{"id":1438,"date":"2010-03-18T13:47:12","date_gmt":"2010-03-18T12:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1438"},"modified":"2010-03-31T13:57:39","modified_gmt":"2010-03-31T12:57:39","slug":"faust-paris-opera-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1438","title":{"rendered":"FAUST &#8211; Paris, Op\u00e9ra Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Philippe F\u00e9nelon (*1952), Oper in 2 Akten, Libretto: Philippe F\u00e9nelon nach dem Drama von Nikolaus Lenau, UA: 25. Mai 2007, Th\u00e9\u00e2tre du Capitole, Toulouse<br \/>\nRegie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Pet Halmen<br \/>\nDirigent: Bernhard Kontarsky, Orchestre et Choeur de l\u00b4Op\u00e9ra national de Paris<br \/>\nSolisten:<strong> <\/strong>Arnold Bezuyen<strong> <\/strong>(Faust),<strong> <\/strong>Robert Bork<strong> <\/strong>(M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s),<strong> <\/strong>Karolina Andersson<strong> <\/strong>Annette (Annette), Gilles Ragon (Der Mensch, G\u00f6rg)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 17. M\u00e4rz 2010<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Paris-Faust.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1439\" title=\"Paris-Faust\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Paris-Faust.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Paris-Faust.jpg 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Paris-Faust-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Laut Aussage des Komponisten versucht diese zeitgen\u00f6ssische Fassung des Fauststoffes, durch klanglichen Kontrastreichtum wie die Verkn\u00fcpfung von \u201emodernen\u201c Kl\u00e4nge mit anspruchsvollen Intervallkombinationen und barocktypischen Elementen wie der Koloraturtechnik sowie durch dynamisch und technisch \u00fcberaus schroffe und rapide Wechsel die Widerspr\u00fcche des Lebens darzustellen. Statt der bekannten Version Goethes nimmt sich F\u00e9nelon f\u00fcr sein Libretto das 1833 bis 1835 entstandene Drama Nikolaus Lenaus zum literarischen Vorbild, das sprachlich und inhaltlich zwar \u00c4hnlichkeit zur Goethefassung aufweist, sich hinsichtlich der Interpretation von Faust und M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s sowie der Figurenwahl und Figurenzahl jedoch unterscheidet.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong>Faust ist auf der Suche nach der Wahrheit des Lebens, doch bringt ihn nichts den entscheidenden Schritt nach vorn. Verzweifelt \u00fcber seine Ohnmacht beschlie\u00dft er einen Pakt mit M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s, der ihm die Wahrheit im Tausch gegen die Seele verspricht. Faust entdeckt den Zauber der Liebe mit Annette, doch auch die Verg\u00e4nglichkeit der Sinnlichkeit. Eine Nacht beim Schmied kl\u00e4rt ihn \u00fcber die Br\u00fcchigkeit des Ehelebens auf. Zu Besuch beim Herzog ger\u00e4t er mit diesem aneinander, was mit dem Tod des Herzogs endet. Faust begibt sich auf ein Schiff, um durch eine Reise seine Sehnsucht zu bes\u00e4nftigen. Doch macht ein Schiffsbruch alle Hoffnung zunichte. Der Mensch G\u00f6rg zeigt Faust ein anderes Verst\u00e4ndnis der Welt: Der Schl\u00fcssel zum Gl\u00fcck findet sich weder in Erkenntnis noch Wissen, sondern der Akzeptanz der Welt und ihrer Beschaffenheit. Doch die Hilfe kommt zu sp\u00e4t \u2013 Faust entschlie\u00dft sich zum Selbstmord.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>In der Pariser Produktion von F\u00e9nelons Faust bildet das Zentrum B\u00fchne ein \u00fcberlebensgro\u00dfer, wei\u00df leuchtender Totensch\u00e4del, der in Abh\u00e4ngigkeit vom Ort des Handlungsgeschehens seine Funktion und Dekoration ver\u00e4ndert. So dient er in seiner schlichten Reinform im ersten Akt als Seziertisch des Anatomiesaals sowie als Haus des Schmiedes. Dekoriert mit Girlanden stellt er den Tanzplatz der Hochzeitsgesellschaft und schlie\u00dflich, geschm\u00fcckt mit Edelsteinen und Perlen, das herzogliche Gemach dar. Dazu wird ein halbtransparenter B\u00fchnenvorhang mit aufgedrucktem Sternenhimmel eingesetzt. Mit Ausnahme der schwarzen bzw. wei\u00dfen Anz\u00fcge von Faust und M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s richten sich die Kost\u00fcme nach der Dekorationsver\u00e4nderung des Sch\u00e4dels: So ist die gr\u00fcn-blaue Verzierung der Damenkleider bei der Hochzeitsgesellschaft ebenso auf die Girlandendekoration des Totenkopfes abgestimmt wie die aufwendigen, schimmernden Kleider des F\u00fcrstengefolges auf seinen Edelstein\u00fcberzug. Auffallend ist die durchgehend starre, mechanische Bewegungsart der Darsteller des Volkes, Hofstaates und Matrosen, sowie die eine einheitlich bleiche Hautfarbe der Protagonisten, welcher nur der rot geschminkte M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s entbehrt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Das musikalische Zusammenwirken der Solisten mit dem <strong>Orchester der Pariser Nationaloper<\/strong> unter der Leitung von <strong>Bernhard Kontarsky<\/strong> zeichnete sich durch einen einf\u00fchlsamen, dynamisch ausbalancierten Gesamtklang von Chor und Orchester aus. Der vom Orchester und Chor gelieferte Klangteppich bildete eine hervorragende Basis f\u00fcr die maximale stimmliche Entfaltung der S\u00e4nger. Arnold Bezuyen<strong> <\/strong>in der Rolle des<strong> <\/strong>Faust verstand es ebenso wie<strong> Robert Bork <\/strong>(M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s), seinen Gesang mit Transparenz und Farbenreichtum im musikalischen Ausdruck zu versehen, wobei auch die Textverst\u00e4ndlichkeit in keinem Moment der n\u00f6tigen Klarheit und Durchsichtigkeit entbehrte (z.B. in der <em>Verschreibung<\/em> im 2. Bild des 1. Aktes). Unbedingt hervorgehoben werden mu\u00df die Leistung von<strong> Karolina Andersson<\/strong> als Annette, deren Partie im Hinblick auf Ambitus und Intervallkombinationen eine gro\u00dfe Herausforderung ist. Dennoch gelang es ihr, jede der Koloraturen und schwierigen Tonspr\u00fcnge mit Expressivit\u00e4t und einer stabilen Stimme zu meistern, was man besonders im 3. Bild des 1. Aktes <em>Perfido!<\/em> erleben konnte. Und auch Gilles Ragon (Der Mensch G\u00f6rg) \u00fcberzeugte neben Sorgfalt bez\u00fcglich der Textverst\u00e4ndlichkeit mit einer musikalisch facettenreichen Gestaltung, beispielsweise im Dialog mit Faust im 7. Bild des 2. Aktes.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Die Leistung von Solisten, Chor und Orchester wird lobend herausgestellt. Den Musikern gelang es, die hohen musikalischen Anforderungen, die durch die Verbindung der Stilmerkmale und Schwierigkeiten des Barock und der zeitgen\u00f6ssischen Musik entstanden sind und die es zu einem organischen Ganzen zu verkn\u00fcpfen galt, \u00fcberzeugend zu meistern, was das Publikum mit langanhaltendem Applaus belohnte.<\/p>\n<p>Friederike Jurth<\/p>\n<p>Bild: Mirco Magliocca<br \/>\nDas Bild zeigt: Arnold Bezuyen (Faust) und Gregory Reinhart (Le Moine)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Philippe F\u00e9nelon (*1952), Oper in 2 Akten, Libretto: Philippe F\u00e9nelon nach dem Drama von Nikolaus Lenau, UA: 25. 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