt-Lustige-Weiber-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Sir John Falstaff befindet sich in einer Liebes- und Finanzkrise. Um dem abzuhelfen versucht er, sich den beiden wohlhabenden Damen Frau Fluth und Frau Reich zugleich zu n\u00e4hern. Die Damen erkennen das falsche Spiel und erteilen Falstaff eine Lektion: Falstaff mu\u00df sich vor dem eifers\u00fcchtigen Herrn Fluth in einem W\u00e4schekorb verstecken und landet in der Themse. Beim zweiten Versuch entkommt er in Frauenkleidung. Ein neuerliches Treffen im n\u00e4chtlichen Wald endet mit einem geh\u00f6rnten Falstaff, und die wunderlich maskierten B\u00fcrger treiben Schabernack mit ihm.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Frau Reich und Frau Fluth betreiben Luxusboutiquen in einem seelenlosen Einkaufscenter wie es heutzutage oft anzutreffen ist. Das Lokal zum Hosenbande bietet nebenan Speisen und Getr\u00e4nke an, beim Fr\u00fchst\u00fcck auf der Aktionsfl\u00e4che des Lokals vergleichen beide Damen Falstaffs Briefe an sie. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes greift ein, wenn der Handwerker Fenton zu heftig um die Abiturientin Anna wirbt. Falstaff besucht Frau Fluth in ihrer Boutique, mu\u00df sich aber vor ihrem w\u00fctenden Gatten (der dabei die Boutique verw\u00fcstet) in einem W\u00e4schekorb verstecken, der zur T\u00fcr hinaus geschoben wird. Am n\u00e4chsten Morgen fordert Falstaff einige Gesch\u00e4ftsleute zu einem Trinkwettbewerb heraus, den er ohne gro\u00dfe M\u00fche gewinnt. Das Treiben im n\u00e4chtlichen Wald findet im geschlossenen Einkaufscenter statt, das auf einmal mit zahlreichen Topfpflanzen dekoriert ist. Au\u00dferdem sind vor den Gesch\u00e4ften die Rolladen heruntergelassen. In der lustigen maskierten Gesellschaft sind zwischen r\u00f6hrenden Hirschen und bunten Harlekinen alle m\u00f6glichen Gestalten vertreten. Falstaff tr\u00e4gt schlie\u00dflich ein Hirschgeweih auf dem Kopf, Junker Sp\u00e4rlich und Dr. Cajus blamieren sich in bunten Raupenkost\u00fcmen, w\u00e4hrend Fenton seinen bunten K\u00e4fer Anna bekommt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Die Rolle des Falstaff wird meist mit einem Charakterdarsteller besetzt. Das bedeutet, eine Ausstrahlung als alternder Lebemann findet ihre Entsprechung auch in der gesanglichen Leistung. <strong>Dario S\u00fc\u00df<\/strong> erf\u00fcllt diese Anforderungen als deutlich in die Jahre gekommener Spielba\u00df. Das gurgelnde Pathos unterstreicht die Zwielichtigkeit der Rolle zwischen adeliger W\u00fcrde und Sch\u00e4bigkeit. <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> ist als eifers\u00fcchtiger Herr Fluth \u00fcberzeugend mit seinen dramatischen Wutausbr\u00fcchen. Ihm gelingen hier deutliche Abstufungen in der Lautst\u00e4rke, untermalt mit entsprechender Spielfreude. <strong>Erik Fenton<\/strong> als Fenton ist ein Operettentenor, der hier einmal voll aufdrehen darf \u2013 und laut wird. <strong>Marisca Mulder<\/strong> (Frau Fluth) kann als dramatischer Sopran gl\u00e4nzen, auch wenn stimmliche Sch\u00e4rfen manchmal nicht \u00fcberh\u00f6rbar sind. Dagegen bietet <strong>Stefanie Schaefer<\/strong> als Frau Reich eine vergleichbare Leistung ohne solche Sch\u00e4rfen, w\u00e4hrend <strong>Susanne Langbein<\/strong> (Anna) als jugendlicher heller Sopran Aufmerksamkeit erregt, auch wenn sie manchmal etwas zu leise bleibt. Dem Operetten-Spielbariton <strong>J\u00f6rg Rathmann<\/strong> als Junker Sp\u00e4rlich gelingen spielfreudige Auftritte, auch die \u00fcbrigen kleineren Rollen konnten zufriedenstellend besetzt werden. <strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> lotet die Tiefen einer romantischen deutschen Oper aus und zeigt, da\u00df Romantik und musikalischer Witz hervorragend zusammen passen. Besonders beeindruckend ist die Adaption des Shakespeareschen <em>Sommernachtstraums<\/em>, wenn Chor, Solisten und Orchester gut aufeinander abgestimmt musizieren und agieren.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Das Publikum dankte Protagonisten und Regie ausgiebig f\u00fcr einen harmlosen, bunten Abend, der der Vorlage Shakespeares gerecht wurde \u2013 auch wenn der Zeitgeist arg strapaziert wurde. Offensichtlich f\u00fchlten sich viele Erfurter bei dem B\u00fchnenbild an eine Einkaufsmeile in ihrer Stadt erinnert, was bei Ortsunkundigen allerdings zu Kopfsch\u00fctteln f\u00fchrte. Besonders bemerkenswert war die Bewegungschoreographie des Massenauflaufes im n\u00e4chtlichen Wald, w\u00e4hrend die Auf- und Abtritte zahlloser Passanten und Besucher im Einkaufscenter in den ersten beiden Akten verwirrend zahlreich sind. Es bleibt zu hoffen, da\u00df die Firma Rotk\u00e4ppchen-Sekt gut f\u00fcr die Werbung auf der B\u00fchne bezahlt hat.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<br \/>\nDas Bild zeigt: Das Einheits-B\u00fchnenbild: Ein Einkaufszentrum. Hier haben die Familien Fluth und Reich Ihre Edel-Boutiquen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Otto Nicolai (1810-1849), Komisch-Phantastische Oper, Libretto: Salomon Hermann Ritter von Mosenthal nach Shakespeare, UA: 1849 Berlin. 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