{"id":1031,"date":"2010-02-03T19:08:22","date_gmt":"2010-02-03T17:08:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1031"},"modified":"2010-03-21T13:25:07","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:07","slug":"munster-stadtische-buhnen-lulu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1031","title":{"rendered":"M\u00fcnster, St\u00e4dtische B\u00fchnen &#8211; LULU"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. Berg nach Frank Wedekind, dritter Akt vervollst\u00e4ndigt von Friedrich Cerha, UA: 2. Juni 1937 (unvollendete Fassung), Z\u00fcrich, Opernhaus<br \/>\nRegie: Ern\u00f6 Weil, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Daniel Dvo\u0159\u00e1k,  Dramaturgie: Jens Ponath und Justus Wenke<br \/>\nDirigent: Fabrizio Ventura, Sinfonieorchester M\u00fcnster<br \/>\nSolisten: Henrike Jacob (Lulu), Suzanne McLeod (Gr\u00e4fin Geschwitz), Olaf Plassa (Dr. Sch\u00f6n\/Jack the Ripper), Wolfgang Schwaninger (Alwa), Judith Gemmrich (Theatergarderobiere\/Gymnasiast\/Groom), Andrea Shin (Maler), Donald Rutherford (Schigolch), Johannes Schw\u00e4rsky (Athlet), Fritz Steinbacher (Prinz), Peter Jahreis (Medizinalrat) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 31. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"munster-lulu.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/munster-lulu.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"munster-lulu.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/munster-lulu.jpg\" \/><\/a>Lulus erste Ehe mit dem betagten Medizinalrat findet ihr Ende, als der sie beim Liebesspiel mit dem Maler \u00fcberrascht und daraufhin einen Herzschlag erleidet. Die Heirat mit dem Maler beschert Lulu gro\u00dfen Wohlstand, da der er ihre Portraits teuer verkaufen kann. Als der Chefredakteur Dr. Sch\u00f6n dem Maler jedoch von seiner langj\u00e4hrigen Liaison mit Lulu berichtet, begeht der Betrogene voller Verzweiflung Selbstmord. Dr. Sch\u00f6n mu\u00df als dritter Ehemann Lulus seine Gattin mit vielen Verehrern teilen. Als er seine Frau zum Selbstmord zwingen will, bringt Lulu stattdessen ihn um. Lulus anschlie\u00dfender Gef\u00e4ngnisaufenthalt ist jedoch nicht von langer Dauer, da ihr Gr\u00e4fin Geschwitz, die ihr ebenfalls verfallen ist, zur Flucht verhelfen kann. Mit Alwa und Schigolch lebt sie als B\u00f6rsenspekulantin in Paris und flieht nach Verlust ihres gesamten Verm\u00f6gens nach London. Als Prostituierte wird sie von einem ihrer Freier ermordet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nIm ersten und zweiten Akt zeigt das B\u00fchnenbild viele alte M\u00f6bel. Gro\u00dfz\u00fcgige R\u00e4ume mit antiken Sesseln werden von warmem Licht durchflutet. Die Wohnung von Dr. Sch\u00f6n ist dagegen schlicht eingerichtet. Im dritten Akt wird ein grell erleuchteter, silberner Festsaal gezeigt. Die letzte Szene findet in einem leeren, dunklen Zimmer statt. Eine Gl\u00fchbirne baumelt von der Decke und unentwegt tropft Wasser in zwei Eimer. Das einzige durchgehende Element der Inszenierung ist das Portrait Lulus. Es taucht in jeder Szene auf, etwa als Deckengem\u00e4lde oder als zerknittertes Plakat. In wei\u00dfer Unterw\u00e4sche und mit roter Schleife im Haar betritt Lulu das Atelier des Malers. Im zweiten Akt n\u00e4hert sie sich optisch der m\u00e4nnlich anmutenden Gr\u00e4fin Geschwitz an, indem sie einen Herrenfrack tr\u00e4gt. Im dritten Akt ist Lulu zun\u00e4chst mit einer ausladenden blonden Per\u00fccke, einem schrillen Hosenanzug und Plateauschuhen zu sehen. Als Prostituierte tr\u00e4gt sie knappe Hot Pants und pinkfarbene Lackstiefel.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Henrike Jacob<\/strong> (Lulu) gelang eine feinf\u00fchlige Koordination von impulsiven und einschmeichelnden stimmlichen Nuancen. \u00dcberdies \u00fcberzeugte sie bei den zahlreichen \u00dcberg\u00e4ngen zwischen Gesang und Sprache. Besonders in ihrem <em>Wenn sich die Menschen um meinetwillen umgebracht haben, so setzt das meinen Wert nicht herab<\/em> beeindruckte sie durch scheinbar m\u00fchelos gesungene Koloraturen. In schauspielerischer Hinsicht stellte sie die Femme fatal glaubhaft dar, indem sie sich sowohl verf\u00fchrerisch auf der B\u00fchne r\u00e4kelte als auch zum anderen mimisch keinen Zweifel an der Abgebr\u00fchtheit Lulus aufkommen lie\u00df. Die innere Zerrissenheit Dr. Sch\u00f6ns zwischen der h\u00f6rigen Liebe zu Lulu und seinen moralischen Grunds\u00e4tzen stellt<strong> Olaf Plassa<\/strong> glaubhaft dar. Seinen klaren Bariton bringt er mit viel Energie zur Geltung, Gleichzeitig gelingt es ihm, seine Stimme an den richtigen Stellen bewu\u00dft br\u00fcchig klingen zu lassen. Auf diese Weise tr\u00e4gt er zur authentischen Darstellung eines verzweifelten Mannes bei. <strong>Wolfgang Schwaninger<\/strong> (Alwa) \u00fcberzeugte mit seiner lyrischen und zugleich kr\u00e4ftigen Tenorstimme. Besonders die sehr anspruchsvollen, auf Zw\u00f6lftonreihen basierenden Passagen bew\u00e4ltigte er mit beeindruckender Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Den v\u00e4terlichen Schigolch stellte <strong>Donald Rutherford<\/strong> nachvollziehbar dar, mit dunkler und dennoch durchdringender Ba\u00dfstimme. Daneben beeindruckte er durch sein Spiel, indem er seiner Figur das richtige Ma\u00df an Zwielichtigkeit und Altersm\u00fcdigkeit zuma\u00df. Vor dem Hintergrund des beinahe durchweg atonalen musikalischen Materiales zeichnete sich das gesamte Ensemble durch Souver\u00e4nit\u00e4t und Sicherheit seiner Tongebung aus.<br \/>\nDas Dirigat <strong>Fabrizio Venturas<\/strong> lie\u00df die Komplexit\u00e4t der Komposition mit enormer Leichtigkeit Klang werden. Mit Feingef\u00fchl wurden die Tempi gestaltet und tonale anmutende Passagen oder die Leitmotivik wirkungsvoll herausgearbeitet. Besonders die Bl\u00e4ser imponierten durch affektvolle dynamische Kontraste.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nTrotz einer Dauer von knapp vier Stunden l\u00e4\u00dft die Inszenierung dank ihrer Variationen von Kost\u00fcmen und B\u00fchnenbild keine L\u00e4ngen entstehen. Das Ensemble zeigte ausnahmslos gesangliche H\u00f6chstleistungen und vermittelte dem Zuschauer auf diese Weise anschaulich die atonale Musik Bergs.<br \/>\nLaura Hamdorf<\/p>\n<p>Bild: Michael H\u00f6rnschemeyer<br \/>\nDas Bild zeigt:  Henrike Jacob (Lulu), Wolfgang Schwaninger (Alwa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. Berg nach Frank Wedekind, dritter Akt vervollst\u00e4ndigt von Friedrich Cerha, UA: 2. 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