{"id":1543,"date":"2010-04-12T20:54:29","date_gmt":"2010-04-12T19:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1543"},"modified":"2010-04-12T21:09:20","modified_gmt":"2010-04-12T20:09:20","slug":"la-boheme-chemnitz-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1543","title":{"rendered":"LA BOH\u00c8ME &#8211; Chemnitz, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen aus Henri Murgers <em>La vie de Boh\u00e8me<\/em> in 4 Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa u. Luigi Illica nach <em>Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me <\/em>von Henri Murger; UA: 1. Februar 1896 , Turin<br \/>\nRegie: Dietrich Hilsdorf, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Renate Schmitzer<br \/>\nDirigent: Frank Beermann, Robert-Schumann-Philharmonie. Chor und Kinderchor der Oper Chemnitz<br \/>\nSolisten: Luis Olivares Sandoval (Rodolfo), Julian Orlishausen (Marcello), Judith Kuhn (Mim\u00ec), Julia Bauer (Musetta), Kouta R\u00e4s\u00e4nen (Colline), Andreas Kindschuh (Schaunard), Nikolai Miassojedov (Beno\u00eet) u. a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 11. April 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Chemnitz-La-Boheme.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1544\" title=\"Chemnitz-La-Boheme\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Chemnitz-La-Boheme.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Chemnitz-La-Boheme.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/Chemnitz-La-Boheme-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Die K\u00fcnstler Rodolfo, Marcello, Colline und Schaunard bewohnen zusammen eine Dachkammer im Pariser K\u00fcnstlerviertel Quartier Latin. Am Weihnachtsabend begegnen sich in dieser K\u00fcnstlerbude Rodolfo und die kranke Mim\u00ec, die als Hausmitbewohnerin um Kerzenfeuer bittet. Rodolfo und Mim\u00ec verlieben sich ineinander, w\u00e4hrend Marcello in Eifersucht rast, da sich seine alte Liebe Musetta vom Hauswirt aushalten l\u00e4\u00dft. Die Wut w\u00e4hrt nur kurz, da Marcello und Musetta wieder zusammen kommen. An einem sp\u00e4teren Wintertag sucht Mim\u00ec den Rat Marcellos, da Rodolfo sie scheinbar aus Eifersucht verst\u00f6\u00dft. Als Rodolfo seinem Freund erz\u00e4hlt, er t\u00e4usche die Eifersucht lediglich vor, aus Angst vor Mim\u00ecs Krankheit und aus Angst, ihr nicht helfen zu k\u00f6nnen, h\u00f6rt Mim\u00ec heimlich zu. Daraufhin besucht Mim\u00ec Rodolfo ein letztes Mal und stirbt in seiner Wohnung.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Das B\u00fchnenbild f\u00e4ngt das Ambiente der Pariser Boh\u00e8miens mit K\u00fcnstlerwohnung, dem Quartier Latin und dem Caf\u00e9 Momus-Vorplatz in einem gemeinsam genutzten B\u00fchnenaufbau ein, der podestartig erh\u00f6ht, eine Wohnung im Stil des 19. Jh. wiedergibt, welche vom vorgelagertem Stra\u00dfenambiente mit Kopfsteinpflaster, Rolltor und Caf\u00e9-Pendelt\u00fcr umrahmt wird. Der Einsatz geschickter Ausleuchtung, dichten Nebels und heruntertropfenden Wassers im ersten Bild erzeugt ein klaustrophobisch dichtes Ambiente der kalten K\u00fcnstlerwohnung, so, wie die bunten Kost\u00fcme der Darsteller in den Stra\u00dfenszenen, etwa im zweiten Bild, dazu kontrastreiche, lebendige Farbtupfer setzen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Tenor <strong>Luis Olivares Sandoval<\/strong> gestaltet seinen Rodolfo mit \u00fcberzeugend gespielter innerer Zerrissenheit. Sein <em>Che gelida manina \u2013 Wie eiskalt ist dies H\u00e4ndchen<\/em> wird von seiner geschmeidigen, dunkel satinierten Stimme von den lyrischen Seufzern bis zu den Passagen kraftvollen Ausdrucks mit veritabler Stimmnuancierung getragen. <strong>Judith Kuhn<\/strong> (Mim\u00ec) gl\u00e4nzt mit strahlend frischer Sopranstimme im <em>Mi chiamano Mim\u00ec \u2013 Sie nennen mich Mim\u00ec<\/em>, wobei selbst die H\u00f6hen ihrer Partie in unverbrauchter Leuchtkraft mit getragener Leichtigkeit erbl\u00fchen. Besonderen Ausdruck verleihen <strong>Luis Olivares Sandoval <\/strong>und <strong>Judith Kuhn<\/strong> ihren Rollen im Zusammenspiel, wobei ihr Stimmgestus aufw\u00fchlend dramatische Untiefen im Seelenleben ihrer Figuren auskostet. Der Marcello von <strong>Julian Orlishausen<\/strong> wird mit gekonnter Phrasierung des schlanken Baritons in warme Stimmschattierungen gebettet, die auch in den dramatischen Passagen eine impulsiv druckvolle Stimmf\u00fchrung mit klarem Duktus nicht vermissen l\u00e4\u00dft. <strong>Julia Bauer<\/strong> lotet ihre Rolle mit ihrem wendig jungen Sopran aus, der in heller Linienf\u00fchrung eine k\u00fchn frivole Musetta zeichnet, wie etwa im <em>Quando men vo \u2013 Geh ich allein<\/em> im zweiten Bild. <strong>Kouta R\u00e4s\u00e4nen<\/strong> (Colline) kann wieder einmal durch seinen schlanken Ba\u00df, den er jedoch mit satten Erdt\u00f6nen zu f\u00fcllen wei\u00df, seiner Rolle lebhaften Ausdruck verleihen. Auch die Baritonstimme von <strong>Andreas Kindschuh<\/strong> \u00fcberzeugt einmal mehr durch die farbenreiche Frische agiler Stimmf\u00fchrung. Bariton <strong>Nikolai Miassojedov<\/strong> gibt mit satter Tiefendynamik einen darstellerisch k\u00f6stlich interpretierten Beno\u00eet, der seinen H\u00f6hepunkt im zweiten Bild als geprellter Liebhaber hat. Die <strong>Robert-Schumann-Philharmonie<\/strong> unter <strong>Frank Beermann<\/strong> spielt leidenschaftlich, will jedoch in Passagen h\u00f6chster Dramatik etwas zu viel. Durch die \u00dcberbetonung klanglicher Impulsivit\u00e4t und Lautst\u00e4rke m\u00fcssen in den dramatischen Passagen und Massenszenen die Solisten bisweilen gegen das Orchester ank\u00e4mpfen, um noch differenziert wahrgenommen zu werden. <strong>Chor und Kinderchor der Oper Chemnitz<\/strong> sind stimmlich und einsatzm\u00e4\u00dfig trefflich eingestellt.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Eine gef\u00fchlvolle Inszenierung, die durch die handlungsbezogene, detailreiche Ausstattung Luft zum Atmen f\u00fcr das St\u00fcck und deren Darsteller l\u00e4\u00dft und gleichzeitig auf die szenischen Grundbed\u00fcrfnisse des Werkes nach bedr\u00fcckend klammer Enge, fl\u00fcchtigem Gleichmut und menschlich warmer N\u00e4he in kalter Umwelt eingeht. Mit den engagierten s\u00e4ngerischen und schauspielerischen Leistungen der Darsteller wird das Treiben der Boh\u00e8miens in dieser Kulisse gro\u00dfartig zum Leben erweckt.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Dieter Wuschanski<br \/>\nDas Bild zeigt: Luis Olivares Sandoval (Rodolfo), Judith Kuhn (Mimi), Nikolai Miassojedov (Beno\u00eet), Julia Bauer (Musetta), Julian Orlishausen (Marcello) (v.l.n.r.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen aus Henri Murgers La vie de Boh\u00e8me in 4 Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa u. Luigi Illica nach Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me von Henri Murger; UA: 1. 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