{"id":159,"date":"2008-01-21T23:28:30","date_gmt":"2008-01-21T21:28:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=159"},"modified":"2008-02-18T20:07:37","modified_gmt":"2008-02-18T18:07:37","slug":"bonn-opernhaus-die-tote-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=159","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; DIE TOTE STADT"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern; Libretto: Komponist und Paul Schott, Pseudonym Julius Leopold Korngold, Vater des Komponisten, nach Georges R.C. Rodenbachs Roman Bruges-la-Morte (1892), umgearbeitet  als Drama Le Mirage (1897) umgearbeitet wurde, deutsch Die stille Stadt von Siegfried Trebitsch (1902)<br \/>\nUA 4. Dezember 1920 K\u00f6ln und Hamburg.<br \/>\nRegie: Klaus Weise, B\u00fchne: Martin Kukulies, Kost\u00fcme: Fred Fenner<br \/>\nDirigent: Erich W\u00e4chter, Beethoven Orchester Bonn. Chor (Einstudierung): Sibylle Wagner\/Ekaterina Klewitz Choreographie: Karel Vanek<br \/>\nSolisten: Janez Lotric (Paul), Morenike Fadayomi (Marietta\/Marie), Aris Argiris (Frank\/Fritz), Vera Baniewicz (Haush\u00e4lterin), Julia Kamenik (Juliette), Marianne Freiburg (Lucienne), Mark Rosenthal (Victorin, Regisseur\/Stimme des Gaston), Johannes Mertes (Graf Albert), Karel Vanek (Gaston). Statisterie.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 19. Januar 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/die-tote-stadt.jpg\" TITLE=\"die-tote-stadt.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/die-tote-stadt.jpg\" ALT=\"die-tote-stadt.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a><br \/>\nIn der \u201eToten Stadt\u201c Br\u00fcgge \u2013 der Handelshafen ist versandet \u2013 lebt Paul zur\u00fcckgezogen nach dem Tod seiner Frau Marie. Unversehens begegnet er der T\u00e4nzerin Marietta (die kleine Marie!), die eine auffallende \u00c4hnlichkeit mit Pauls verstorbener Frau hat. Auf Maries Laute begleitet sich Marietta beim ber\u00fchmten Lied Gl\u00fcck, das mir verblieb und durch ihren verf\u00fchrerischen Tanz verschwimmen f\u00fcr Paul Wirklichkeit und Traum zu einer Vision.<br \/>\nAm Abend verl\u00e4\u00dft Marietta, von Liebhabern umschw\u00e4rmt, das Theater und alle spielen parodierend das Ballett der von den Toten auferstehenden s\u00fcndigen Nonnen aus Giacomo Meyerbeers Oper Robert, le Diable. Paul beobachtet die Szene aus seinem Versteck, springt pl\u00f6tzlich hervor und beschuldigt Marietta der Gottlosigkeit. Marietta folgt Paul in sein Haus zum Kampf gegen den geisterhaften Schatten der toten Marie.<br \/>\nAm Morgen w\u00e4hnt sich Marietta als Siegerin \u00fcber die tote Rivalin. Aber Paul versinkt wieder in Erinnerung an Marie. Die w\u00fctende Marietta tanzt aufreizend mit einer \u201eReliquie\u201c, einer Haarflechte der verstorbenen Marie, mit der Paul sie dann in h\u00f6chster Erregung erdrosselt. Paul erwacht aus seiner Vision und will ein neues Leben beginnen.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas B\u00fchnenbild, ein moderner, allein durch die Figuren und einen riesigen Altar mit Vitrine belebter Raum, stellt von vorneherein klar, da\u00df Klaus Weise den Stoff, der im Libretto an die Stadt Br\u00fcgge, ihre religi\u00f6se, kulturelle und bedeutende Position in der Renaissance gebundenen ist, abstrahiert. Die ganze Inszenierung wird zur Innenschau des Protagonisten, so, als ob Brittens Death in Venice (Tod in Venedig) nicht mehr in Venedig spielen d\u00fcrfte.<br \/>\nPauls Geschichte wird aus der psychoanalytischen Perspektive Sigmund Freuds, als eine zwischen Wirklichkeit und Traum schwebende Episode erz\u00e4hlt. F\u00fcr die Entstehungszeit der Oper ist das plausibel. Dennoch ist man irritiert, wenn von Br\u00fcgge, den Patriziern in ihren brokatbesetzten Gew\u00e4ndern, von Bildern der Renaissance, von Memling und van Eyck gesungen wird, was Dank der \u00dcbertitel gut verst\u00e4ndlich ist, dann aber auf der B\u00fchne abstrakte Fl\u00e4chen oder schlicht uniformierte Choristen sind.<br \/>\nVon der Pracht Br\u00fcgges, etwa dem Ursulaaltar, bekommt man nichts zu sehen. Daneben wirken die bl\u00fchenden Farben der an Richard Strauss und Gustav Mahler erinnernden Orchesterpartitur, also die musikalische Vorgabe, aufpeitschend und gl\u00fchend.<br \/>\nWarum jedoch dann die Laute, die in der Atmosph\u00e4re des Bauhausstils wie ein archaisches Relikt anmutet? Kurz: die auf der B\u00fchne dargestellten Bilder und die von Korngold schillernd umgesetzte Musik klaffen auseinander. Oft stehen die S\u00e4nger \u2013 vor allem Paul &#8211; unmotiviert, laufen im Kreis oder sitzen.<br \/>\nDie Kost\u00fcme und Frisuren sind im Stil der Entstehungszeit, also der 20er Jahre, gehalten. Die gut umgesetzten, bewegten Bilder (Video), am Altar f\u00fcr Marie und der sich raffiniert auftuenden Projektionsfl\u00e4che (wie eine Grabplatte), erinnern an die Karriere Korngolds als bedeutender Filmkomponist in Hollywood. Das gruselige Motto aus Meyerbeers Robert der Teufel kommt dieser filmischen Komponente entgegen. Die geometrischen Tanzkost\u00fcme der gut in Szene gebrachten Tanztruppe erinnern an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett (um 1920) und setzten die Dopplung der Marie, des Freundes, nicht zuletzt der von Pauls eigener Psyche, plausibel fort.<br \/>\nGelungen ist die in den Abgrund f\u00fchrende verspiegelte Hinterb\u00fchne, die Grenzen flie\u00dfend werden l\u00e4\u00dft. Ganz im Sinne des Endes: Ein Traum hat meinen Traum zerst\u00f6rt.  Denn die Wirklichkeit hat Paul wieder, als Marietta zur\u00fcckkommt, um ihren vergessenen Schirm und ihre Rosen zu holen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIm Orchester gl\u00e4nzen vor allem die Bl\u00e4ser und die Harfe als Lautenersatz. Die facettenreiche Musik \u00fcbt, trotz der anfangs zu gro\u00dfen Lautst\u00e4rke, gegen\u00fcber den S\u00e4ngern Sogwirkung aus. <strong>Janez Lotric<\/strong> (Paul) ist ein stimmsicherer Tenor, wenn auch als Darsteller etwas statisch. <strong>Morenike Fadayomi<\/strong> (Marietta\/Marie) eine zun\u00e4chst vom Orchester \u00fcbert\u00f6nte, dann jedoch im Lautenlied gl\u00e4nzende und in den w\u00fctenden Ausbr\u00fcchen sich stimmlich steigernde Sopranistin, die t\u00e4nzerisch und als Darstellerin \u00fcberzeugte.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDas Ensemble bot eine solide Leistung. Wegen der musikalischen Darbietung empfehlenswert, die allerdings im Kontrast zur ausgen\u00fcchterten Inszenierung steht.<\/p>\n<p>Felicitas Zink\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0                                                                    Bild:Thilo Beu, Theaterfotograf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern; Libretto: Komponist und Paul Schott, Pseudonym Julius Leopold Korngold, Vater des Komponisten, nach Georges R.C. 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