{"id":1028,"date":"2010-02-03T16:27:01","date_gmt":"2010-02-03T14:27:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1028"},"modified":"2010-03-21T13:25:09","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:09","slug":"freiburg-theater-le-grand-macabre","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1028","title":{"rendered":"Freiburg, Theater &#8211; LE GRAND MACABRE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gy\u00f6rgy Ligeti (1923-2006), Oper in vier Bildern, Libretto: Michael Meschke, Gy\u00f6rgy Ligeti, UA: 1978 K\u00f6nigliche Oper Stockholm<br \/>\nRegie: Calixto Bieito, B\u00fchne: Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Marian Coromina, Licht: Marcus B\u00f6nzli, Dramaturgie: Dominica Volkert<br \/>\nDirigent: Jimmy Chiang, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor des Theater Freiburg, Choreinstudierung: Bernhard Moncado, Solisten: Gabriel Urrutia (Nekrotzar), Patrick Jones (Piet vom Fa\u00df), Leandra Overmann (Mescalina), Jin Seok Lee (Astradamors), Jana Havranova (Clitoria), Sang Hee Kim (Spermando), Lini Gong (Gepopo\/Venus), Xavier Sabata (F\u00fcrst Go-Go), Klaus Gerber (Wei\u00dfer Minister), Matthias Flor (Schwarzer Minister), Sergiy Zinchenko (Ruffiak), Leon Warnock (Schobiack), Lorenz Minth (Schabernack)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 31. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"freiburg-la-grande-macabre.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/freiburg-la-grande-macabre.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"freiburg-la-grande-macabre.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/freiburg-la-grande-macabre.jpg\" \/><\/a>Im abendlichen Breughelland erscheint der mysteri\u00f6se Nekrotzar und verk\u00fcndet, die Welt werde um Mitternacht untergehen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Weinabschmecker Piet vom Fa\u00df, der ihm als Pferd dient, zieht er los um die Botschaft zu verk\u00fcnden. Die ihren Ehemann Astradamors penetrierende Mescalina w\u00fcnscht sich von G\u00f6ttin Venus eine l\u00fcsterne Nacht. Nachdem ihr dieser Wunsch von Nekrotzar erf\u00fcllt wird, stirbt sie, und Astradamors schlie\u00dft sich der Gruppe an. Am Hof von F\u00fcrst Go-Go kommt es daraufhin gemeinsam mit dessen Ministern, der Chefin der Geheimpolizei, und dem Volk zu einem letzten gro\u00dfen Bes\u00e4ufnis. Um Mitternacht gibt es einen gro\u00dfen Knall, der gro\u00dfe Verwirrung mit sich bringt. Auch Nekrotzar, der gro\u00dfe Makabre, hat im Rausch die Orientierung verloren. Ist die Welt nun untergegangen oder nicht? Schlie\u00dflich gelangt man zu der \u00dcberzeugung, noch am Leben zu sein, da alle noch Durst haben. Die Frage, wer Nekrotzar nun wirklich sei, bleibt offen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Calixto Bieito, bekannt durch seine skandaltr\u00e4chtigen Auff\u00fchrungen, bietet Ligetis Anti-Anti-Oper eine \u00e4u\u00dferst dankbare Vorlage. Keine Gelegenheit zu Travestie, Klamauk und derben Karnevalsspielen, die im Libretto \u00fcberreich angelegt sind, bleibt ungenutzt. So rollt Piet vom Fa\u00df zu Beginn des ersten Aktes mit einer fahrbaren Toilettensch\u00fcssel auf die B\u00fchne, in die er vom maskierten Nekrotzar zur Strafe hineingetaucht wird. Mescalinas Wunsch nach<em> einer wirklich geilen Nacht<\/em> kommt der gro\u00dfe Makabre mit einem aufblasbaren, Sperma verspritzenden Riesendildo nach, der anschlie\u00dfend unter dem Gel\u00e4chter des Publikums \u00fcber selbiges hinweg wandern darf. Zuvor peitscht die wie eine Nonne Gekleidete ihren in Frauenkleidern und St\u00f6ckelschuhen steckenden Ehemann in der Gegend herum. Der schwarze Minister am Hof sieht aus wie Angela Merkel. Das B\u00fchnenbild bleibt in allen drei Akten das gleiche, nur die Beleuchtung \u00e4ndert sich von Zeit zu Zeit: Auf der Drehb\u00fchne windet sich in Rundform ein von Pf\u00e4hlen gest\u00fctzter Holzweg empor, der in eine Plattform \u00fcbergeht. In der B\u00fchnenmitte befindet sich ein aufgesch\u00fctteter Erdhaufen. Da\u00df die Zuschauer vor Beginn der Vorstellung im Foyer ein klingender Altar empf\u00e4ngt, mit dem Tod als Heiligen, r\u00fcckt die Auff\u00fchrung in die N\u00e4he lateinamerikanischer Totenfeiern.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nOb bewegte Klangfl\u00e4chen, sprach\u00e4hnliche, \u00fcberzeichnete Gesten, musikalische Parodien aufs Barock bzw. Richard Wagner oder Ger\u00e4uschhaftes: Es ist beinahe unglaublich, wie perfekt das <strong>Philharmonisches Orchester Freiburg<\/strong> unter <strong>Jimmy Chiang Ligetis<\/strong> extrem komplexe und technisch schwierige Partitur umgesetzt hat. Die Souver\u00e4nit\u00e4t, mit der hier zu Werke gegangen wird, reicht dabei von verschachtelten Autohupen- und T\u00fcrklingelrhythmen bis zum auf der B\u00fchne plazierten Instrumentalensemble, das gegen die Kl\u00e4nge aus dem Orchestergraben anzuspielen hat. Angenehm \u00fcberrascht ebenfalls das offensichtlich fehlerlose Zusammenwirken von B\u00fchne und Orchester. S\u00e4mtliche Darsteller bew\u00e4ltigen ihre zwischen Sprechtext und halsbrecherischen Gesangspassagen schwankenden Parts beeindruckend und mit Lust am Spiel. Das gilt besonders f\u00fcr die vielen vertrackten Ensembleszenen. Herrlich b\u00f6se und zugleich lustig bew\u00e4ltigt <strong>Gabriel Urrutia<\/strong> als Nekrotzar die Hauptrolle, begleitet von einem clownesken <strong>Patrick Jones<\/strong> als Piet vom Fa\u00df. Beide liefern sich im ersten Akt ein herrliches Duell, wer die bizarreren Koloraturen hinlegt. Zu den weiteren gesanglichen wie schauspielerischen H\u00f6hepunkten z\u00e4hlen wohl <strong>Leandra Overmann<\/strong>, zun\u00e4chst als Nonnen-Domina, sp\u00e4ter als Zombie, und <strong>Xavier Sabata<\/strong> als F\u00fcrst Go-Go, das sich wie ein Kleinkind geb\u00e4rdende Staatsoberhaupt. <strong>Lini Gong<\/strong> singt als bet\u00f6rende Venus nur in der allerh\u00f6chsten Lage, wohingegen sie als Chefin der Geheimpolizei, Gepopo, in abgehackten Phrasen vor sich hin stottert.<strong> Klaus Gerber<\/strong> und <strong>Matthias Flohr<\/strong> geben als wei\u00dfer und schwarzer Minister ein wunderbares Paar ab..<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAusnahmsweise gab es an diesem Freiburger Premierenabend nur Jubel, keine Buhs. Wer sich f\u00fcr Ligetis B\u00fcrgerschreck-Oper nicht zu schade ist, der sollte diesen <em>Le Grande Macabre<\/em> auf keinen Fall verpassen.<br \/>\nAron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Maurice Korbel<br \/>\nDas Bild zeigt: vorne: Leandra Overmann (Mescalina), Xavier Sabata (F\u00fcrst Go-Go)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gy\u00f6rgy Ligeti (1923-2006), Oper in vier Bildern, Libretto: Michael Meschke, Gy\u00f6rgy Ligeti, UA: 1978 K\u00f6nigliche Oper Stockholm Regie: Calixto Bieito, B\u00fchne: Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Marian Coromina, Licht: Marcus B\u00f6nzli, Dramaturgie: Dominica Volkert Dirigent: Jimmy Chiang, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1028\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[82,1],"tags":[],"class_list":["post-1028","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-freiburg-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1028"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1028\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1196,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1028\/revisions\/1196"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}