{"id":1052,"date":"2010-01-23T19:45:04","date_gmt":"2010-01-23T17:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1052"},"modified":"2010-03-21T13:25:26","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:26","slug":"gera-landestheater-ariadne-auf-naxos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1052","title":{"rendered":"Gera, Landestheater &#8211; ARIADNE AUF NAXOS"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss, Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 4. Oktober 1916, Hofoper Wien<br \/>\nRegie: Matthias Oldag; B\u00fchnenbild: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Mathias R\u00fcmmler<br \/>\nDirigent: Eric Sol\u00e9n, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera<br \/>\nSolisten: G\u00fcnther Markwarth (Haushofmeister), Teruhiko Komori (Musiklehrer), Marie-Luise Dre\u00dfen (Komponist), Ricardo Tamura (Tenor\/Bacchus), Kim Sheehan (Zerbinetta), Kirsten Blanck (Primadonna\/Ariadne), Birger Radde (Harlekin), Peter Paul Haller (Scaramuccio), Bernhard H\u00e4nsch (Truffaldino), Fritz Feilhaber (Brighella), Julia Sophie Wagner (Najade), Christina Bock (Dryade), Paula Rummel (Echo), Peter Projtchev (Offizier), Michael Siemon (Tanzmeister), Heiko Retzlaff (Per\u00fcckenmacher), Sindre Ogaard (Lakai)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 22. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"gera-ariadne.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/gera-ariadne.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"gera-ariadne.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/gera-ariadne.jpg\" \/><\/a>Im Vorspiel erf\u00e4hrt das Publikum, da\u00df anl\u00e4sslich eines rauschenden Festes eines reichen Wieners die neue Opera seria \u201eAriadne auf Naxos\u201c eines talentierten, jungen Komponisten uraufgef\u00fchrt werden soll. Als anschlie\u00dfende Gem\u00fctserfrischung w\u00fcnscht der Gastgeber eine komische Tanzeinlage mit Gesang durch eine Commedia-dell\u2019arte-Truppe. Unerwartet wird die festgelegte Programmfolge umgesto\u00dfen, und der reiche Herr verlangt die Zusammenlegung von ernster Oper und Kom\u00f6die. Der Komponist f\u00fchlt sich in seiner k\u00fcnstlerischen Freiheit beschnitten, aber Zerbinetta, Star der Kom\u00f6dianten, kann ihn beschwichtigen. Die anschlie\u00dfende Oper in einem Akt erz\u00e4hlt die Geschichte der Ariadne, welche von ihrem Verlobten Theseus auf Naxos zur\u00fcckgelassen wird. In unendlicher Trauer \u00fcber ihr Schicksal ersehnt sie sich den Tod. Zerbinetta und ihre Truppe versuchen erfolglos, durch Tanz und Gesang Ariadne zu tr\u00f6sten und abzulenken. Als unerwartet der Gott Bacchus, gerade den F\u00e4ngen der Zauberin Circe entkommen, auf der Insel ankommt, h\u00e4lt Ariadne ihn zun\u00e4chst f\u00fcr den Todesboten und folgt ihm auf sein Schiff.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Geraer Inszenierung verlegt die Handlung beider Werkteile in unsere Zeit, wobei auf Schlichtheit geachtete wurde und B\u00fchnenbild wie Kost\u00fcme einen zeitlosen Charakter bekommen haben. In einem kurzen pantomimischen Vorspiel w\u00e4hrend des Einlasses wird das Publikum mit dem Theateralltag konfrontiert: Auf der B\u00fchne, dekoriert mit dem alten Prospekt eines barocken Wandgem\u00e4ldes, schieben Techniker ein Klavier hin und her und st\u00f6ren dabei den Komponisten bei den letzten \u00c4nderungen an seiner neuen Oper. Die Kost\u00fcme wie auch die szenische Anordnung auf der B\u00fchne erzeugen eine klare Trennung von Seria- und Buffo-Personal. Die Commedia-dell\u2019arte-Truppe in Motorradbekleidung wird zur Rockband umgedeutet. Das B\u00fchnenbild f\u00fcr die eigentliche Oper besteht aus einer Spiegelung des Geraer Zuschauerraums, allerdings halb ruin\u00f6s. Er ist mit Girlanden und einer langen, festlichen Tafel mit gro\u00dfer Hochzeitstorte dekoriert. Zerbinetta, in leuchtend rotem Glitzerkleid als Kontrast zu Ariadne im wei\u00dfen Hochzeitskleid, und ihre Kollegen bilden das Hochzeitsorchester.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie besten S\u00e4nger dieses Opernabends waren <strong>Marie-Luise Dre\u00dfen<\/strong> (Komponist) und <strong>Kim Sheehan<\/strong> (Zerbinetta). Beide Sopranistinnen begeisterten mit ihrer Leistung vor allem im Gesang, aber auch darstellerisch. Im Gegensatz zu ihnen spielten die anderen Darsteller aufgesetzt und ausdruckslos. Marie-Luise Dre\u00dfen gab eine charakterreiche Darstellung des \u00fcbersensiblen, tr\u00e4umerischen Komponisten, so wie man sich ihn im 19. Jahrhundert vorstellte. In ihren anspruchsvollen Passagen brillierte die junge S\u00e4ngerin mit ihrer schlanken, hohen Stimme und schuf dennoch romantisches Pathos. Die weit auseinander liegenden Tonspr\u00fcnge und abrupten Wechsel von hohen Legato-Phrasen zum Parlando gelangen ihre ohne Schwierigkeiten. Kim Sheehan faszinierte das Publikum mit ihrem<em> Kommt der neue Gott gegangen<\/em> mit technisch einwandfrei gesungenen Koloraturen. Die dramatische Sopranistin <strong>Kirsten Blanck<\/strong> (Ariadne) und der Helden-Tenor <strong>Ricardo Tamura<\/strong> (Bacchus) machten im Lamento der Ariadne und der Schlu\u00dfapotheose ihrem Fach alle Ehre. Das <strong>Philharmonische Orchester Gera-Altenburg<\/strong> unter der Leitung von <strong>Eric Sol\u00e9n<\/strong> blieb trotz der farbigen Komposition bla\u00df, zur\u00fcckhaltend und untermalte lediglich das B\u00fchnengeschehen. Nur vereinzelt konnte man die klanglichen M\u00f6glichkeiten des Orchesters erahnen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMathias Oldag gelingt ein augenzwinkernder Blick auf den Theateralltag und eine ironische Betrachtung der vorgeblichen Konkurrenz von U- und E-Musik. Wenn noch vor dem Fall des Vorhangs das Opernpersonal sich bei der Apotheose erhebt, als sei nichts geschehen, stirbt die Illusion und dem Zuschauer wird das Theaterst\u00fcck in dem Theaterst\u00fcck als solches bewu\u00dft gemacht. Musikalisch und darstellerisch war die Premiere ein Opernabend mit H\u00f6hen und einigen Tiefen.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild:\u00a0Stephan Walzl<br \/>\nDas Bild zeigt: Kim Sheehan (Zerbinetta) und ihre Kollegen (Birger Radde, Bernhard H\u00e4nsch, Fritz Feilhaber und Peter Paul Haller) versuchen Kirsten Blanck (Ariadne) zu erheitern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss, Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 4. 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