{"id":150,"date":"2008-01-02T19:31:54","date_gmt":"2008-01-02T17:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/operapoint.com\/blog\/?p=150"},"modified":"2008-02-18T20:09:21","modified_gmt":"2008-02-18T18:09:21","slug":"deutsche-oper-berlin-tiefland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=150","title":{"rendered":"Deutsche Oper Berlin &#8211; TIEFLAND"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Eugen d\u2019Albert (1864-1932), Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufz\u00fcgen (zweite Fassung), Libretto von Rudolph Lothar (1865-1943), nach Angel Guimeras katalanischem Schauspiel Terra Baixa, UA: 16. Januar 1905, Stadttheater Magdeburg<br \/>\nRegie: Roland Schwab, B\u00fchne: Hans Dieter Schaal, Kost\u00fcme: Ren\u00e9e Listerdal<br \/>\nDramaturgie: Katharina John<br \/>\nDirigent: Yves Abel, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: William Spaulding<br \/>\nSolisten: Egils Silins (Sebastiano), Magnus Baldvinsson (Tommaso), Simon Pauly (Moruccio), Nadja Michael (Marta), Ditte Andersen (Pepa), Andion Fernandez (Antonia), Nicole Piccolomini (Rosalia), Jacquelyn Wagner (Nuri), Torsten Kerl (Pedro), Paul Kaufmann (Nando), Andrey Malyuk (Eine Stimme)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 8. Dezember 2007 (Premiere: 30. November 2007)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<img ALIGN=\"right\" TITLE=\"Tiefland\" ALT=\"Tiefland\" SRC=\"http:\/\/operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/Tiefland.jpg\" \/>Der Schafhirt Pedro ist zufrieden, nur eins fehlt ihm eine Frau, um die er Gott t\u00e4glich bittet. Pedro kann sein Gl\u00fcck kaum fassen, als der Gutsherr Sebastiano ihm die Hand der sch\u00f6nen jungen M\u00fcllerin Marta anbietet. Doch nach der Hochzeit erkennt Pedro den Grund: Marta soll f\u00fcr den Gutsherr stets verf\u00fcgbar sein. Sebastiano mu\u00df sich von seiner Geliebten trennen, da am Rande eines finanziellen Bankrotts die Ehe mit einer reichen Erbin eingehen mu\u00df. Doch er hat sich in dem scheinbar einf\u00e4ltigen Pedro get\u00e4uscht.<br \/>\nMarta beginnt, Pedros Gef\u00fchle zu erwidern, als sie begreift, da\u00df Pedro nicht Sebastianos Komplize ist. Und als Sebastiano Marta weiter bedr\u00e4ngt, kommt es zum Kampf Mann gegen Mann, wobei Pedro Sebastiano erw\u00fcrgt. Marta und Pedro gehen einer neuen Zukunft entgegen: Hinauf in meine Berge, hinauf zu Licht und Freiheit!<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEs ist einsam in den Bergen. Die B\u00fchne ist wei\u00df und leer. Eine steil ansteigende wei\u00dfe Leinwand begrenzt den Raum als Hintergrund. Wer hinauf will ins Gebirge, muss sich an einem Seil an dieser Steilwand hinauf ziehen.<br \/>\nSp\u00e4ter im Tal, im \u201eTiefland\u201c, schieben sich von den Seiten abstrakt verschachtelte, wei\u00dfe Architekturteile in den Blick. Die B\u00fchne erinnert jetzt an Caspar David Friedrichs Gem\u00e4lde Eisw\u00fcste. Der Symbolgehalt ist leicht zu erraten: Auch hier im Tal ist der einzelne einsam, herrscht psychische K\u00e4lte. In dieser eisigen, lebensfeindlichen Kulisse entwickelt sich das Drama um brutal erzwungene Liebe, um Unterdr\u00fcckung und ihre fatalen Folgen f\u00fcr den einzelnen wie auch f\u00fcr die Gemeinschaft. Hier keimt der Widerstand auf. Hier werfen die einen ihre Fesseln ab und verlassen das dumpfe, s\u00fcndige Tiefland, gehen zur\u00fcck in die Berge. Die anderen, die von der Unterdr\u00fcckung deformierte, zerbrochene Masse bleibt zur\u00fcck.<br \/>\nDie Dorfbewohner sind eine schwarzgewandete Herde, die sich eng aneinandergedr\u00e4ngt in dieser wei\u00dfen W\u00fcste, wie Schafe bewegen. Stets liegen sie auf der Lauer, gieren nach Neuigkeiten, l\u00fcstern auf das Mi\u00dfgeschick und Ungl\u00fcck dessen, der nicht zu ihnen geh\u00f6rt, der von au\u00dfen kommt. Getreten, unterdr\u00fcckt, von den Sch\u00e4ferhunden ihres Herrn in Schach gehalten und gebissen, fallen sie dem Guten in den R\u00fccken. W\u00f6lfisch geifernd verkrallen und verbei\u00dfen sie sich in den sie umgebenden Gittern. Dieser K\u00e4fig, engstirnig errichtet aus eigener Mut- und Hoffnungslosigkeit, bietet ihnen Schutz vor dem Fremden, Andersartigen, vor der Welt. In seinem Schutz aber f\u00fchlen sie sich stark.<br \/>\n<strong>Die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nPersonenf\u00fchrung und die Bewegung des Chors sind stets im Einklang mit der Musik und verdienen h\u00f6chstes Lob. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt ausgezeichnet. Unter der hervorragenden Leitung von<strong> Yves Abel<\/strong> entfaltet sich die Musik d\u2019Alberts in voller Sch\u00f6nheit.<br \/>\n<strong>Torsten Kerl<\/strong> als Pedro setzt sich m\u00fchelos gegen Chor und Orchester durch und h\u00e4lt das hohe Niveau w\u00e4hrend der gesamten Oper. Von der Gestik her wirkt er allerdings auch in Wut und Zorn noch zu gutm\u00fctig. <strong>Egils Silins<\/strong> (Sebastiano) stellt den egomanisch menschenverachtenden Gutsherrn physisch und stimmlich \u00fcberzeugend dar und l\u00e4\u00dft die der Rolle gem\u00e4\u00dfe unnachgiebige Gewalt und Bedrohlichkeit sp\u00fcren.<br \/>\n<strong>Nadja Michel<\/strong> hat eine imponierend riesige Stimme. Aber die hochdramatische Partie der Marta scheint sie noch zu \u00fcberfordern. So verliert die Stimme im Forte ihre Sch\u00f6nheit, beh\u00e4lt jedoch weiter eine enorme Expressivit\u00e4t. Frau Michel ist schlank und gutaussehend, kommt aber so spr\u00f6de und unterk\u00fchlt daher, da\u00df ich mich frage, was Sebastiano und Pedro an ihr finden.<br \/>\nDie drei geh\u00e4ssigen alten Weiber: <strong>Ditte Andersen <\/strong>(Pepa), <strong>Andion Fernandez<\/strong> (Antonia) und<strong> Nicole Piccolomini <\/strong>(Rosalia) sind stimmlich und darstellerisch hervorragend. Magnus Baldvinsson als Tommaso und Jacquelyn Wagner als das Kind Nuri mit engelsgleichem, glockenreinem Sopran tragen zum guten Eindruck dieser Auff\u00fchrung bei. Gro\u00dfer Beifall f\u00fcr alle.<br \/>\nFazit: Eine hervorragende, stimmige Inszenierung dieses schwierigen Werks in einem gro\u00dfartigen B\u00fchnenbild, schn\u00f6rkellos, ohne Kitsch und falschem Pathos. Eindrucksvoll werden Menschen gezeigt, die einsam, verh\u00f6hnt, umgeben von K\u00e4lte, ihren Weg gehen. Und Menschen, die, vom Schicksal gedem\u00fctigt und gebrochen, ihrem N\u00e4chsten sein Gl\u00fcck mi\u00dfg\u00f6nnen. Es stimmt alles, Inszenierung, B\u00fchnenbild, Choreographie, Gesang und Orchester. Bravo! Unbedingt sehens- und h\u00f6renswert.<\/p>\n<p>Dr. Rolf J\u00fcrgen Schaffer          \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Marcus Lieber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Eugen d\u2019Albert (1864-1932), Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufz\u00fcgen (zweite Fassung), Libretto von Rudolph Lothar (1865-1943), nach Angel Guimeras katalanischem Schauspiel Terra Baixa, UA: 16. 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