{"id":1368,"date":"2010-03-20T10:00:14","date_gmt":"2010-03-20T09:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1368"},"modified":"2010-03-28T10:30:31","modified_gmt":"2010-03-28T09:30:31","slug":"gera-landestheater-tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1368","title":{"rendered":"TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG &#8211; Gera, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1845 Dresden<br \/>\nRegie: Philipp Kochheim, B\u00fchne: Thomas Gruber.<br \/>\nDirigent: Eric Solen, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Chor und Chorg\u00e4ste von Theater und Philharmonie Th\u00fcringen<br \/>\nSolisten: James Moellenhoff (Landgraf Herrmann), Ivar Gilhuus (Tannh\u00e4user), Stephan Genz (Wolfram), Michael Siemon (Walther), Teruhiko Komori (Biterolf), Peter Paul\u00a0 Haller (Heinrich), Kai Wefer (Reinmar), Carola H\u00f6hn (Elisabeth), Susanne Gasch (Venus), Katrin Strocka (Hirt), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 19. M\u00e4rz 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Gera-Tannhaeuser2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1369\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Gera-Tannhaeuser2.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Gera-Tannhaeuser2.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Gera-Tannhaeuser2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg verbracht, dem legend\u00e4ren Zufluchtsort der Liebesg\u00f6ttin. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft sie, als er der erotischen Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig wird. Seine R\u00fcckkehr in die irdische Welt wird von ihrem Fluch begleitet, da\u00df er sein Heil auf Erden nie finden m\u00f6ge. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet, auf die Wartburg zu einem S\u00e4ngerwettstreit zur\u00fcckzukehren. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe, der Preis ist Elisabeth, die Tannh\u00e4user in Zuneigung ergeben ist. W\u00e4hrend seines Beitrags gesteht Tannh\u00e4user jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten, unter der Bedingung, nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Der aber \u00fcberantwortet Tannh\u00e4user der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Im bebilderten\u00a0 Vorspiel wird gezeigt wie ein Dichterf\u00fcrst (er sieht fast aus wie Thomas Mann) Ende der zwanziger Jahre in eine neoklassizistische S\u00e4ulenhalle einzieht, in der zwei Ritterr\u00fcstungen h\u00e4ngen. Hier beginnt das Verh\u00e4ltnis zwischen seinem Sohn Heinrich und seiner Tochter Venus. Nach Jahren auf der Suche nach seiner k\u00fcnstlerischen Identit\u00e4t ist Tannh\u00e4user des Boh\u00e8melebens \u00fcberdr\u00fcssig und kehrt in die Villa seines Vaters zur\u00fcck. Dessen gesellschaftlicher Freundeskreis ist bereit, Tannh\u00e4user zu vergeben, sofern er bereit ist, seine Jugendliebe Elisabeth zu heiraten. Auf dem S\u00e4ngerfest, das eher ein literarisches Streitgespr\u00e4ch wird, provoziert Tannh\u00e4user die verlogene und verklemmte Gesellschaft. Als er sich zu seiner z\u00fcgellosen Sexualit\u00e4t bekennt, wird er von ihr versto\u00dfen. Tannh\u00e4user kehrt zerbrochen vom Kampf um die eigene K\u00fcnstleridentit\u00e4t zur\u00fcck. Benebelt von Drogen erleben Elisabeth und Tannh\u00e4user, wie die zwanziger Jahre enden und die neue, radikale und braune Welt der drei\u00dfiger Jahre aufzieht.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Der umjubelte Star des Abends ist <strong>Ivar Gilhuus<\/strong> in der Titelrolle. Mit klangvollem durchschlagsstarkem Heldentenor kann er scheinbar m\u00fchelos diese schwierige Partie gestalten. Ebenso umjubelt <strong>James Moellenhoff<\/strong>, der seinen Ba\u00df durch strahlende H\u00f6hen und sichere Tiefen f\u00fchrt. Der Landgraf ist eindeutig seine Paraderolle! <strong>Stephan Genz<\/strong> beginnt seine Partie als Wolfram sehr ausdrucksstark und intonationssicher, jedoch fehlt ihm sp\u00e4ter der lyrische Ausdruck und im dritten Akt dann auch die Kraft. <strong>Michael Siemon<\/strong> kann seine Nebenrolle als Walther mit seinem Beitrag im S\u00e4ngerkrieg sehr sch\u00f6n gestalten. <strong>Corola H\u00f6hn<\/strong> (Elisabeth) und <strong>Susanne Gasch<\/strong> (Venus) wirken alles andere als erotisch als dramatische Soprane, vor allem weil sie in den H\u00f6hen \u00e4u\u00dferst angestrengt klingen. Dagegen erfreut <strong>Katrin Strocka<\/strong> als Hirt mit sehr sicheren und jugendlich klangsch\u00f6nen H\u00f6hen.<br \/>\nBesonderes Lob mu\u00df man <strong>Eric Solen<\/strong> und dem <strong>Philharmonischem Orchester<\/strong> zollen. Was da aus dem kleinen Orchestergraben (nur Platz f\u00fcr eine Harfe) an romantisch-dramatischen Wagner-Klangbildern heraufkam, war wahrlich mitrei\u00dfend und der Erfolgsgarant des Abends. Eric Solen zeigt, da\u00df Romantik nicht nur Sch\u00f6nklang ist, sondern da\u00df hier spannende Tempo- und Lautst\u00e4rkevariationen m\u00f6glich sind, die sich zu dramatischen Explosionen steigern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem war der Mischklang mit dem Blech und den Holzbl\u00e4sern vortrefflich, die Abstimmung mit Chor und Solisten (vor allem in den Ensembleszenen am Ende des ersten und zweiten Aktes) absolut exakt.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Tosender Applaus f\u00fcr die musikalischen Protagonisten, zum Teil heftige Buh-Rufe f\u00fcr die Regie. Dabei war das Publikum zwei Akte mehr oder weniger mit der Inszenierung mitgegangen, aber den goldenen Schu\u00df f\u00fcr Tannh\u00e4user als Zeichen f\u00fcr den Untergang der Gesellschaft und damit das Versagen eines Erl\u00f6sungsmomentes war f\u00fcr die vielen angereisten Wagnerianer dann doch zu viel. Schade eigentlich, denn bis zu diesem Moment hatten die vielen, teils \u00fcberraschenden Einf\u00e4lle zu fesseln gewu\u00dft, z.B. da\u00df Venus im S\u00e4ngerkrieg zur\u00fcckkehrt und ihr Loblied pers\u00f6nlich entgegennimmt oder der k\u00f6stlich ausgewalzte Streit im S\u00e4ngerkrieg. Musikalisch hingegen konnte unter Beweis gestellt werden, da\u00df kleinere st\u00e4dtische B\u00fchnen auch im Wagnerfach mittlerweile mit den Staatsopern mithalten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild:\u00a0 Stephan Walzl<br \/>\nDas Bild zeigt: Der S\u00e4ngerwettstreit eskaliert zu einer handgreiflichen Rauferei \u2013 wegen der Provokationen des Tannh\u00e4user.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1845 Dresden Regie: Philipp Kochheim, B\u00fchne: Thomas Gruber. 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