{"id":1565,"date":"2010-04-02T20:51:26","date_gmt":"2010-04-02T19:51:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1565"},"modified":"2010-04-13T21:00:07","modified_gmt":"2010-04-13T20:00:07","slug":"parsifal-stuttgart-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1565","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Stuttgart, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Text vom Komponisten, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882, Bayreuth<br \/>\nRegie: Calixto Bieito, B\u00fchnenbild: Susanne Gschwender<br \/>\nDirigent: Manfred Honeck, Staatsorchester Stuttgart, Staatsopernchor, Extrachor und Kinderchor der Staatsoper<br \/>\nSolisten: Gregg Baker (Amfortas), Matthias H\u00f6lle (Titurel), Stephen Milling (Gurnemanz), Andrew Richards (Parsifal), Claudio Otelli (Klingsor), Christiane Iven (Kundry), Tina H\u00f6rhold (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 28. M\u00e4rz 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Stuttgart-Parsifal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1566\" title=\"Stuttgart-Parsifal\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Stuttgart-Parsifal.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Stuttgart-Parsifal.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Stuttgart-Parsifal-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>K\u00f6nig Amfortas leidet unter einer nicht heilenden Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Seine Genesung ist nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer m\u00f6glich, doch dies kann nur \u201eein reiner Tor\u201c vollbringen. Da taucht Parsifal auf. Gurnemanz h\u00e4lt ihn f\u00fcr den \u201ereinen Toren\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht glaubt, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht im Zaubergarten halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zur Gralsburg. Dort fordern die Ritter von Amfortas, den Gral zu enth\u00fcllen. Doch dieser weigert sich und will, seiner Leiden \u00fcberdr\u00fcssig, lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Angesiedelt ist das Geschehen im Einheitsb\u00fchnenbild einer einst\u00fcrzenden Autobahnbr\u00fccke in einem abgestorbenen Wald. W\u00e4hrend des Vorspieles wird die radioaktive Strahlung einer Wasserlache durch eine nackte Schwangere und einen Techniker im Schutzanzug untersucht. Zu dieser Endzeitstimmung passen auch die degenerierten, debilen Handlungsweisen aller Beteiligten: Die verwahrlosten Gralsritter treten mit Atemschutzmaske (ohne Filter) auf. Die Blumenm\u00e4dchen tragen Pelzm\u00e4ntel und darunter Plastikfolie und Klebestreifen, aus ihrem Mund tropft Blut. Kundry schl\u00fcpft auf offener B\u00fchne in ein besonders unvorteilhaftes Kleidchen und schneidet sich die Zunge ab, nachdem sie Parsifal zuerst die Brust gegeben und ihn hinterher verpr\u00fcgelt hat. Den Speer entwindet Parsifal nicht Klingsor, sondern bricht ihn aus der br\u00f6ckelnden Armierung der Br\u00fccke. Anstelle einer Gralsenth\u00fcllung darf jeder Teilnehmer in eine gro\u00dfe T\u00fcte greifen und ein religi\u00f6ses Symbol herausziehen. Parsifals Designerrobe wird mit solchen Symbolen beh\u00e4ngt, unter dem Gel\u00e4chter des Publikums auch mit einer Wagnerb\u00fcste. In einer Badewanne wird der nackte Parsifal dann weggetragen. Auch der mit dem Rohr geheilte Amfortas und der wiederbelebte Titurel gehen hinten links ab. Dem schlie\u00dfen sich alle anderen an und lassen eine leere B\u00fchne zur\u00fcck, nur Kundry st\u00e4rkt sich mit dem Inhalt einer Konservendose.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Musikalisch ist die Produktion herausragend besetzt, mit <strong>Gregg Baker<\/strong> als durchschlagsstarken Amfortas und mit <strong>Stephen Milling<\/strong>, der die Partie des Gurnemanz differenziert zwischen Pianissimo und Fortissimo gestalten kann. Darauf mu\u00df man bei <strong>Andrew Richards<\/strong> Parsifal leider verzichten, da er zwar \u00fcber ein baritonal gef\u00e4rbtes Stimmmaterial verf\u00fcgt, jedoch technische Probleme gerade in den hohen Lagen hat, wo er ins Falsett ausweicht. Als Kundry bem\u00fcht sich <strong>Christiane Iven<\/strong> um deutliche Aussprache, bleibt aber im zweiten Akt unerotisch farblos und setzt in den H\u00f6hen zuviel Kraft ein. Viel \u00fcberzeugender sind dagegen die kleinen Partien besetzt, besonders <strong>Tina H\u00f6rholds<\/strong> Stimme aus der H\u00f6he und <strong>Claudio Otellis<\/strong> vollt\u00f6nender Klingsor. <strong>Manfred Honneck<\/strong> f\u00fchrt ein musikalisches Weihfestspiel vor: Wie bei Boulez hat man das Gef\u00fchl von epischer Breite, obwohl er schnelles Tempo anschl\u00e4gt. Absolute H\u00f6hepunkte sind die Verwandlungsmusiken, die Chorszenen und die Blumenm\u00e4dchen, wenigstens musikalisch bet\u00f6rend sch\u00f6n.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Statt der in den Vorberichten angek\u00fcndigten radikalen Neudeutung (oder dem vielleicht sogar erhofften Theaterskandal) gab es nur teils altbekannte, teils nichtssagende Assoziationen von seiten der Regie zu sehen. Selbst Wagnerianer konnten mit der Endzeitstimmung, den Zwangshandlungen der Personen, den nichtssagenden Nudit\u00e4ten und den Regieantworten auf Wagners pseudo-religi\u00f6sen Fragen nichts anfangen. Dazu gab es Anspielungen auf den derzeit in den Medien behandelten Mi\u00dfbrauchskandal in der katholischen Kirche. Das Ergebnis der Produktion spricht f\u00fcr sich: Donnernder Schlu\u00df-Applaus f\u00fcr die Solisten, besonders Gregg Baker, Andrew Richards und Manfred Honeck. Die Abrechnung mit Calixto Bieito fiel danach entsprechend deutlich aus.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Martin Sigmund<br \/>\nDas Bild zeigt: Ist der grinsende Parsifal (Andrew Richards) der reine Tor, oder warum sucht er Gott ausgerechnet hier?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Text vom Komponisten, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882, Bayreuth Regie: Calixto Bieito, B\u00fchnenbild: Susanne Gschwender Dirigent: Manfred Honeck, Staatsorchester Stuttgart, Staatsopernchor, Extrachor und Kinderchor der Staatsoper Solisten: Gregg Baker (Amfortas), Matthias H\u00f6lle (Titurel), Stephen Milling<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1565\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,6],"tags":[],"class_list":["post-1565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-stuttgart-staatsoper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1565"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1568,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions\/1568"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}