{"id":1048,"date":"2010-01-27T19:32:35","date_gmt":"2010-01-27T17:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1048"},"modified":"2010-03-21T13:25:18","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:18","slug":"erfurt-theater-agrippina","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1048","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; AGRIPPINA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto von Vincenzo Grimani, Strichfassung von Michael Hampe, deutsch von Samuel B\u00e4chli und Berthold Warnecke, UA: 26. Dezember1709, Venedig, Teatro San Giovanni Crisostomo<br \/>\nRegie: Michael Hampe, Ausstattung: Hank Irwin Kittel<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchester Erfurt<br \/>\nSolisten: Marisca Mulder (Agrippina), Albert Pesendorfer (Claudio), Peter Sch\u00f6ne (Nerone), Rebekah Rota (Poppea), Mireille Lebel (Ottone), Mate Solyom-Nagy (Lesbo), Florian G\u00f6tz (Pallante), Marwan Shamiyeh (Narciso).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-agrippina.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/erfurt-agrippina.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-agrippina.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/erfurt-agrippina.jpg\" \/><\/a>Agrippina erf\u00e4hrt vom angeblichen Tod ihres Gatten Claudio, des Kaisers von Rom. Sie schickt daraufhin die ihren ergebenen Dienern Narciso und Pallante, um im Volk den Namen ihres Sohnes Nero als neuen Herrscher zu verbreiten. W\u00e4hrend der Ausrufung Neros wird die R\u00fcckkehr Claudios bekannt, der Ottone als Dank, da\u00df dieser ihm das Leben rettete, zum neuen Kaiser ausruft. Dieser w\u00fcrde wegen seiner Liebe zu Poppea, einer im Kaiserhaus hochbegehrten Dame, sogar auf den Thron verzichten, wovon auch Agrippina wei\u00df. Als der in Leidenschaft entbrannte Claudio zu Poppea eilt, verweigert diese ihm ihre Zuneigung auf den Rat Agrippinas hin, denn Ottone als neuer Kaiser beanspruche sie nun f\u00fcr sich. Bei einem Zusammentreffen Poppeas mit Ottone bemerken beide die Intrige Agrippinas. Um sich zu r\u00e4chen, bestellt Poppea Nero in ihr Gemach. Als Claudio eintrifft bezeichnet sie diesen als den eigentlichen Usurpator. Auch Narciso und Pallante offenbaren Claudio den Betrug Agrippinas. Diese versichert, so gehandelt zu haben, um dem Kaiser den Thron zu bewahren. So gew\u00e4hrt Claudio am Ende Nero den Thron und legitimiert das Verh\u00e4ltnis Poppeas und Ottones.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Ausstattung spiegelt die barocken Traditionen der Urauff\u00fchrung wieder, denn schon damals orientierte man sich \u2013 wenn es um die R\u00f6merzeit ging \u2013 an der Renaissance. So besteht das B\u00fchnenbild aus Rundb\u00f6gen und einer Hallenkuppel wie dem Pantheon, die sich durch Wegnahme einzelner Mauerteile auch in eine Gartenlandschaft mit Ruinen verwandeln l\u00e4\u00dft. Auch die Kost\u00fcme entstammen dieser Zeit und sind daher sehr farbenpr\u00e4chtig und gerade hinsichtlich der Frisuren sehr aufwendig. Allerdings zeigt Michael Hampe in dem barocken B\u00fchnenbild kein barockes Rampen- und Stehtheater, sondern er bem\u00fcht sich um eine durchdachte Handlung, was allerdings manchmal zu kuriosen Situationen f\u00fchrt \u2013 moderne Regietheatergesten wirken hier manchmal etwas aufgesetzt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die Produktion in Erfurt wurde vom Regisseur <strong>Michael Hampe<\/strong>, dem Dirigenten <strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> und dem Hausdramaturgen <strong>Berthold Warnecke<\/strong> eine deutlich (um fast 1 Stunde) gek\u00fcrzte Fassung erstellt und ins Deutsche \u00fcbertragen. Auch wurden dabei einige Rollen in ein anderes Stimmfach verlagert. So wurde die eigentlich f\u00fcr einen Sopranisten vorgesehene Rolle des Nero von <strong>Peter Sch\u00f6ne<\/strong> verk\u00f6rpert, der sich mit tollen Koloraturen und einem sch\u00f6nen baritonalen Timbre auszeichnet. Ottone sollte mit einem Alt besetzt sein, daher wirkt <strong>Mireille Lebel<\/strong> als Mezzo vor allem in den Rezitativen zu wenig burschikos \u2013 auch wenn sie als Mezzo ohne Fehl und Tadel ist. Narzis \u2013 vorgesehen f\u00fcr einen Altisten \u2013 ist mit dem Tenor <strong>Marwan Shamiyeh<\/strong> klanggetreu (und erfreulich klangsch\u00f6n) besetzt, er erg\u00e4nzt sich hervorragend mit<strong> Florian G\u00f6tz<\/strong> als sein Kollege Pallas. Die Hauptrollen entsprechen den Erwartungen, bis auf <strong>Albert Pesendorfer<\/strong> (Claudius), der einfach zu wenig ba\u00df-baritonale Tiefe entwickelt. <strong>Marisca Mulders<\/strong> dramatischer Sopran hat f\u00fcr die Agrippina vielleicht etwas zuviel Sch\u00e4rfe, besonders in den hohen Lagen der Koloraturen. Die Popea wird von <strong>Rebekah Rota<\/strong>, die ihre erkrankte Kollegin vertritt, mit heller klarer Sopranstimme pr\u00e4sentiert. Gewohnt souver\u00e4n <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> als Lesbus. <strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> pr\u00e4sentiert seine eigene Bearbeitung sehr durchdacht und f\u00fchrt das von ihm hervorragend pr\u00e4parierte <strong>Philharmonische Orchester<\/strong> nicht nur in die gehobenen barocken Klangwelten ein, sondern ihm gelingt auch der Nachweis, da\u00df H\u00e4ndels Agrippina eine der wichtigsten Barockopern und wahrscheinlich auch H\u00e4ndels musikalisch \u00fcberzeugendstes Werk ist.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Frage warum man diese Oper deutlich k\u00fcrzt und auf deutsch singt ist akademisch. Die Klangbilder sind durch eine andere Sprache immer anders als das Original und damit gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Andererseits wird auch allen Zuh\u00f6rern deutlich wie wenig Handlung durch die Arien dargestellt wird und noch dazu immer wieder wiederholt wird \u2013was auch f\u00fcr einige nette Lacher in der Inszenierung gut ist. Bemerkenswert an dieser Stelle die ausgezeichnete Aussprache und damit gute Wortverst\u00e4ndlichkeit aller Akteure. Als Ergebnis relativ kurzer aber freundlicher Applaus. Vielleicht hat das Publikum unter dem in der Werbung angek\u00fcndigten Motto<em> Gefeierte Oper H\u00e4ndels<\/em> etwas anderes verstanden. Barocke Feiern und auch Opern sind eben etwas verschieden von heutigen Feiern.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Hank Irwin Kittel<br \/>\nDas Bild zeigt: Agrippina (Marisca Mulder) spinnt mit Nero (Peter Sch\u00f6ne) ihre Intrigen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto von Vincenzo Grimani, Strichfassung von Michael Hampe, deutsch von Samuel B\u00e4chli und Berthold Warnecke, UA: 26. 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