{"id":131,"date":"2007-12-08T22:39:29","date_gmt":"2007-12-08T20:39:29","guid":{"rendered":"http:\/\/operapoint.com\/blog\/?p=131"},"modified":"2008-02-18T20:13:28","modified_gmt":"2008-02-18T18:13:28","slug":"10-antikenfestspiele-trier-samson-und-dalila","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=131","title":{"rendered":"10. Antikenfestspiele Trier &#8211; SAMSON UND DALILA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Libretto: Ferdinand Lemaire<br \/>\nOper in drei Akten, Urauff\u00fchrung am 2. Dezember 1877 in Weimar),<br \/>\nDirigent: Marc Soustrot, Orchestre Philharmonique du Luxembourg<br \/>\nChor und Extrachor des Theaters Trier, Tanztheater Trier<br \/>\nRegie: Kurt Josef Schildknecht<br \/>\nDubrovka Musovic (Dalila), John Uhlenhopp (Samson), L\u00e1szlo Luk\u00e1cs (Oberpriester des Dagon), Thomas Schobert (Abimelech, Satrap von Gaza), Juri Zinovenko (Ein alter Hebr\u00e4er), Gor Arsenian (Ein Kriegsbote der Philister), Peter Koppelmann (1. Philister), Horst Lorig (2. Philister)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrungen: 22. Juni und 1. Juli 2007<\/p><\/blockquote>\n<p><img ALIGN=\"right\" TITLE=\"Samson und Dalila\" ALT=\"Samson und Dalila\" SRC=\"http:\/\/operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/Samson.jpg\" \/>Die Handlung der Oper spielt in einer Region, die auch heute als Krisenherd fast t\u00e4glich in den Medien erscheint, in der Stadt Gaza und Umgebung.<br \/>\nDas Drama, das als Vorlage f\u00fcr Lemaires Libretto diente, ereignete sich allerdings ca. 1000 Jahre vor Chr. Es wird im Buch der Richter, Kapitel 13-16 (Alten Testament) beschrieben.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich wollte Saint-Sa\u00ebns den Stoff zu einem Oratorium benutzen. Lemaire jedoch brachte den Komponisten schlie\u00dflich dazu, eine Oper zu schreiben.<br \/>\nDiese Oper hatte anfangs kein Erfolg. Die Urauff\u00fchrung 1877 erlebte sie in deutscher Sprache im Weimarer Hoftheater, wo Franz Liszt als k\u00fcnstlerischer Direktor, sich f\u00fcr das St\u00fcck stark gemacht hatte. Es dauerte noch bis 1890, bevor die Oper in Frankreich, in Rouen, aufgef\u00fchrt wurde.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDie Handlung rankt sich um Macht und Unterdr\u00fcckung, um einen starken Mann, der den raffinierten Verf\u00fchrungsk\u00fcnsten einer sch\u00f6nen Frau nicht widerstehen kann, der Wachs wird in ihren Armen und der dadurch seine Kraft einb\u00fc\u00dft. Die verf\u00fchrerische Philisterin Dalila entlockt Samson das Geheimnis seiner Kraft, die in seinem noch nie geschnittenen Haupthaar beruhte, und verr\u00e4t dieses Geheimnis an den Oberpriester des Gottes Dagon. Dieser n\u00e4hert sich unbemerkt mit seinen Schergen dem schlafenden Samson, l\u00e4\u00dft Samson das Haar abschneiden, fesseln und blenden. Im Gef\u00e4ngnis er f\u00e4llt auf die Knie, fleht Gott um Gnade und bittet ihn um Verzeihung f\u00fcr seine Schwachheit. Er verspricht Gott, seinen Fehler wieder gut zu machen.<\/p>\n<p>Im Tempel des Dagon dem Volk der Philister zur Schau gestellt wird Samson von den Priestern und Volk verh\u00f6hnt. Diese spotten auch \u00fcber den ach so schwachen Gott Hebr\u00e4er. Sie fordern den Gequ\u00e4lten auf, sich von seinem Gott abzuwenden und Dagon anzubeten. Doch Samson weigert sich, seinen Gott zu verleugnen. Unterdessen gewinnt er seine Kraft zur\u00fcck und bringt in einer gewaltigen Anstrengung die S\u00e4ulen des Tempels zum Einsturz. Alle finden unter den Tr\u00fcmmern den Tod.<\/p>\n<p><strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie f\u00fcr das r\u00f6mische Amphitheater in Trier erarbeitete Personenf\u00fchrung war klar und pr\u00e4zise. Eine besondere Wirkung erlangten hierbei die gut organisierten Massenszenen, die durch zum Teil sehr farbenpr\u00e4chtige Fantasiekost\u00fcme beeindruckten. Die vor den Philistern fl\u00fcchtenden Hebr\u00e4er, ausgestattet mit gro\u00dfen H\u00fcten und mit den typischen Judenkoffern (letztere schienen doch in der antikisierenden Darstellung etwas fehl am Platz), zeigten im aufgeregten Hin- und Herlaufen die Schrecken der von den Philistern geknechteten Hebr\u00e4er deutlich auf.<br \/>\nBeeindruckend waren die monumentalen Chorges\u00e4nge, die besonders den ersten Akt der Oper pr\u00e4gen. Die Stimmen waren gut aufeinander abgestimmt und intonationssicher, der Text war gut verst\u00e4ndlich. Sie sind durch das Ungl\u00fcck ihrer Gefangenschaft sehr verunsichert und flehen daher zu Gott. Doch sie werfen ihm vor, da\u00df er sie verlassen habe. Um alle Beteiligten, M\u00e4nner wie Frauen, vorzuf\u00fchren schreibt Saint-Sa\u00ebns an dieser Stelle eine Fuge. Hier hat sich der Regisseur eine intelligente L\u00f6sung einfallen lassen: Zu Beginn dieses Er\u00f6ffnungschors stehen alle dicht geschlossen zusammen. Zum Fugenbeginn traten dann die einzelnen Stimmen geschlossen vor. Zuerst ist es der Ba\u00df der mit sonorer F\u00fclle singt: Wir haben gesehen, da\u00df unsere St\u00e4dte verw\u00fcstet sind \u2026<br \/>\nDann folgt dieser Ba\u00dfgruppe die Tenorgruppe, danach der Alt, sodann der Sopran. Auf dem gro\u00dfen Halbrund des Amphitheaters machte sich das \u00fcberaus eindrucksvoll!<br \/>\n<strong>John Uhlenhopp<\/strong> als Samson schien nicht seinen besten Tag zu haben, seine Stimme war kraftlos und bla\u00df, sein Gesang schlecht verst\u00e4ndlich. Brillant dagegen <strong>Dubravka Musovic <\/strong>als Delila. Sie zog gesanglich alle Register der Verf\u00fchrung, schmeichelnd und gurrend, dann wieder fordernd und scharf. Samson ger\u00e4t allzubald in ihren Bann und macht. Musovics Mezzosopran hat Volumen, ist ausdrucksstark und gl\u00e4nzend und zeigt eine breite, fein nuancierte stimmliche Farbpalette.<br \/>\nBet\u00f6rend sang sie die drei gro\u00dfen Soloszenen der Dalila, besonders mit Mon coeur s\u2019ouvre \u00e0 ta voix \u2013 sieh, mein Herz erschlie\u00dfet sich umgarnte sie nicht nur Samson, sondern auch das Publikum.<br \/>\nLeider pa\u00dften Kost\u00fcm und schauspielerische Ausgestaltung ihrer Rolle nicht ganz zum Bild der raffinierten Verf\u00fchrerin: Samson wird schlie\u00dflich erst im vierten Anlauf schwach und verr\u00e4t erst dann das Geheimnis seiner Kraft.<br \/>\nIhr Kost\u00fcm war hauteng, schlangengleich und gr\u00fcn leuchtend. Sicher wollte der Regisseur hier die Vorstellung der Frau als Schlange hervorrufen. Diese halbrealistische Vorf\u00fchrung weiblicher Verf\u00fchrungskunst hatte kaum das entsprechenden Ergebnis: die M\u00e4nnerphantasien wurde wohl kaum stimuliert, denn zu ungrazi\u00f6se, wirkte das Gehen der gro\u00dfgewachsenen Frau Musovic auf den von allzu kurzem Rock kaum bedeckten Beinen in hochhackigen Stiefeln<br \/>\nDas Orchestre Philharmonique du Luxembourg spielte unter der pr\u00e4zisen Stabf\u00fchrung von Marc Soustrot intonationssicher. Die enormen Entfernungen dieses \u00fcbergro\u00dfen Auff\u00fchrungsortes waren kaum bemerkbar: die Eins\u00e4tze und die Begleitung der Solisten war einwandfrei. Neben dem satten und warmen Klang der Streicher gefielen mir besonders die Holzbl\u00e4ser, die auch in ihren Soli \u00fcberzeugten.<br \/>\nDie Auff\u00fchrung am 22. Juni fand leider wegen des Regens nicht im Freien statt. Am 1. Juli begann die Auff\u00fchrung im Amphitheater, mu\u00dfte aber kurz vor dem dritten Akt wegen starken Regens abgebrochen werden. Die Anmerkungen zur Szene beziehen sich auf die Auff\u00fchrung vom 1. Juli.<br \/>\nAlles in allem eine sch\u00f6ne Auff\u00fchrung einer zu Unrecht viel zu selten gespielten Oper.<br \/>\nDas Publikum dankte S\u00e4ngern, Chor, Orchester und Ballett (beide Male) mit lebhaftem Beifall.<br \/>\nDr. Rolf J\u00fcrgen Schaffer und Dr. Olaf Zenner<br \/>\nBild: Klaus-Dieter Theis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Libretto: Ferdinand Lemaire Oper in drei Akten, Urauff\u00fchrung am 2. 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