{"id":1067,"date":"2010-03-01T23:14:59","date_gmt":"2010-03-01T21:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1067"},"modified":"2010-04-02T21:26:47","modified_gmt":"2010-04-02T20:26:47","slug":"weimar-deutsches-nationaltheater-elektra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1067","title":{"rendered":"ELEKTRA &#8211; Weimar, Deutsches Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Januar 1909, K\u00f6nigliches Opernhaus, Dresden<br \/>\nRegie: Stephan M\u00e4rki; B\u00fchne: Alfons Flores, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler, Choreographie: Lydia Steier<br \/>\nDirigent: Martin Hoff, Staatskapelle und Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar<br \/>\nSolisten: Catherine Foster (Elektra), Leandra Overmann (Klyt\u00e4mnestra), Claudia Iten (Chrysothemis), Frieder Aurich (Aegist), Renatus M\u00e9sz\u00e1r (Orest)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. Februar 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/weimar-elektra.jpg\" TITLE=\"weimar-elektra.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/weimar-elektra.jpg\" ALT=\"weimar-elektra.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Elektra will sich f\u00fcr den Mord an ihrem Vater Agamemnon, welcher von seiner Gattin Klyt\u00e4mnestra, Elektras Mutter, und ihrem Geliebten Aegisth heimt\u00fcckisch im Bad erschlagen wurde, r\u00e4chen. Von ihrer Umgebung f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten und verh\u00f6hnt, haust sie wie ein wildes Tier vor den T\u00fcren des Palastes und wartet auf ihren im Exil lebenden Bruder Orest. Ihre Schwester Chrysothemis wirft ihr vor, zu sehr an der Vergangenheit festzuhalten. Eines Tages wird Klyt\u00e4mnestra von Alptr\u00e4umen gequ\u00e4lt und bittet Elektra um Hilfe. Doch diese erkl\u00e4rt ihr, da\u00df nur ihr eigener Tod durch Orestes Hand ihren Tr\u00e4umen ein Ende machen k\u00f6nne. Pl\u00f6tzlich erreicht die Nachricht von Orestes Tod den Hof. Klyt\u00e4mnestra scheint \u00fcber Elektra zu triumphieren. Von Trauer und Verzweiflung zerr\u00fcttet fleht Elektra Chrysothemis an, mit ihr zusammen die Tat zu vollbringen, doch diese lehnt ab. Einer der Todesboten gibt sich Elektra als Orest zu erkennen. Nur inkognito konnte er in den Palast eindringen, um seine Mutter und Aegist zu t\u00f6ten. Elektras Lebensaufgabe ist erf\u00fcllt. Sie stirbt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDen einzigen Schauplatz des antiken Psychodramas bildet eine dunkelblaue, optisch in den hinteren B\u00fchnenraum verzerrte Kammer. Sie stellt das Zimmer Elektras da. Die hintere Wand verl\u00e4uft als zur Decke hin ge\u00f6ffnete Schr\u00e4ge. Auch die T\u00fcren, ein Wandspiegel, ein Stehlampe sowie ein Schreibtisch und selbst das Bett sind an die r\u00e4umliche Verzerrung angepa\u00dft. Elektra, verwahrlost und ihr verfilztes Haar unter einer Per\u00fccke versteckend, scheint eher in einem Irrenhaus zu leben als in einem K\u00f6nigspalast. Die spottenden M\u00e4gde zu Beginn des St\u00fcckes sind Spiegelbilder ihrer selbst. Klyt\u00e4mnestra, dargestellt als eine aggressive, grausame und an den Rollstuhl gefesselte Greisin, klammert sich dank mobiler Infusion und Sauerstofflasche an das Leben. Nur Chrysothemis in buntem Minirock und T-Shirt birgt noch Lebenskraft in sich. Immer wieder verwandelt sich Elektras Kammer in den Alptraum ihrer Rachegel\u00fcste und \u00c4ngste. So stellen Statisten pantomimisch dar, wie sich Klyt\u00e4mnestra mit sieben entbl\u00f6\u00dften Br\u00fcsten mehreren M\u00e4nnern hingibt. Sprechende Riesenspinnen krabbeln an der Wand entlang, Agamemnon mit goldener Maske und ganz in Schwarz tritt schweigend auf und wieder ab, eine j\u00fcngere Version Elektras durchquert mit dem Beil das Zimmer, w\u00e4hrend Elektra verzweifelt danach gr\u00e4bt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMit r\u00e4umlich greifbarer Intensit\u00e4t und stark differenzierter Dynamik gelang es der <strong>Staatskapelle Weimar<\/strong> unter der hervorragenden Leitung von <strong>Martin Hoff<\/strong> den psychologischen Subtext von Strauss\u2019 Musik dem Publikum k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar zu machen. Man wurde durch die Klanggewalt des Orchesters regelrecht in seinen Sitz gedr\u00fcckt. Auch die Willensst\u00e4rke und das K\u00f6nnen von <strong>Catherine Foster<\/strong> (Elektra) beeindruckten an diesem Abend. Trotz offensichtlicher Erkrankung sang und spielte sie die \u00fcberaus anspruchsvolle Partie ohne Abstriche. Sowohl ihre Darstellung der Elektra und auch ihre s\u00e4ngerische Bandbreite bewiesen ein weiteres Mal ihr Ausnahmetalent. So gelangen ihr neben dramatische, bis ins Forte anschwellenden Phrasen auch leise, gesungene H\u00f6hen von gro\u00dfer Intensit\u00e4t.<br \/>\nIhr zur Seite stand die Altistin <strong>Leandra Overmann<\/strong> (Klyt\u00e4mnestra), welche zwischen gespielter Hysterie und rollenbedingtem R\u00f6cheln ihre Worte f\u00f6rmlich ausspie, dabei jedoch immer wieder mit Leichtigkeit in den reinen Gesang zur\u00fcckfand und damit ihrer Klyt\u00e4mnestra ganz besonderen Charakter verlieh. <strong>Claudia Iten<\/strong> als Chrysothemis begeisterte mit ihrem jugendlich-dramatischen Sopran und ihrem Gestaltungsenthusiasmus das Publikum, wie der anschlie\u00dfende Applaus zeigte. <strong>Renatus M\u00e9sz\u00e1r<\/strong> (Orest) und <strong>Frieder Aurich<\/strong> (Aegist) machten bei ihren kurzen Auftritten eine gute Figur. Besonders die Darstellung des verst\u00f6rten Orest, der am Ende des St\u00fcckes zu Elektra mutiert, gelang M\u00e9sz\u00e1r \u00fcberzeugend.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Weimarer Elektra versucht einen psychoanalytischen Blick auf den griechischen Mythos und thematisiert in aufreibender Art und Weise die gest\u00f6rte sexuelle Identit\u00e4t der Protagonistin sowie deren Verh\u00e4ltnis zu ihren Mitmenschen. Musikalisch bot die Staatskappelle Weimar dem Publikum alles und begeisterte von Anfang bis Ende. Das S\u00e4ngerensemble gen\u00fcgte h\u00f6chsten k\u00fcnstlerischen Anspr\u00fcchen und dank dem beeindruckenden Durchhalteverm\u00f6gen Catherine Fosters konnte auf den Einsatz der vorsorglich an der B\u00fchnenseite platzierten Gasts\u00e4ngerin verzichtet werden.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<br \/>\nDas Bild zeigt: Claudia Iten (Chrosthemis) beruhigt ihre Schwester Catherine Foster (Elektra)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. 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