{"id":1595,"date":"2010-04-13T21:12:18","date_gmt":"2010-04-13T20:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1595"},"modified":"2010-04-17T21:17:29","modified_gmt":"2010-04-17T20:17:29","slug":"proserpina-wuppertal-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1595","title":{"rendered":"PROSERPINA &#8211; Wuppertal, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Rihm (1952), Monodram in einem Akt nach Johann Wolfgang von Goethe, UA: 2. Mai 2009, Schwetzinger Festspiele<br \/>\nRegie: Hans Neuenfels, Regiemitarbeit: Beate Baron, B\u00fchne: Gisbert J\u00e4kel, Kost\u00fcme: Elina Schnizler,<br \/>\nDirigent: Florian Frannek, Sinfonieorchester Wuppertal, Damen des Opernchores der Wuppertaler B\u00fchnen, Choreinstudierung: Jens Bingert<br \/>\nSolisten: Elena Fink (Proserpina), Christian Natter (Atropos, Pluto), Andreas J\u00e4hnert (Klotho), Sascha J\u00e4hnert (Lachesis)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 11. April 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Wuppertal-Proserpina.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1596\" title=\"Wuppertal-Proserpina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Wuppertal-Proserpina.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Wuppertal-Proserpina.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Wuppertal-Proserpina-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Die nichts ahnende Proserpina wird von Pluto in die Unterwelt entf\u00fchrt. Dort durchlebt sie Erinnerungen an verschiedene Stationen in ihrem Leben: Jugend, Mutter und Vater. Auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Verzweiflung entdeckt sie einen Paradiesapfel. Durch den Bi\u00df in den Apfel besiegelt sie unwissend ihr Schicksal: Sie darf die Unterwelt nicht mehr verlassen und ist nun die neue K\u00f6nigin der Parzen, die ihr huldigen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Hans Neuenfels plaziert das Geschehen in der Unterwelt in einen Raum, der zeitlos-klassisch eingerichtet ist. Vier Schiebew\u00e4nde sorgen f\u00fcr M\u00f6glichkeiten der r\u00e4umlichen Umgestaltung. Zudem werden einige Gegenst\u00e4nde im Laufe der Oper auf die B\u00fchne gebracht, die auf den ersten Blick keinen Sinnzusammenhang ergeben, wie z.B. ein gigantischer St\u00f6ckelschuh, eine riesige Fledermausattrappe oder ein gyn\u00e4kologischer Untersuchungsstuhl. Lediglich nach dem ersten Sinnabschnitt der Oper wird f\u00fcr kurze Zeit die B\u00fchne durch eine Wand verschlossen, die nur ein kleines Fenster freil\u00e4\u00dft. Die Kost\u00fcme sind hingegen zeitgen\u00f6ssisch gestaltet, wobei zu Teilen auch groteske Utensilien verwendet werden wie ein Topf als Hut. In dieser Kulisse inszeniert der Regisseur Proserpina als Stellvertreterin f\u00fcr alle unterjochten Frauen. Doch diese Proserpina akzeptiert ihr Leid nicht einfach, sondern lehnt sich dagegen auf. Zu diesem Zwecke werden drei m\u00e4nnliche Personen in die Handlung integriert. Zur Verdeutlichung dieser Zusammenh\u00e4nge greift Neuenfels zeitweise zu sehr drastischen Darstellungen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Die etwa siebzigmin\u00fctige Solopartie verlangt <strong>Elena Fink<\/strong> (Proserpina) alles ab. Ohne Pause mu\u00df sie komplexeste Melodien mit \u00fcber vier Oktaven Umfang vortragen und zwischen den verschiedenen Stimmregistern wechseln. Dabei scheint ihr an Ausdrucksnuancen von trauriger Klage bis zu harscher Auflehnung alles zu gelingen. Da\u00df die stimmliche Forcierung, die ein Gang oder Sprung in die H\u00f6he n\u00f6tig macht, ihr vereinzelt vielleicht ein wenig zu stark ger\u00e4t, kann den guten Gesamteindruck nicht tr\u00fcben. Eine beeindruckende Leistung! Das begleitende <strong>Wuppertaler Sinfonieorchester<\/strong> unter der Leitung von <strong>Florian Frannek <\/strong>pr\u00e4sentiert sich als zur\u00fcckhaltender Begleiter, der den Ausdruck der Solopartie um zahlreiche Nuancen erweitert und vertieft. Bei den verschiedenen Klangfarben, die aus dem Orchestergraben zu h\u00f6ren sind, wird eine Entwicklung deutlich. Besonders das Schlagwerk hat viel zu leisten und pr\u00e4sentiert auch vertrackte Rhythmen stets mit Pr\u00e4zision. Rihms neueste Opernproduktion ist ein Werk, welches mit den musikalischen Traditionen vorheriger Jahrhunderte spielt. Es erklingt z.B. ein Zitat aus Mozarts <em>Zauberfl\u00f6te<\/em>, ein St\u00fcck aus der Arie der K\u00f6nigin der Nacht. Generell wirkt die Komposition, auch durch das Spiel mit musikalischen Formen vergangener Epochen, traditioneller als fr\u00fchere Werke Rihms. Auch die drei Schauspieler <strong>Andreas J\u00e4hnert <\/strong>(Klotho), <strong>Sascha J\u00e4hnert <\/strong>(Lachesis) und <strong>Christian Natter <\/strong>(Atropos, Pluto) wu\u00dften zu gefallen mit ihrer B\u00fchnenpr\u00e4senz. Leider war in einigen Situationen jedoch auch nicht zu erkennen, wieso die Schauspieler eine bestimmte Aktion durchf\u00fchren: Das minutenlange Dauerzucken auf Krankenliegen war zwar beeindruckend anzusehen, eine Funktion innerhalb des St\u00fcckes war jedoch nicht zu erkennen.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Eine verst\u00f6rend wirkende Co-Produktion der Wuppertaler B\u00fchnen mit den Schwetzinger Festspielen. Musik und Schauspiel kamen gut an, doch schied sich die Publikumsmeinung an der Inszenierung: W\u00e4hrend einige Besucher das Opernhaus bereits w\u00e4hrend der Vorf\u00fchrung verlie\u00dfen, gab es nach dem Schlu\u00df der Oper viel Applaus, auch f\u00fcr die Regie. Es ist wohl eine Frage des Geschmacks, ob einem diese Produktion gefallen wird oder nicht: Permanentes Lecken von Damenschuhen und eindeutige sexuelle Anspielungen sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Schade, da so die Musik ein wenig aus dem Fokus ger\u00e4t. Dennoch musikalisch eine \u00fcberaus gelungene Produktion, die deshalb besonders Freunden der zeitgen\u00f6ssischen Musik ans Herz gelegt sei.<\/p>\n<p>Malte Wasem<\/p>\n<p>Bild: Stratmann<br \/>\nDas Bild zeigt: Proserpina (Elena Fink) findet keine Erl\u00f6sung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Rihm (1952), Monodram in einem Akt nach Johann Wolfgang von Goethe, UA: 2. 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