{"id":137,"date":"2007-12-09T19:05:45","date_gmt":"2007-12-09T17:05:45","guid":{"rendered":"http:\/\/operapoint.com\/blog\/?p=137"},"modified":"2008-02-18T20:12:04","modified_gmt":"2008-02-18T18:12:04","slug":"teatro-dellopera-di-roma-mose-in-egitto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=137","title":{"rendered":"Teatro dell&#8217;Opera di Roma &#8211; MOS\u00c8 IN EGITTO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Azione tragico-sacra in drei Akten, Libretto: Andrea Leone Tottola<br \/>\nUA: 5. M\u00e4rz 1818, 1. Fassung, 7. M\u00e4rz 1819, 2. Fassung, beide in Neapel, Teatro San Carlo<br \/>\nRegisseur: Marco Spada, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Alessandro Ciammarughi, Licht: Nevio Caviana<br \/>\n(Gemeinsame Inszenierung mit der Opera Monte Carlo. Bei der Auff\u00fchrung wurde die 2. Fassung genommen)<br \/>\nDirigent: Antonino Fogliani, Orchestra e Coro des Teatro dell&#8217;opera (Andrea Giorgi)<br \/>\nSolisten: Michele Pertusi (Faraone), Giorgio Surian (Mos\u00e9), Filippo Adami (Osiride), Anna Rita Taliento (Elcia), Paula Almerares (Amaltea) Francesco Piccoli (Aronne)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 1. Dezember 2007 (Premiere: 27.11.2007)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\n<img ALIGN=\"right\" TITLE=\"Mos\u00e8 in Egitto\" ALT=\"Mos\u00e8 in Egitto\" SRC=\"http:\/\/operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/Mose-in-Egitto.jpg\" \/>Von 1815 an lebte Rossini in Neapel. Die Opern dieser Zeit, die bis 1822 reichte, bersten vor Jugendfrische und Einfallsreichtum. Vergessen sollte aber nicht, da\u00df der \u201ekleine, bartlose Maestro\u201c (so Rossini selbst \u00fcber sich) gleichzeitig in Rom <em>Il Barbiere<\/em>, <em>La Cenerentola<\/em> usw. und in Mailand<em> La Gazza Ladra<\/em> (<em>Die diebische Elster<\/em>), Adina u. a. schuf. Da es w\u00e4hrend der Fastenzeit in Neapel keine Opernauff\u00fchrungen gab, komponiert Rossini ein biblisches Thema. Das Werk bezeichnete er als Oratorium (Azione tragico-sacra). Diese \u201eOper\u201c, arbeitete Rossini in seiner Pariser Zeit 1826 um. Die Umarbeitung war erheblich, so da\u00df nun eine neue Oper mit dem Titel<em> Mo\u00efse et Pharaon<\/em> in franz\u00f6sischer Sprache vorlag. Beide Opern wurden nebeneinander in Paris in den 30er Jahren des 19. Jh. h\u00e4ufig gespielt.<br \/>\nIn Rom wurde nun die urspr\u00fcngliche italienische Fassung <em>Mos\u00e8 in Egitto<\/em> gespielt, ein seltenes Ereignis, da sie hier zuletzt im Juni 1988 von Claudio Scimone aufgef\u00fchrt worden war. Dieses einzigartige Ereignis wollten wir uns nicht entgehen lassen.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDie Hebr\u00e4er sind in \u00e4gyptischer Gefangenschaft. Moses zwingt den Pharao durch Naturereignisse wie Finsternis, Hagel, Blitz oder Heuschrecken uvam, die als die <em>\u00c4gyptischen Plagen<\/em> in der Bibel aufgezeichnet sind, ihn und sein Volk ziehen zu lassen. Pharao sagt wankelm\u00fctig zu und ab, wie es seinen Ratgebern einf\u00e4llt. Schlie\u00dflich retten sich die Hebr\u00e4er durch das sich teilende Rote Meer, wohingegen die nachjagenden \u00c4gypter in den Meeresfluten umkommen. Vor diesem biblischen Hintergrund lieben sich der Pharaosohn Osiris und die Hebr\u00e4erin Elcia. Da Elcia sich Moses anschlie\u00dft, will Osiris ihn t\u00f6ten. Doch ein Blitzschlag vernichtet Osiris.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie grau-schwarzen pyramiden\u00e4hnlichen Aufbauten zeigen ein unheimliches, abweisendes Staatsgebilde. Die Gesichter von Pharao und seines Sohn Osiris, beide gekleidet in die uns heute unahbar erscheinenden, archaischen Gew\u00e4nder, waren durch \u201eK\u00f6nigsblau\u201c noch unnahbarer. Die Pharaonin hatten das Aussehen der uns bekannten Nofretete, war dadurch weniger abweisend. Die Hebr\u00e4er hatten die sack\u00e4hliche Kleidung der W\u00fcstenbewohner.<br \/>\nSchon der Opernbeginn mit den unheimlich dr\u00f6hnenden Unisonokl\u00e4ngen aller Instrumente auf dem neunmal sich wiederholenden Ton C, den anschlie\u00dfenden dumpfen Paukenwirbeln und die dar\u00fcber sich entwickelden \u201eSeufzer\u201c im Orchester gingen durch Mark und Bein. Hinzu kam, da\u00df Antonino Fogliani das Tempo ziemlich breit anging.<br \/>\nPr\u00e4zise setzen Solisten und Chor der \u00c4gypter ein: <em>Ah, chi ne aiuta \u2013 ach, wer hilft uns?<\/em><br \/>\nDie B\u00fchne ist dunkel. Es herrscht totale Finsternis in \u00c4gypten. Sie ist eine der neun Plagen, die Pharao und sein Volk erleben m\u00fcssen, bis Pharao die Hebr\u00e4er au\u00dfer Landes l\u00e4\u00dft. Als die Hebr\u00e4ern endlich die Erlaubnis zum Auszug erhalten, erstrahlt die Sonne. Welch ein theatralischer Effekt, ebenso logisch aus der Handlung wie von dramatischer Wirkung!<br \/>\nWohltuend in Terzen erklingt das Liebesduett Elcia\/Osiris: <em>ah, se puoi cos\u00ec lasciarmi \u2013 ach, wenn du mich so verlassen kannst.<\/em> <strong>Anna Rita Talientos<\/strong> (Elcia) Stimme besitzt vielleicht ein wenig zuviel Vibrato, auch schwankt ihre Intonation manchmal ein wenig in den H\u00f6henlagen, doch die Lyrik ihrer Stimme gibt der Person des Hebr\u00e4erm\u00e4dchens W\u00e4rme und Liebreiz. Das gleiche gilt f\u00fcr <strong>Giorgio Surian<\/strong> (Moses). Sicher, seine Stimme ist stark. Doch mu\u00df er diese mit einem immerw\u00e4hrenden Vibrato unterstreichen? Bei der Argentinierin <strong>Paula Almerares<\/strong> (Amaltea), Pharaos Frau, sind wir allerdings auf der h\u00f6chsten Ebene des Belcanto angelangt. Bei ihrer Arie:<em> La pace mia smarrita \u2013 der Friede ist mir entschwunden <\/em>stockt mir Atem: ihr \u201eH\u00f6henflug\u201c, ihre tonale Treffsicherheit, die rhythmische Leichtigkeit ihrer \u201egoldenen Kehle\u201c erinnerte mich an Honor\u00e9 de Balzac. Dieser gro\u00dfe franz\u00f6sische Romancier schrieb in seiner Novelle <em>Massimilla Doni<\/em> (1832) nach einem Besuch des Mos\u00e8 in Egitto im Th\u00e9\u00e2tre Italien in Paris: <em>Die Koloratur ist die h\u00f6chste Ausdrucksform der Kunst, sie ist die Arabeske \u2026.ein wenig darunter, und wir haben nichts, ein wenig mehr, und alles ist verwirrt \u2026.<\/em><br \/>\nNach diesem wohl besten s\u00e4ngerischen Augenblick gab es aber noch weitere: das Duett Osiris\/Pharao: <em>non merita pi\u00f9 consiglio \u2013 nicht bedarf ich des Rates, <\/em>ist geradezu ein Lehrbeispiel besten Belcantogesangs. Die Stimme von <strong>Filippo Adami<\/strong> kann man nur mit der von Rockwell Blake vergleichen: schlank, absolut intonationssicher, auch in der h\u00f6chsten Stimmlage, durchdringend, unglaublich virtuos, besonders an dynamischen Stellen. Sein Partner <strong>Michele Pertusi<\/strong> (Pharao) war \u2013 wie immer \u2013 \u00fcberragend in Volumen und Geschmeidigkeit seiner vollen Ba\u00dfstimme. Die riesige B\u00fchne, das gro\u00dfe Orchester und die schwierige Partitur bildeten f\u00fcr <strong>Fogliani <\/strong>und dem Orchester kein Hindernis, die Orchesterbegleitung pr\u00e4sent und dennoch im Hintergrund zu halten. Allerdings schossen Dirigent, Orchester und besonders der Chor den Vogel ab mit der Cabaletta (dem schnellen Schlu\u00df eines Gesangsst\u00fccks) nach dem hinrei\u00dfend vorgetragenen Quintett:<em> mi manca la voce \u2013 mir versagt die Stimme. <\/em>Wie es sein soll \u201eexplodierten\u201c S\u00e4nger und Orchester: <em>fiera guerra mi sento nel seno \u2013 ich sp\u00fcre einen harten Kampf in der Brust. <\/em>Das Wagnis des Tempos, die Homogenit\u00e4t der Stimmen von Chor und Solisten sowie die rhythmische Treffsicherheit, kaum je fuhr mir eine Darbietung so in die Glieder. Eine Sternstunde!<br \/>\nJa, ohne den <em>Moses<\/em> von Rossini ist Verdis <em>Nabucco<\/em> (dort sind die Hebr\u00e4er in Babylonischer Gefangenschaft) eigentlich undenkbar, doch kaum ist das hierzulande bekannt.<br \/>\nDr. Olaf Zenner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Corrado Maria Falsini, Rom<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Azione tragico-sacra in drei Akten, Libretto: Andrea Leone Tottola UA: 5. M\u00e4rz 1818, 1. Fassung, 7. M\u00e4rz 1819, 2. Fassung, beide in Neapel, Teatro San Carlo Regisseur: Marco Spada, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Alessandro Ciammarughi, Licht: Nevio Caviana (Gemeinsame<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=137\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,43],"tags":[],"class_list":["post-137","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-rom-teatro-dellopera"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}