{"id":1080,"date":"2010-02-28T17:35:56","date_gmt":"2010-02-28T16:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1080"},"modified":"2010-04-02T21:25:35","modified_gmt":"2010-04-02T20:25:35","slug":"berlin-komische-oper-orlando","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1080","title":{"rendered":"ORLANDO &#8211; Berlin, Komische Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>Von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in 3 Akten; Libretto nach Carlo Sigismondo Capece, UA: 27. Januar 1733, London, King&#8217;s Theatre Haymarket<br \/>\nRegie: Alexander Mork-Eidem, B\u00fchne: Erlend Birkeland, Kost\u00fcme: Maria Gyllenhoff, Dramaturgie: Bettina Auer, Licht: Franck Evin<br \/>\nDirigent: Alessandro De Marchi, Orchester der Komischen Oper Berlin Solisten: Mariselle Martinez (Orlando), Brigitte Geller (Angelica), Elisabeth Starzinger (Medoro), Julia Giebel (Dorinda), Wolf Mathias Friedrich (Zarathustra), Bernd Stempel (Isabella)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 26. Februar 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a title=\"Berlin-Komisch-Orlando\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Berlin-Komisch-Orlando.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Berlin-Komisch-Orlando.jpg\" alt=\"Berlin-Komisch-Orlando\" align=\"right\" \/><\/a>Der Ritter Orlando hat sich in die K\u00f6nigin Angelica verliebt, obwohl der Zauberer Zoroastro ihm nahelegt, sich nicht f\u00fcr den Liebesgott Amor, sondern f\u00fcr den Kriegsgott Mars zu entscheiden. Angelica zieht den sch\u00f6nen, armen Prinzen Medoro jedoch vor. Die Sch\u00e4ferin Dorinda ist in Medoro verliebt, der sich zugunsten von Angelica von ihr abwendet, was Dorinda in tiefe Verzweiflung st\u00fcrzt. Als Orlando die Beziehung zwischen Angelica und Medoro erkennt, wird er wahnsinnig und rasend vor Eifersucht. Er versucht Angelica zu t\u00f6ten, was Zoroastro verhindern kann. Der ersch\u00f6pfte Orlando schl\u00e4ft ein und wird durch den Zauberer von seinem Wahnsinn geheilt. Seine Taten bereuend w\u00fcnscht er sich den Tod. Er verzichtet auf weitere Rache an Angelica und Medoro, alle vers\u00f6hnen sich. <strong><br \/>\nAuff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nAlessandro Mork-Eidem stellt  ein Hippiemilieu im dunklen Wald mit Zelt, Schlafsack, altem VW-Bus und Campingstuhl auf die B\u00fchne. Zoroastro (Zarathustra) ist ein kiffender Guru mit Rastalocken. Er hat einen glatzk\u00f6pfigen Assistenten (Schauspieler Bernd Stempel) im lilafarbenen Kost\u00fcm, der im Libretto nicht vorgesehen ist und die Aufgabe hat, das Publikum zum Lachen zu bringen, indem er die Szene st\u00f6rt oder die Handlung \u00fcbertreibt. So rennt er laut schreiend durch den Zuschauerraum, um das Zauberwasser in Form eines Sixpacks Wasserflaschen heranzutragen. Dorinda tr\u00e4gt Gummistiefel zum roten kurz\u00e4rmeligen Kleid, Medoro ist eine dunkelhaarige Sch\u00f6nheit in langem hellen Kleid, Angelica tritt im Anzug auf, Orlando ist wie ein Bundeswehrsoldat gekleidet und erschie\u00dft sich selbst blutspritzend mit einem Revolver. Zum vers\u00f6hnlichen Ende sitzen alle am B\u00fchnenrand und lassen die Beine baumeln. <strong><br \/>\nS\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAlessandro De Marchi ist bem\u00fcht, das Orchester (Streicher, Theorbe, Erzlaute, Gitarre, Harfe) und die deutsch singenden, deutlich artikulierenden S\u00e4nger zusammenzuhalten, um dem musikalischen Kaleidoskop aller Gef\u00fchlsfacetten Ausdruck zu geben. Im dritten Akt spielen \u2013 wie zu H\u00e4ndels Zeiten \u2013 drei Musiker mit Violoncello und zwei Violen d&#8217;amore (bratschen\u00e4hnliches Streichinstrument mit Resonanzsaiten) auf der B\u00fchne. Allen S\u00e4ngern fehlt es an stimmlicher Tiefe. <strong>Mariselle Martinez<\/strong> (Orlando) braucht eine Weile, um sich in den dunklen Lagen zurechtzufinden und schafft es nur ansatzweise, der gesamte Gef\u00fchlsspannweite ihrer Rolle zwischen Phlegma und Raserei Ausdruck zu bringen. So \u00fcberzeugt sie eher in der Arie <em>Himmel, wenn du das zul\u00e4\u00dft<\/em> (2. Akt) als in der sogenannten Wahnsinnsarie am Ende des zweiten Akts. <strong>Wolf Mathias Friedrich<\/strong> (Zarathustra) pr\u00e4sentiert sich k\u00f6rperlich stark und kann seinen Koloraturen nur mit M\u00fche darstellen. Dagegen bringen die S\u00e4ngerinnen die fr\u00fcher von Kastraten gesungenen Rollen besser zum Klingen, so im Terzett, das den ersten Akt abschlie\u00dft <em>Tr\u00f6ste dich, oh Sch\u00f6ne<\/em>. <strong>Brigitte Gellers<\/strong> (Angelica) gelingt es, in der mit klarer Sopranstimme gesungenen Arie <em>Er kann mich nicht undankbar nennen<\/em> (2. Akt) die darin enthaltene Rechtfertigung f\u00fcr das Leid, das sie Dorinda zuf\u00fcgt, auszudr\u00fccken. Auch wenn <strong>Julia Giebels<\/strong> (Dorinda) Stimme zwar einiges an Beweglichkeit f\u00fcr die koloraturreichen Arien und leicht federnden Rezitative fehlt, so gelingt ihr die Umsetzung der mit gro\u00dfen Spr\u00fcngen gespickten Arie <em>Die Liebe ist wie ein Wind im Kopf<\/em> (3. Akt) recht gut. <strong>Elisabeth Starzingers<\/strong> (Medoro) \u00c4u\u00dferes bewirkt Verwirrung, doch diese tritt in den Hintergrund angesichts ausdrucksvoller Trauer und Abschiedsstimmung in der Arie <em>Gr\u00fcne Lorbeerb\u00e4ume, vereint unsere Namen auf ewig<\/em> (2. Akt). <strong><br \/>\nFazit<\/strong><br \/>\nH\u00e4ndels Librettist griff auf die mittelalterliche Heldenlegende Orlando furioso zur\u00fcck, die er durch den Einsatz des Zauberers als Vertreters der Vernunft zu einer Parabel \u00fcber ritterliches Verhalten machte, um der h\u00f6fischen Gesellschaft das aktuelle Thema des Verlusts von Selbstkontrolle vorzuf\u00fchren. Offenbar konnte Alessandro Mork-Eidem mit dieser Barockoper nichts anfangen, denn er veralbert diejenige Figur, die deren zentrale Botschaft transportiert: Der Zauberer Zarathustra soll eigentlich den wahnhaft eifers\u00fcchtigen Orlando zur Vernunft bringen, und ein von Liebe Besessener soll zur\u00fcckfinden zu Verstand und Gef\u00fchlskontrolle, um seine gesellschaftliche Aufgabe zu erf\u00fcllen. Vom Publikum gab es einige Male Szenenapplaus, am Ende Bravorufe f\u00fcr die S\u00e4nger, Buhs f\u00fcr die Regie und die Kost\u00fcmbildnerin.<br \/>\nCarola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<br \/>\nDas Bild zeigt: Julia Giebel (Dorinda)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in 3 Akten; Libretto nach Carlo Sigismondo Capece, UA: 27. 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