{"id":135,"date":"2007-12-09T17:10:16","date_gmt":"2007-12-09T15:10:16","guid":{"rendered":"http:\/\/operapoint.com\/blog\/?p=135"},"modified":"2008-02-18T20:12:31","modified_gmt":"2008-02-18T18:12:31","slug":"kolner-oper-der-freischutz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=135","title":{"rendered":"Oper K\u00f6ln &#8211; DER FREISCH\u00dcTZ"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Maria von Weber, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Friedrich Kind<br \/>\nRegisseur: Michael Heinicke, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Jens Kilian, Licht: Hans Toelstede<br \/>\nDirigent: Enrico Delamboye, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor der Oper K\u00f6ln (Andrew Ollivant)<br \/>\nSolisten: Joachim Berger (Samiel), Wilfried Staber (Eremit), Miljeno Turk (Ottokar), Ulrich Hielscher (Kuno), Samuel Youn (Kaspar), Thomas Mohr (Max), Ausrine Stundyte (Agathe), Claudia Rohrbach (\u00c4nnchen), Johannes Prei\u00dfinger (Kilian) u.a.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 16. November 2007 (Premiere: 20. Oktober 2007)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung und Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<img ALIGN=\"right\" TITLE=\"Der Freisch\u00fctz\" ALT=\"Der Freisch\u00fctz\" SRC=\"http:\/\/operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/Freisch\u00fctz.jpg\" \/>Im B\u00fchnenmittelpunkt erhebt sich eine gewaltige Eiche im Herbstlaub, Symbol f\u00fcr den deutschen Wald in dieser deutschesten aller Opern. Um diesen Baum herum spielt sich alles ab: hier wird gefeiert und getrauert, hier erf\u00fcllen sich Hoffnungen, werden Tr\u00e4ume zerst\u00f6rt.<br \/>\nMichael Heinicke inszeniert den Freisch\u00fctz als romantisch-sch\u00f6ne Schaueroper. Trotz deutschem Wald und zeithistorischen Kost\u00fcmen ist dies kein Provinztheater, das in einer vermeintlich guten alten Zeit spielt.<br \/>\nDie anscheinend heile Welt wird von Beginn an in Frage gestellt durch das Verhalten der Menschen. Die haben damals wie heute \u2013 Weber notiert in der Partitur: <em>Zeit der Handlung: Kurz nach Beendigung des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs <\/em>\u2013 immer dieselben Probleme. Da ist die Liebe zwischen \u00c4nnchen und Max. Diese ist nicht wohlfeil zu haben, sondern an Bedingungen gekn\u00fcpft. Menschen haben gestern wie heute Fantasien und W\u00fcnsche, zeigen Freude, leben Schadenfreude aus. Mancher ist einsam. Auch damals schon macht sich Gruppendynamik breit. Das Gute und das B\u00f6se sind in jedem Gedanken, in jeder Handlung dabei. In der Inszenierung wird dies sehr sch\u00f6n in wei\u00df und in schwarz an den Gestalten von Samiel und dem Eremiten gezeigt, die f\u00fcr die Zuschauer optisch in Erscheinung treten, von den Akteuren aber wohl nur gesehen werden k\u00f6nnen, wenn beide den Hut von ihren lang wallenden Haaren abnehmen.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Wolfsschluchtszene ist \u2013 obwohl entr\u00fcmpelt \u2013 naturalistisch gezeichnet mit Feuerkreis und Lichteffekten, aber ohne jeglichen modernistischen Eskapaden oder pseudopsychologische Extravaganzen. Einziger technischer Gag: Beim Freikugelgu\u00df erbebt die riesige Eiche und wird aus ihrem Bett hochgehoben, Samiel entsteigt der sich \u00f6ffnenden Erde.<br \/>\nEinzige Ausnahme der sonst von der Regie gut gezeichneten Personen: F\u00fcrst Ottokar, ein herausgemachter, po-grapschender Juppie, Karikatur eines haltlosen, unreifen Pubertierenden.<\/p>\n<p>Das G\u00fcrzenich-Orchester bot eine geschlossen gute Leistung, wobei besonders die H\u00f6rner genannt sein m\u00fcssen. <strong>Enrico Delamboye<\/strong> hatte seine Truppe gut im Griff, auch die altbekannten und oft geh\u00f6rten Melodien wirkten frisch und munter. Sch\u00f6n auch die Chorszenen, die den guten Ruf des K\u00f6lner Opernchores zu Recht unterstreichen.<br \/>\nDie Gesangssolisten traten als weitgehend gleichwertiges Ensemble auf. <strong>Samuel Young<\/strong> war ein markanter Kaspar. Er sang den J\u00e4gerburschen kraftvoll und brillant mit gro\u00dfer Wucht; leider l\u00e4\u00dft seine Textverst\u00e4ndlichkeit zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<br \/>\n<strong>Thomas Mohr<\/strong> war ein prachtvoller Max. Er \u00fcberzeugte sowohl in der H\u00f6he und der Mittellage als auch und mit profunder Tiefe. Er sang kraftvoll und vollendet in den lyrischen Passagen. Ein H\u00f6hepunkt des Abends war zweifellos seine makellos vorgetragene Arie: <em>Nein, l\u00e4nger trag ich nicht die Qualen.<\/em><br \/>\nKammers\u00e4nger <strong>Ulrich Hielscher<\/strong>: bravour\u00f6s in der Rolle des Kuno. <strong>Claudia Rohrbach<\/strong> als \u00c4nnchen sang mit klarem hellem Sopran, stimmlich und optisch ein Genu\u00df. Gegen sie hatte <strong>Ausrine Stundyte<\/strong>, das \u00c4nnchen, einen schweren Stand. Ihren wunderbar gesungenen Pianopassagen stehen Schw\u00e4chen in der H\u00f6he entgegen.<br \/>\n<strong>Miljenko Turk<\/strong> als Ottokar sang trotz seiner Jugend mit gewohnter Klasse. Ein wirklich talentierter S\u00e4nger.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong>: <strong>Michael Heinicke<\/strong> ist hier eine von Anfang bis Ende unterhaltsame und spannende Inszenierung gelungen, mit lebendigen Menschen, \u00fcberzeugend gezeigt in ihrer Leidenschaft, in ihren Sorgen und N\u00f6ten.<br \/>\nAlles in allem ein sch\u00f6ner Opernabend. Neben der guten Leistung von S\u00e4ngern, Chor und Orchester beeindruckte die Regie von Michael Heinicke. Das B\u00fchnengeschehen pr\u00e4sentierte sich unverstaubt, munter und unterhaltsam. Man sieht, auch eine konservative, werktreue Inszenierung muss nicht muffig oder zopfig sein.<br \/>\nGro\u00dfer Beifall f\u00fcr S\u00e4nger, Chor und Orchester. Auch B\u00fchnenbild und Regie stie\u00dfen beim Publikum auf gro\u00dfe Zustimmung.<br \/>\nWer eine werktreu und zeitgem\u00e4\u00df gut gemachte Oper sehen m\u00f6chte, sollte in diesen Freisch\u00fctz gehen.<\/p>\n<p>Dr. Rolf J\u00fcrgen Schaffer   \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Klaus Lefebvre<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Maria von Weber, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Friedrich Kind Regisseur: Michael Heinicke, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Jens Kilian, Licht: Hans Toelstede Dirigent: Enrico Delamboye, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor der Oper K\u00f6ln (Andrew Ollivant) Solisten: Joachim Berger (Samiel), Wilfried Staber (Eremit),<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=135\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[],"class_list":["post-135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-koln-buhnen-der-stadt","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}