{"id":1038,"date":"2010-02-02T21:51:22","date_gmt":"2010-02-02T19:51:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1038"},"modified":"2010-03-21T13:25:13","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:13","slug":"darmstadt-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1038","title":{"rendered":"Darmstadt, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em><strong>Gisei \u2013 Das Opfer<\/strong><\/em><br \/>\nvon Carl Orff (1895-1982), Musikdrama vom Komponisten, frei nach dem japanischen Drama Terakoya von Takeda Izumo (Regie, Dirigent, Chor und Orchester, UA s. unten.)<br \/>\nSolisten: Aki Hashimoto (Kwan Shusai und Kotaro), Andreas Daum (Matsuo), Oleksandr Prytolyuk (Genzo), Susanne Serfling (Tonami), Anja Vincken (Chiyo), Sven Ehrke (Gemba)<br \/>\n<em><br \/>\n<strong>De temporum fine comoedia \u2013 Das Spiel vom Ende der Zeiten<\/strong><\/em><br \/>\nMusik und Text von Carl Orff, UA: 20. August 1973, Salzburger Festspiele<br \/>\nRegie: John Dew, B\u00fchne: Heinz Balthes, Kost\u00fcme: Jos\u00e9-Manuel V\u00e1zquez<br \/>\nChoreographische Mitarbeit: Mei Hong Lin<br \/>\nDirigent: Constantin Trinks, Staatsorchester Darmstadt, Chor, Kinderchor und Extrachor, Chor des Musikvereins Darmstadt, Choreinstudierung: Andr\u00e9 Weiss<br \/>\nSolisten: Susanne Serfling, Katrin Gerstenberger, Anja Vincken, Aki Hashimoto, Niina Keitel, Gundula Schulte, Margaret Rose Koenn, Yun Jeong Cho, Elisabeth Hornung (Die Sybillen), Lucian Krasznec, Sven Ehrke, Jeffrey Treganza, Oleksandr Prytolyuk, David Pichlmaier, Malte Godgl\u00fcck, Andreas Daum, John In Eichen, Thomas Mehnert (Die Anachoreten), Thomas Mehnert (Der Chorf\u00fchrer), Andreas Daum (Lucifer), Elisabeth Hornung (Alt-Solo), Lucian Krasznec (Tenor-Solo)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 30. Januar 2010 (De temporum fine comoedia (Premiere), Gisei (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Gisei<\/em><\/strong><br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"darmstadt-gisei.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/darmstadt-gisei.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"darmstadt-gisei.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/darmstadt-gisei.jpg\" \/><\/a>Matsuo und Chiyo beklagen das Schicksal ihres Kindes. Chiyo bringt ihren Sohn Kotaro zu Lehrer Genzo in die Dorfschule. Dieser bemerkt sofort die erstaunliche \u00c4hnlichkeit Kotaros mit seinem eigenen Sohn Kwan Shusai, der allerdings nicht sein leibliches Kind ist, sondern der Sohn des ermordeten Kanzlers. Die Gefolgsleute des neuen Kanzlers, Gemba und Matsuo, wissen \u00fcber Kwan Shusai Bescheid und verlangen seinen Kopf. Um seinen Ziehsohn zu sch\u00fctzen, \u00fcbergibt Genzo den Gesandten den Kopf Kotaros. Als Chiyo ihren Sohn abholen will, will Genzo sie erschlagen, doch es stellt sich heraus, da\u00df sie den Tod ihres Sohnes vorausgesehen hat. Sie brachte ihn zu Genzo, um ihn zu opfern. Sie und ihr Mann nehmen Abschied von ihrem Kind, Chiyo stirbt.<\/p>\n<p><strong><em>De temporum fine comoedia<\/em><\/strong><br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDie Sybillen verk\u00fcnden das Ende der Welt. Ihren negativen Verk\u00fcndigungen setzen die Anachoreten, Einsiedler der W\u00fcste, ihre Ansicht entgegen: Niemand wird f\u00fcr seine Taten bestraft, niemand f\u00fcr ewig verdammt. Der Himmel ist eingest\u00fcrzt, die Sonne verschwunden und die letzten Menschen bitten Gott um das Ende. Das Weltgericht bleibt aus.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<em>Gisei<\/em> wird traditionell inszeniert: Eine Wand aus Reispapier, ein Kirschbaum darauf gemalt, ein rotes Gel\u00e4nder. Die Urauff\u00fchrung von Carl Orffs Jugendwerk wird vom Darmst\u00e4dter Intendanten John Dew bewu\u00dft schlicht gehalten. Die S\u00e4nger treten auf in weiten Gew\u00e4ndern, mit wei\u00df geschminkten Gesichtern, ruhigen und bedachten Bewegungen, was alles stark an die traditionelle japanische Schauspielkunst erinnert.<br \/>\n<em>De temporum fine comoedia (Zweites St\u00fcck des Abends)<\/em><br \/>\nDie B\u00fchne ist leer. Eine blaue, durchsichtige Leinwand l\u00e4\u00dft den Blick auf die S\u00e4ngerinnen frei, welche dann beim zweiten Werkabschnitt, dem der Anachoreten, gel\u00fcftet wird. Nun stehen Masken und Totempf\u00e4hle auf der B\u00fchne. Zum finalen Teil sieht man die B\u00fchne ohne jegliche Kulisse. Die letzten Menschen erscheinen in Alltagskleidung. Lucifer versinkt am Ende in der rotgl\u00fchenden H\u00f6lle unterhalb der B\u00fchne.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Oleksandr Prytolyuk<\/strong> (Genzo) war die Verzweiflung \u00fcber das drohende Schicksal seines Sohnes anzusehen. Er bot eine vollkommen glaubw\u00fcrdige schauspielerische Leistung. Gesanglich ragte er aus dem Ensemble heraus, wie auch<strong> Andreas Daum<\/strong> (Matsuo), der seine Ba\u00dfpartie hervorragend sang. Eine der emotionalsten Partien des Abends bot <strong>Anja Vincken<\/strong> (Chiyo). Ihr Schmerz \u00fcber den Verlust des einzigen Kindes war in jedem Ton zu sp\u00fcren, wobei sie ihre Stimme immer klar und weich einsetzte und nie aus der erforderten, typisch japanischen Zur\u00fcckhaltung ausbrach. Die Masse des erweiterten <strong>Chores<\/strong> und das mit Schlagwerk aufgestockte Orchester klangen im Zuschauerraum gewaltig. Der Abend begann mit einem dunklen, tiefen Grollen, das das <strong>Darmst\u00e4dter Staatsorchester<\/strong> unter <strong>Constantin Trinks<\/strong> schaurig aus dem leisesten Pianissimo auftauchen lie\u00df. Derlei akustische Feinheiten, mit dem Augenmerk auf Akzentuation und den f\u00fcr den Komponisten charakteristischen perkussiven Elementen, zogen sich durch die gesamte Auff\u00fchrung. Die Musiker setzten die rhythmischen Vorstellungen Orffs gekonnt um. Den Abschlu\u00df von <em>De temporum fine comoedia<\/em> bildete die Einspielung des Violinkanons aus der 1973er Urauff\u00fchrung unter Leitung von Herbert von Karajan.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Urauff\u00fchrung des Werks eines verstorbenen Komponisten ist eine gro\u00dfe Herausforderung an das gesamte Ensemble und die Spielleitung. John Dew und Constantin Trinks zeigten mit ihrer Umsetzung ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die Ideen Orffs, dessen Werke seit einiger Zeit in Darmstadt als Reihe aufgef\u00fchrt werden. Zum Ende hielt es das Publikum im fast ausverkauften Haus nicht mehr auf den Sitzen: Starker Applaus und laute Bravorufe.<\/p>\n<p>Sophia Kr\u00fcger<\/p>\n<p>Bild: Barbara Aum\u00fcller<br \/>\nDas Bild zeigt Andreas Daum (Matsuo) und Anja Vincken (Chiyo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gisei \u2013 Das Opfer von Carl Orff (1895-1982), Musikdrama vom Komponisten, frei nach dem japanischen Drama Terakoya von Takeda Izumo (Regie, Dirigent, Chor und Orchester, UA s. unten.) 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