{"id":1059,"date":"2010-02-20T17:59:00","date_gmt":"2010-02-20T16:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1059"},"modified":"2011-02-20T19:02:48","modified_gmt":"2011-02-20T18:02:48","slug":"karlsruhe-badisches-staatstheater-ariodante","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1059","title":{"rendered":"ARIODANTE &#8211; Karlsruhe, Badisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: anonyme Bearbeitung von Antonio Salvis Ginevra, Principessa di Scozia, nach Ludovico Ariostos Orlando furioso<br \/>\nRegie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peer Boysen, Choreographie: Benito Marcelino, Licht: Gerd Meier, Dramaturgie: Annabelle K\u00f6hler<br \/>\nDirigent: Michael Hofstetter, Badische Staatskapelle, Solo-Violine: Janos Ecseghy, Continuo-Gruppe: Thomas Leininger (Cembalo), Alexander Scherf (Rezitativ-Violoncello), Stefan Maas (Theorbe\/Barockgitarre), Stephan Rath und Michael D\u00fccker (Archiliuto)<br \/>\nSolisten: Mika Kares (Il R\u00e8 di Sozia), Kirsten Blaise (Ginevra), Franco Fagioli (Ariodante), Bernhard Berchtold (Lurcanio), Diana Tomsche (Dalinda), Ewa Wolak (Polinesso), Barbara De Koy (Odoardo), Benito Marcelino (Benedetto)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 19. Februar 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"karlsruhe-ariodante.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/karlsruhe-ariodante.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"karlsruhe-ariodante.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/karlsruhe-ariodante.jpg\" \/><\/a>Ginevra, die Tochter des schottischen K\u00f6nigs, und Ariodante lieben sich. Der Regent erkennt diese Liebe an und will Ariodante zu seinem Thronfolger machen. Doch auch Polinesso giert nach der Krone und sieht seine Chancen durch die bevorstehende Heirat schwinden. Er gaukelt daher Dalinda, der Hofdame Ginevras, die Erwiderung ihrer Gef\u00fchle vor, um mit ihrer Hilfe seinen intriganten Plan zu verwirklichen: Sie soll sich als Ginevra ausgeben und ihn in die Gem\u00e4cher der Prinzessin f\u00fchren. Ariodante, der vermeintlich Betrogen, wird f\u00fcr tot gehalten, \u00fcberlebt aber seinen Suizidversuch. Polinesso trachtet seinerseits Dalinda nach dem Leben. Als sie und Ariodante sich auf ihrer Flucht begegnen wird der Komplott aufgedeckt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDrei, den jeweiligen Szenen entsprechend gestaltete Raumfragmente auf einer Drehb\u00fchne dienen als Kulisse. So kann der Zuschauer mit etwas Phantasie den Akteuren in den Lustgarten, die Gem\u00e4cher der Prinzessin oder aber auch in den Thronsaal folgen. Kitschig-bunte Kost\u00fcme, die wie eine Parodie auf den barocken Prunk wirken, lassen bereits das gewisse Augenzwinkern erkennen, mit dem das Sujet behandelt wird. Die prinzipiell dramatische Handlung um Verleumdung und Liebe erf\u00e4hrt mittels witziger Details immer wieder komische Momente. So erf\u00e4hrt das Publikum am Schlu\u00df ausblicksartig, wie es nach dem obligatorischen Happy End mit den Protagonisten weitergeht. \u00c4nderungen der Regie tun der Oper jedoch keinen Abbruch, auch wenn prinzipiell keinen Wert auf barocke B\u00fchnenpraxis gelegt wird.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas <strong>Orchester<\/strong> unter der Leitung eines \u00fcberragend agierenden <strong>Michael Hofstetter<\/strong> war die gesamte Auff\u00fchrung \u00fcber f\u00fcr das Auditorium sichtbar. Fast auf gleicher H\u00f6he wie die B\u00fchne positioniert wurde ein imposanter Einblick in den Orchestergraben geboten und schon in der Ouvert\u00fcre war klar, da\u00df sich dieses Ensemble zurecht nicht verstecken mu\u00dfte: Dynamisch facettenreich und technisch einwandfrei widerlegte es die Annahme, barocke Musik sei entweder forte oder piano. Eine beachtliche Leistung bot dabei auch die Continuo-Gruppe, die w\u00e4hrend der viereinhalbst\u00fcndigen Auff\u00fchrung fast pausenlos im Einsatz war.<br \/>\nSchwierig ist es, einem der S\u00e4ngerinnen oder S\u00e4nger nach dieser glanzvollen Premiere den Vorzug zu geben: Alle brillierten mit technischer Perfektion, die sie mit enorm sicheren Koloraturen unter Beweis stellten. Ebenso exzellent und pr\u00e4zise waren die anspruchsvollen Colla-Parte-Abschnitte. Dabei werden ein oder mehrere Melodieinstrumente parallel (unisono) mit der Gesangsstimme gef\u00fchrt, wobei nat\u00fcrlicherweise Temposchwankungen oder Intonationstr\u00fcbungen besonders auffallen. Das Publikum honorierte diese Abschnitte mit h\u00e4ufigem Szenenapplaus. Vollkommen treffend waren die Gesangspartien besetzt: <strong>Kirsten Blaise<\/strong> (Ginevra) \u00fcberzeugte mit ihrem charakteristischen, in den H\u00f6hen kristallklaren Sopran, der auch im piano nie an Ausdruckskraft verlor. Diana Tomsche stellte mit ihrem hellen, schwebenden Sopran eine m\u00e4dchenhaft unschuldige Dalinda dar. <strong>Ewa Wolak<\/strong> als Polinesso zauberte mit ihrem Alt schattenreiche, herbe und liebevolle Emotionen auf die B\u00fchne und bot eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung. In nichts standen ihr <strong>Bernhard Berchtold<\/strong> (Lurcanio) mit einem erfrischend vibratoarmen, deshalb aber nicht minder ausdrucksstarken Tenor, und <strong>Mika Kares<\/strong> (Il R\u00e8 di Sozia) mit seinem sonoren Ba\u00df nach. Heimliche Vedette des Abends war der argentinische Countertenor <strong>Franco Fagioli<\/strong> in der Titelrolle des Ariodante. In schwindelerregendem Tempo trug der die Bravour- und Virtuosenarie <em>Con l\u2019ali di costanza \u2013 Mit den Fl\u00fcgeln der Best\u00e4ndigkeit<\/em> vor und erntete mit Fug und Recht Bravorufe und langen Beifall. Das abgrundtief traurige <em>Scherza, infida \u2013 Vergn\u00fcge dich, Untreue<\/em><br \/>\nerklang bezaubernd und herzergreifend und lie\u00df viel Raum, um seinen gro\u00dfartigen Countertenor voll zu entfalten.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung wurde \u00fcberwiegend positiv aufgenommen, und es lohnte sich auf jeden Fall, die Oper zu besuchen. Leider sind bereits alle Vorstellungen ausverkauft. Wer auf gro\u00dfe Ballettinszenierung hofft wartet allerdings vergebens \u2013 die Traumszene am Ende des zweiten Aktes wird ohne Tanz, daf\u00fcr mit symbolgeladenen Elementen realisiert: Die Kreuzigung Ginevras wurde auch prompt mit einem Buh honoriert. Am Ende allerdings gab es tosenden Applaus f\u00fcr alle Akteure.<br \/>\nIsabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Jacqueline Krause-Burberg<br \/>\nDas Bild zeigt v.l.n.r.: Diana Tomsche (Dalinda), Kirsten Blaise (Ginevra), Benito Marcelino (Benedetto, Geistlicher des K\u00f6nigs), Mika Kares (Il R\u00e8 di Sozia), Barbara de Koy (Odoardo, Geistlicher des K\u00f6nigs), Bernhard Berchtold (Lurcanio), Franco Fagioli (Ariodante), Ewa Wolak (Polinesso)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: anonyme Bearbeitung von Antonio Salvis Ginevra, Principessa di Scozia, nach Ludovico Ariostos Orlando furioso Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peer Boysen, Choreographie: Benito Marcelino, Licht: Gerd Meier, Dramaturgie: Annabelle K\u00f6hler Dirigent: Michael<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1059\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[91,1],"tags":[],"class_list":["post-1059","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-karlsruhe-badisches-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1059"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2528,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions\/2528"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}