{"id":1614,"date":"2010-04-27T17:23:06","date_gmt":"2010-04-27T16:23:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1614"},"modified":"2010-04-27T17:23:06","modified_gmt":"2010-04-27T16:23:06","slug":"herzog-blaubarts-burg-karlsruhe-badisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1614","title":{"rendered":"HERZOG BLAUBARTS BURG &#8211; Karlsruhe, Badisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in einem Aufzug von B\u00e9la Bart\u00f3k, Text von B\u00e9la Bal\u00e1zs, deutsche \u00dcbersetzung: Wilhelm Ziegler, UA: 24. Mai 1918, K\u00f6nigliches Opernhaus, Budapest<br \/>\nRegie: Achim Thorwald, B\u00fchne: Christian Floeren, Kost\u00fcme: Mara Fiek<br \/>\nDirigent: Justin Brown, Badische Staatskapelle, Statisterie des Badischen Staatstheaters<br \/>\nSolisten: Stefan Stoll (Herzog Blaubart), Sabina Willeit (Judit), Achim Thorwald (Sprecher des Prologs)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 25. April 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Karlsruhe-Blaubart.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1615\" title=\"Karlsruhe-Blaubart\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Karlsruhe-Blaubart.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Karlsruhe-Blaubart.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Karlsruhe-Blaubart-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Judit hat Familie und Verlobten verlassen, um dem mysteri\u00f6sen Herzog Blaubart auf seine Burg zu folgen. In der na\u00dfkalten Finsternis des Schlosses angekommen,\u00a0 will Judit durch das \u00d6ffnen sieben verschlossener T\u00fcren das triste Gem\u00e4uer mit Leben f\u00fcllen. So \u00f6ffnet sich der ahnungslosen Liebenden Blaubarts Vergangenheit: Folter- und Waffenkammer, blutbeschmierte Reicht\u00fcmer, ein Zaubergarten. Bei der letzten T\u00fcr wird sie von der Gegenwart eingeholt: Ihr begegnen die\u00a0 fr\u00fcheren Frauen Blaubarts, denen sie sich als vierte und letzte anzuschlie\u00dfen hat.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die Inszenierung n\u00e4hert sich mit sehr sparsamen Mitteln dem Werk Bart\u00f3ks an. Sieben wei\u00dfe T\u00fcren bilden einen Halbkreis auf der Vorderb\u00fchne, flankiert von zwei Projektionsfl\u00e4chen, auf denen sich das Innere der jeweils ge\u00f6ffneten R\u00e4ume verbildlicht. Die Kost\u00fcme der beiden Protagonisten sind einfach gehalten: eine ganz in unschuldswei\u00df gewandete Judit steht einem Blaubart in schwarzer Ledermontur gegen\u00fcber. Beim \u00d6ffnen der Folterkammer erscheint ein Breughel-Gem\u00e4lde, das beim Entdecken des Blutes mit der restlichen B\u00fchne in rotes Licht getaucht wird. So sind es haupts\u00e4chlich Farben, gelb bei der Abbildung der weiten Landschaft, blau beim Tr\u00e4nensee, die Assoziationen schaffen. Abgesehen von einigen Umarmungen und K\u00fcssen ist das B\u00fchnengeschehen eher statisch.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Bereits in der ersten Szene dieser in deutscher Sprache stattfindenden Auff\u00fchrung zeichnet sich <strong>Stefan Stoll<\/strong> (Blaubart) durch pentatonische Reihen und Intervallrepetitionen aus. Diese hart und resolut angelegte Passage <em>Judit, folgst du mir noch immer? \u2013 Judit, j\u00f6ssze m\u00e9g ut\u00e1nam? <\/em>ist lyrisch angehaucht, was diesen Blaubart in Lack und Leder stimmlich eher als Schaf im Wolfspelz scheinen l\u00e4\u00dft. In starkem Kontrast erklingt die mit <em>dolce<\/em> \u00fcberzeichnete Passage <strong>Sabrina Willeits<\/strong> (Judit) <em>Ich komme, ich komme, Blaubart \u2013Megyek, megyek, K\u00e9kszak\u00e1ll\u00fa<\/em>. Die akkordisch angereicherten Intervalle bringen die emotionale Tiefe dieser Rolle eindrucksvoll zur Geltung. Judits Bedr\u00fcckung zeigt sich in den fl\u00fcsternd-anmutenden Achtelketten der Streicher bei ihren Worten <em>Dies ist also Blaubarts Burg \u2013 Ez a k\u00e9kszal\u00e1ll\u00fa v\u00e1ra!<\/em>. Als sie darum bittet, die kalten Gem\u00e4uer mit Leben zu f\u00fcllen, gelingt ihr mit stimmlicher Sicherheit das \u00fcber acht Takte gezogene <em>Herzog Blaubart<\/em> \u2013 <em>K\u00e9kszak\u00e1ll\u00fa!<\/em>. Insbesondere in der Tiefe kommt die schwerm\u00fctige Klangfarbe ihrer Stimme zum Tragen. Erst im Fortissimo-Bereich nimmt eine gewisse Sch\u00e4rfe in den Spitzen \u00fcberhand. Angsteinfl\u00f6\u00dfend ert\u00f6nt das sanft vom Chor intonierte, langgezogene Seufzen des n\u00e4chtlichen Windes <em>Weh! \u2013 Jaj!<\/em>, so steht es in der Partitur. In dieser Inszenierung wird dem Zuschauer lediglich ein Klagelaut aus dem Lautsprecher geboten. Das Orchester interpretiert unter <strong>Justin Brown<\/strong> plastisch mit Xylophon- und gesto\u00dfenen Harfenkl\u00e4ngen die erste ge\u00f6ffnete T\u00fcr (Folterkammer). Ebenso malerisch mischt sich das Klarinettensolo unter Judits Ausruf <em>Deine Burg blutet! \u2013 A te v\u00e1rad v\u00e9rzik!<\/em>. Das an das \u00d6ffnen der Waffenkammer folgende <em>Judit, Judit!<\/em> wird von einer sonoren Violoncellopassage untermalt, das sich ebenso filigran beim <em>Siehst du? Siehst du?<\/em> \u2013 <em>L\u00e1tod? L\u00e1tod? <\/em>in der Violine fortsetzt. Wie sich der Schein der Blumenpracht zu jenem der Schatzkammer gesellt, bringen die orchestralen Klangfarben von Horn, Klarinette etc. f\u00fchlbar zu Geh\u00f6r. In majest\u00e4tischer Akkordfolge des Orchesters gelingt der Ausblick auf die Landschaften Blaubarts. Dieser selbst verleiht seiner Rolle den entsprechend herrschaftlichen Ton, der in der Tiefe jedoch sehr atemdurchdrungen und etwas substanzlos scheint. Die Stimmung der unabwendbaren Finsternis fasst Stoll dann sanglich eindrucksvoll in seinen letzten Worten <em>Nacht bleibt es nun ewig \u2013 \u00c8s mind\u00e9g is \u00e9jjel leszm\u00e1r<\/em>.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Vorausgegangen war der Oper Jan\u00e1\u010deks <em>Tagebuch eines Verschollenen<\/em>, ein in Szene gesetzter Liederzyklus f\u00fcr zwei Singstimmen, kleinen Chor und Klavier. Eine kuriose Kombination zweier sich wenig gleichender Werke. Als Zuh\u00f6rer sollte man jedenfalls Aufgeschlossenheit mitbringen, dann ist dieser Abend auf alle F\u00e4lle musikalisch zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Jochen Klenk<br \/>\nDas Bild zeigt: Sabina Willeit (Judit), Stefan Stoll (Herzog Blaubart)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in einem Aufzug von B\u00e9la Bart\u00f3k, Text von B\u00e9la Bal\u00e1zs, deutsche \u00dcbersetzung: Wilhelm Ziegler, UA: 24. 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