{"id":1600,"date":"2010-04-24T23:13:19","date_gmt":"2010-04-24T22:13:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1600"},"modified":"2010-05-06T22:29:02","modified_gmt":"2010-05-06T21:29:02","slug":"andromaque-schwetzinger-swr-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1600","title":{"rendered":"ANDROMAQUE &#8211; Schwetzinger SWR Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Andr\u00e9-Ernest-Modeste Gr\u00e9try (1741-1813), Trag\u00e9die lyrique in drei Akten, Libretto: Louis-Guillaume Pitra, nach Jean Racines gleichnamiger Trag\u00f6die nach der\u00a0 Vorlage von Vergils <em>Aeneis<br \/>\n<\/em>Regie\/Licht: Georges Lavaudant, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Jean-Pierre Vergier, Choreinstudierung: Denis Comtet<br \/>\nDirigent: Herv\u00e9 Niquet, Le Concert Spirituel und das SWR Vokalensemble Stuttgart<br \/>\nSolisten: Judith van Wanroij (Andromaque), Maria-Riccarda Wesseling (Hermione), S\u00e9bastien Gu\u00e8ze (Pyrrhus), Tassis Christoyannis (Oreste)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. April 2010 (Premiere, Koproduktion mit der Op\u00e9ra Montpellier, dem Theater Luzern und dem Staatstheater N\u00fcrnberg)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Schwetzingen-Andromaque1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1602\" title=\"Schwetzingen-Andromaque\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Schwetzingen-Andromaque1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"314\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Schwetzingen-Andromaque1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Schwetzingen-Andromaque1-300x269.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Im Mittelpunkt der Handlung stehen vier vom Schicksal gezeichnete Figuren, die allesamt durch das Band der Liebe, treffender jedoch, durch die Bande unerf\u00fcllter und ungl\u00fccklicher Liebe miteinander verbunden sind: Andromaque, Ehefrau des trojanischen Helden Hectors und Mutter von Astyanax, beklagt in tiefster Trauer die Ermordung ihres Mannes. Nach dem Untergang Trojas macht Pyrrhus, Sohn des Achilleus, Andomaque zu seiner Sklavin und verliebt sich in sie. Doch eigentlich ist er mit Hermione verlobt, der Tochter von Menelaos und Helene. Schlie\u00dflich kommt der griechische Gesandte Oreste ins Spiel, der seinerseits wiederum Hermione liebt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Das Geschehen konzentriert sich im wesentlichen auf die vier Hauptdarsteller, die allerdings nie alle gleichzeitig auf der B\u00fchne zu sehen sind. Als Rahmen des Schauplatzes dient ihnen eine hohe, halbrunde, graue Fassade. In der Mitte der B\u00fchne ist eine steinerne Liege plaziert, die Assoziationen zu einem Sarg aufkommen lassen, die k\u00fchle, granitfarbene Kulisse erinnert auf abstrakt-symbolischer Ebene an ein Mausoleum. \u00dcberhaupt scheint der Geist des ermordeten Hectors quasi als f\u00fcnfter Protagonist allgegenw\u00e4rtig, obschon die Handlung erst nach seinem gewaltsamen Ableben einsetzt. Die Kost\u00fcme sind schlicht gehalten, in Graut\u00f6nen, nur die Witwe tr\u00e4gt schwarz. Das symbolgeladen B\u00fchnenbild wird durch kleine Details \u2013 aus der griechischen Geschichte \u2013 konsolidiert, sei es durch ein Trojanisches Pferd in Spielzeugformat, als es um den Niedergang Trojas geht, oder durch eine Hochzeitstorte und Schleier, als Pyrrhus Hermione die ewige Treue schw\u00f6rt. Wenn Andromaque am Grabe Hectors zu ergr\u00fcnden sucht, ob sie, um ihren Sohn zu retten, Pyrrhus ehelichen soll, liegt Hectors Leiche auf der zentralen Bahre \u2013 womit sich die Assoziationen best\u00e4tigen. Der allgegenw\u00e4rtige Schatten Hectors scheint erst mit der T\u00f6tung Pyrrhus\u2019 die letzte Ruhe zu finden und l\u00f6st sich sprichw\u00f6rtlich in Luft auf. Begleitet werde die Szenen von Statisten, die, ganz ihrer pantomimischen Rolle entsprechend, schwarz gekleidet und mit wei\u00df geschminktem Gesicht auftreten, und sowohl die Vorg\u00e4nge als auch Gem\u00fctsbewegungen versinnbildlichen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Da die Inszenierung auf gro\u00dfe Gesten verzichtet, reduziert sich die Oper auf das Wesentliche, was ihr in keiner Weise zum Nachteil gereicht. Prachtvoll entfaltet sich die Musik Gr\u00e9trys unter der umsichtigen Leitung des Dirigenten <strong>Herv\u00e9<\/strong> <strong>Niquet<\/strong>. Distinguiert spielt das Ensemble <strong>Le Concert Spirituel<\/strong> auf, interpretiert nuanciert die Dramatik der Handlung und pr\u00e4sentiert stilsicher die barocker Musik auf seinen historisch-authentischen Instrumenten. Aus Platzmangel in den Orchestergraben verbannt, zeigt das <strong>SWR Vokalensemble Stuttgart, <\/strong>das den Chorpart \u00fcbernommen, eine Glanzleistung. <strong>Judith van Wanroij<\/strong> (Andromaque) gl\u00e4nzt in der, eher lyrisch angelegten Titelrolle, dank ihres prachtvollen, edlen Soprans und stilvoller Phrasierungen. Ihre Gegenspielerin <strong>Maria-Riccarda Wesseling<\/strong> (Hermione), besticht mit einem samtig-eleganten, dennoch ausdrucksm\u00e4chtigen Mezzosopran und interpretiert ihren Part mit viel Sinn f\u00fcr Nuancen und Dramatik. <strong>Tassis<\/strong> <strong>Christoyannis<\/strong> als Oreste, besitzt einen charaktervollen Bariton mit einem galanten Timbre. Eindrucksvoll stellt er den von gro\u00dfer Liebe Verschm\u00e4hten dar und verf\u00e4llt gesanglich imponierend dem Wahnsinn. Besonders beeindruckend war die Leistung des jungen Tenors <strong>S\u00e9bastien<\/strong> <strong>Gu\u00e8ze<\/strong> (Pyrrhus), dessen angenehm-ansprechend, schlanker Tenor, von wundervoller Vielseitigkeit und Intensit\u00e4t zeugt. So gibt er nicht nur den z\u00e4rtlichen Liebenden authentisch, sondern strotzt auch kraftvoll und impulsiv vor Leidenschaft. Sein Name sollte man sich unbedingt merken<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Der Abend war ein gelungener Auftakt der Schwetzinger SWR Festspiele 2010, mit einer \u2013 sehr zu Unrecht \u2013 wenig bekannten und kaum gespielten Oper. Die Akteure boten ein rasantes, kurzweiliges Musikvergn\u00fcgen, was mit Bravorufe und uneingeschr\u00e4nktem Applaus belohnt wurde.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Martina Pipprich<br \/>\nDas Bild zeigt v.l.n.r.: S\u00e9bastien Gu\u00e8ze, Statisten, Tassis Christoyannis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andr\u00e9-Ernest-Modeste Gr\u00e9try (1741-1813), Trag\u00e9die lyrique in drei Akten, Libretto: Louis-Guillaume Pitra, nach Jean Racines gleichnamiger Trag\u00f6die nach der\u00a0 Vorlage von Vergils Aeneis Regie\/Licht: Georges Lavaudant, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Jean-Pierre Vergier, Choreinstudierung: Denis Comtet Dirigent: Herv\u00e9 Niquet, Le Concert Spirituel und das<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1600\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,139],"tags":[],"class_list":["post-1600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-schwetzinger-swr-festspiele"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1600"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1661,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1600\/revisions\/1661"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}