{"id":1153,"date":"2010-03-12T11:44:56","date_gmt":"2010-03-12T10:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1153"},"modified":"2010-03-28T10:40:39","modified_gmt":"2010-03-28T09:40:39","slug":"oldenburg-staatstheater-faust-margarete","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1153","title":{"rendered":"FAUST (MARGARETE) &#8211; Oldenburg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in vier Akten (1859), Libretto: Jules Barbier und Michel Carr\u00e9 nach Johann Wolfgang von Goethes <em>Faust<\/em>, UA: 19. M\u00e4rz 1859 Paris<br \/>\nRegie: Elisabeth St\u00f6ppler, B\u00fchne: Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler, Licht: Philipp Wiechert, Dramaturgie: Johanna Wall<br \/>\nDirigent: Thomas Dorsch, Oldenburgisches Staatsorchester, Opern- und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters, Leitung: Thomas B\u00f6nisch<br \/>\nSolisten: Daniel Ohlmann (Doktor Faust), Derrick Ballard (Mephistopheles), Paul Brady (Valentin), Henry Kiichli (Wagner), Mareke Freudenberg (Margarete), Barbara Schmidt-Gaden (Siebel), Annekatrin Kupke (Marthe), Victoria Rust (Bart\u00e4nzerin)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 7. M\u00e4rz 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong><a title=\"Oldenburg-Faust\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Oldenburg-Faust.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Oldenburg-Faust.jpg\" alt=\"Oldenburg-Faust\" align=\"right\" \/><\/a>Der angesehene Doktor Faust ist auf den ersten Blick ein keineswegs beklagenswerter Mann. Doch ein Wunsch l\u00e4\u00dft ihn nicht ruhen: Er will wieder jung sein und leidenschaftlich. Die Erf\u00fcllung seiner W\u00fcnsche erscheint prompt in der Gestalt des d\u00e4monischen Mephistopheles, der ihm das Gew\u00fcnschte offeriert, wenn auch nicht umsonst: Faust mu\u00df seinen Seelenfrieden opfern und ist fortan Knecht in Mephistopheles Reich. Die Entscheidung f\u00e4llt Faust leichten Herzens, als Mephistopheles ihm Margarete zeigt, der Faust fortan in leidenschaftlicher Liebe verfallen ist. So entspinnt sich f\u00fcr Faust eine erotische aber verh\u00e4ngnisvolle Handlung, die Margarete schlie\u00dflich mit dem Tod bezahlt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Elisabeth St\u00f6ppler l\u00e4\u00dft Faust als einen gelangweilten Weltmann daherkommen. Die Sehnsucht nach Jugend und Leidenschaft wird durch Mephisto zur Gen\u00fcge gestillt, er f\u00fchrt ihn an sinnlich-erotische, gleichzeitig aber auch gef\u00e4hrliche Orte. So erwartet die Zuschauer auf der B\u00fchne eine absurd-wilde Kirmeswelt, in der Liebe und Tod zu verschmelzen drohen. Liebes- und Vergewaltigungsszenen werden ausf\u00fchrlich auf der B\u00fchne dargestellt und in Mephistopheles Unterwelt erwartet Faust ein strippendes Barm\u00e4dchen in Lackstaffage. Bilder von Tragik und Dramatik werden immer wieder durchbrochen durch humoristische Elemente \u2013 zum Beispiel mit einem durch die Luft fliegenden, jaulenden Pudel \u2013 lockern die Inszenierung auf und lassen das Publikum bisweilen auflachen. Das B\u00fchnenbild ist minimalistisch, es tritt zur\u00fcck hinter den aufwendigen Kost\u00fcmen des Chores in den Massenszenen. Ein schwarzer, fahrbarer Kasten mit gro\u00dfem Fensterloch ordnet das B\u00fchnengeschehen und wird mal zur Kirmesbude, mal zum Gef\u00e4ngnis f\u00fcr Margarete.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Im ersten Teil der Oper lie\u00dfen sich deutliche Schw\u00e4chen in Chor und Orchester ausmachen. Bei den Massenszenen mit Opern- und Extrachor fiel der musikalische Zusammenklang teilweise v\u00f6llig auseinander. Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte die \u00fcbervolle B\u00fchne gewesen sein, dies ist aber keine Entschuldigung f\u00fcr den undifferenzierten, schwammigen Klang vor allem bei der Chorpassage <em>Vin ou b\u00ecere \u2013 Wein und Bier <\/em>am Anfang des zweiten Aktes. Die Sechzehntell\u00e4ufe waren durchg\u00e4ngig nicht mit dem Orchester zusammen, der Chor hatte ohnehin Schwierigkeiten, das schnelle Tempo zu halten. Im zweiten Teil fand allerdings in allen kritisierten Punkten eine Steigerung statt; bei der Apotheose am Schlu\u00df entfaltete sich sogar ein wahres Klangerlebnis, als der Chor vom obersten Rang als himmlischer Chor auf die Zuschauerr\u00e4nge herabsang. Dabei gelang auch das musikalische Zusammenwirken von Chor und Orchester trotz der gro\u00dfen Entfernung bestens. <strong>Daniel Ohlmann<\/strong> (Doktor Faust) schien seiner Rolle weder musikalisch noch schauspielerisch gewachsen. Er wirkte durchg\u00e4ngig eher gequ\u00e4lt als leidenschaftlich. Probleme hatte er vor allem bei hohen, langen T\u00f6nen, die er mehrmals zun\u00e4chst zu tief ansetzte und dann nachintonieren mu\u00dfte, was seine gef\u00fchlsintensiven Momente fast l\u00e4cherlich wirken lie\u00df. Seine Stimme wurde der Tragik der Rolle nicht gerecht, da sie keine gro\u00dfe Farbigkeit im Timbre und Differenziertheit in der Dynamik aufwies. Ganz anders dagegen <strong>Mareke Freudenberg<\/strong> als Margarete: Sie brillierte mit einem gro\u00dfen Klangreichtum in ihrer facettenreichen Sopranstimme und konnte sowohl stimmlich als auch schauspielerisch ihre Rolle sehr \u00fcberzeugend umsetzen. Die Registerwechsel bew\u00e4ltigte sie geschmeidig. <strong>Derrick Balard<\/strong> gab einen augenzwinkernden, aber auch abgrundtief boshaften Mephistopheles, der die Ambivalenz seiner Rolle vor allem durch seine \u00fcberzeugende Mimik ausgestaltete. Stimmlich dem Faust weit \u00fcberlegen, \u00fcberzeugte er mit seiner dominanten, vollt\u00f6nenden Ba\u00dfbaritonstimme.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Insgesamt beeindruckte St\u00f6pplers Inszenierung mit drastischen, unheimlichen, manchmal auch knallbunten Bildern, die die Gef\u00fchlswelt Fausts und Margaretes spiegelten. Die \u00fcberdeutliche Darstellung von Sexualit\u00e4t in all ihren Auspr\u00e4gungen lenkte allerdings teilweise von der Musik und der schauspielerischen Leistung der Darsteller ab. Musikalisch wurde den Zuschauern vor allem im zweiten Teil eine ordentliche Gesamtleistung dargeboten. Quittiert wurde dies mit langanhaltendem Beifall des Publikums.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: Andreas J. Ettler<br \/>\nDas Bild zeigt: Daniel Ohlmann (Faust) und Mareke Freudenberg (Margarete) im Vordergrund, dahinter der rauchende Derrick Ballard (Mephistopheles)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in vier Akten (1859), Libretto: Jules Barbier und Michel Carr\u00e9 nach Johann Wolfgang von Goethes Faust, UA: 19. 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