{"id":1610,"date":"2010-04-26T23:34:21","date_gmt":"2010-04-26T22:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1610"},"modified":"2010-04-26T23:34:21","modified_gmt":"2010-04-26T22:34:21","slug":"elegie-fur-junge-liebende-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1610","title":{"rendered":"ELEGIE F\u00dcR JUNGE LIEBENDE &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in drei Akten von Hans Werner Henze, Text von Wystan H. Auden und Chester Kallman, deutsche Fassung von Ludwig Landgraf unter Mitarbeit von Werner Schachteli und dem Komponisten, UA 20. Mai 1961, Schwetzingen<br \/>\nRegie: Karoline Gruber, B\u00fchne: Roy Spahn, Kost\u00fcme: Mechthild Seipel<br \/>\nDirigent: Noam Zur, Essener Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Claudio Otelli (Gregor Mittenhofer), Astrid Kropp-Men\u00e9ndez (Hilda Mack), Andreas Hermann (Toni Reischmann), Francisca Devos (Elisabeth), Michael Haag (Dr. Reischmann), Ildiko Sz\u00f6nyi (Carolina)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. April 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Essen-Elegie.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1611\" title=\"Essen-Elegie\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Essen-Elegie.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Essen-Elegie.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Essen-Elegie-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>1910, in den Alpen: Der Dichter Gregor Mittenhofer arbeitet im Berggasthof der seit dem Verschwinden ihres Mannes von Visionen heimgesuchten Hilda Mack an seinem neuen Werk. Begleitet wird Mittenhofer von seiner jungen Geliebten Elisabeth und der adligen Sekret\u00e4rin Carolina, die ihm seit Jahren h\u00f6rig ist. Als sich Elisabeth in Toni, Sohn des Mittenhofer-Verehrers Dr. Reischmann, verliebt; gibt der Dichter sie \u00fcberraschend frei. Zugleich sinnt er auf Rache: Er bittet Elisabeth und Toni, f\u00fcr ihn ein Edelwei\u00df vom Berg zu holen. Sie gehorchen, obwohl der Aufstieg als lebensgef\u00e4hrlich gilt und man eben erst Hildas verschollenen Mann tot auf dem Berg gefunden hat. Als ein Schneesturm aufzieht vereitelt Mittenhofer den Rettungsversuch des Bergf\u00fchrers Mauer. Der Tod von Toni und Elisabeth ist f\u00fcr ihn Rache und Inspiration zugleich: F\u00fcr sein Werk <em>Elegie f\u00fcr junge Liebende<\/em> wird der Dichter st\u00fcrmisch gefeiert.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die B\u00fchne stellt einen h\u00f6lzernen K\u00e4fig dar, in den die Fassade eines Berggasthofs eingelassen ist. Der Giebel kann zur Schwarzw\u00e4lder Uhr umfunktioniert werden, mit Bergf\u00fchrer Mauer und einer Statistin als Figuren. Neben dem Giebel hockt ein wei\u00dfer Adler und scheint sich auf die Personen hinabst\u00fcrzen zu wollen. Im Hintergrund schwingt das \u00fcberdimensionale Pendel der Uhr. Projektionen illustrieren die seelische Verfassung der Figuren, z.B. Mittenhofers Schreibblockade durch eine Buchstaben-Collage. Die Kost\u00fcme deuten zwar die Zeit um 1910 an, \u00a0wecken aber auch Assoziationen an die Gothic-Szene oder an das Musical <em>Rocky Horror Show<\/em>. Eine zentrale Rolle spielen die Requisiten, vor allem ein aus einem Kissenbezug geformter Schwan sowie ein riesiges Ei, zu dem Mittenhofer eine obsessive Beziehung entwickelt. Ab dem Ende des ersten Teils beginnen sich die Figuren in V\u00f6gel zu verwandeln: Dabei wird Mittenhofer erst zum Pfau, dann zu einem Raubvogel mit gigantischen Krallen. Hilda verwandelt sich in einen Schmetterling, nachdem man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes gebracht hat. In der Schlu\u00dfszene klammert sich der wahnsinnig gewordene Mittenhofer blutverschmiert an das Ei. Die anderen Personen h\u00e4ngen, verk\u00f6rpert von Statisten, wie Gehenkte von der Decke herab, w\u00e4hrend man ihre Stimmen aus dem Hintergrund h\u00f6rt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Das hervorragende Ensemble f\u00fchrt <strong>Astrid Kropp-Men\u00e9ndez <\/strong>(Hilda) an: Die S\u00e4ngerin bew\u00e4ltigt die lange, einen immensen Stimmumfang erfordernde Koloraturpartie ohne jede Erm\u00fcdungserscheinung: Mit schlafwandlerischer Sicherheit stellt sie sich j\u00e4hen Tempo- und Dynamikwechseln, m\u00f6rderischen Intervallspr\u00fcngen und Spitzent\u00f6nen bis in extreme Lagen. <strong>Claudio Otellis<\/strong> (Mittenhofer) harter, aber sensibel gef\u00fchrter Bariton kann sich bruchlos von kaum h\u00f6rbar gehauchten Passagen \u00fcber an Arnold Sch\u00f6nberg erinnernden Sprechgesang bis zu wilden Ausbr\u00fcchen steigern &#8211; eine stimmliche und darstellerische H\u00f6chstleistung. Lyrische, fast \u00e4therische T\u00f6ne bringt mit schlankem, h\u00f6hensicherem Tenor <strong>Andreas Hermann<\/strong> (Toni) ins Spiel. \u00dcberzeugend, aber in ihren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkter treten <strong>Ildiko Sz\u00f6nyi<\/strong> (Carolina), <strong>Francisca Devos<\/strong> (Elisabeth) und <strong>Michael Haag<\/strong> (Dr. Reischmann) auf. Dirigent <strong>Noam Zur<\/strong> hat das raffinierte Geflecht der Partitur bis in den letzten Takt analysiert. So erliegt er nicht der Versuchung, nur auf die oberfl\u00e4chliche Wirkung von Klangeruptionen zu setzen, sondern l\u00e4\u00dft die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> Details wie die wunderbaren Oboen-Soli oder Henzes subtilen Einsatz des Schlagwerks herausarbeiten.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Mit Freudenspr\u00fcngen verl\u00e4\u00dft der Dirigent sein Pult \u2013 und hat zur Freude auch allen Grund. Denn mit dieser Auff\u00fchrung ist dem Aalto Theater einmal mehr ein gro\u00dfer Coup gelungen. Regisseurin <strong>Karoline Gruber<\/strong> findet f\u00fcr die Verstrickung von Liebe, Sexualit\u00e4t, Tod, Schuld und Kunst eine faszinierende Bildsprache. Henzes latente Ironie ist f\u00fcr sie kein Anla\u00df, die Figuren ins L\u00e4cherliche zu ziehen. Vielmehr schafft sie ein groteskes Horrorszenario, das so manchen Zuschauer den Atem anhalten l\u00e4\u00dft. Ein musikalisch wie szenisch aufw\u00fchlender Opernabend, der vom etwas sp\u00e4rlich vertretenen Publikum mit lautem Jubel belohnt wird.<\/p>\n<p>Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Kathrin Holighaus<br \/>\nDas Bild zeigt: Claudio Otelli (Gregor Mittenhofer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in drei Akten von Hans Werner Henze, Text von Wystan H. Auden und Chester Kallman, deutsche Fassung von Ludwig Landgraf unter Mitarbeit von Werner Schachteli und dem Komponisten, UA 20. 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