{"id":1025,"date":"2010-02-06T16:06:48","date_gmt":"2010-02-06T14:06:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1025"},"modified":"2010-03-21T13:25:03","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:03","slug":"berlin-staatsoper-unter-den-linden-agrippina","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1025","title":{"rendered":"Berlin, Staatsoper Unter den Linden &#8211; AGRIPPINA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: Vincenzo Grimani, UA: 26. Dezember 1709, Teatro di S. Giovanni Grisostomo, Venedig<br \/>\nRegie: Vincent Boussard, B\u00fchne: Vincent Lemaire, Kost\u00fcme: Christian Lacroix<br \/>\nDirigent: Ren\u00e9 Jacobs, Akademie f\u00fcr Alte Musik Berlin<br \/>\nSolisten: Alexandrina Pendatchanska (Agrippina), Marcos Fink (Claudio), Jennifer Rivera (Nerone), Anna Prohaska (Poppea), Bejun Mehta (Ottone) Dominique Visse (Narciso), Daniel Schmutzhard  (Lesbo)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 4. Februar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/berlin-linden-agrippina.jpg\" TITLE=\"berlin-linden-agrippina.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/berlin-linden-agrippina.jpg\" ALT=\"berlin-linden-agrippina.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Als die r\u00f6mische Kaiserin Agrippina die Nachricht vom Tod ihres Gatten Claudius erh\u00e4lt, wittert sie sofort die Chance, ihren Sohn aus erster Ehe, Nerone, auf den Thron zu bringen. Doch bereits w\u00e4hrend seiner Ausrufung zum Kaiser kommt die Botschaft, Claudius habe den Seesturm \u00fcberlebt und seinen Lebensretter Ottone zum Nachfolger bestimmt. Agrippina macht sich die uneingeschr\u00e4nkte Liebe Ottones zur sch\u00f6nen Poppea, die auch von Claudio und Nerone begehrt wird, zu Nutze und intrigiert mit Hilfe von Claudios Liebe zu Poppea gegen Ottone. Als Poppea entdeckt, dass Agrippinas Ziel nur darin besteht, Ottone durch eine Intrige um die Thronfolge zu bringen, \u00fcbt sie Rache, indem sie Claudio Nerone statt Ottone als seinen Liebeskontrahenten im Werben um sich pr\u00e4sentiert. Dennoch findet die Handlung dank Claudios Gutm\u00fctigkeit in der Verm\u00e4hlung Poppeas mit Ottone und Nerones Ernennung zum Kaiser letztlich doch ein gl\u00fcckliches Ende.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nIn dieser Inszenierung der Agrippina besteht die Hauptgestaltung der B\u00fchne aus mehreren, vertikal angeordneten, von der Decke h\u00e4ngenden Glasperlenketten, welche den B\u00fchnenraum wie transparente und gleichzeitig verschleiernde Vorh\u00e4nge f\u00fcllen. Ihre Dichte variiert mit dem Wechsel der Szenen zwischen einem v\u00f6llig leeren Raum und g\u00e4nzlicher Ausf\u00fcllung und wird in Abh\u00e4ngigkeit vom Handlungsgeschehen und der emotionalen Entwicklung der Figuren von farblich passender Lichtgestaltung unterstrichen. Ein Glassteg zwischen Orchestergraben und Zuschauerraum, auf dem sich ein nicht geringer Teil des Handlungsgeschehens vollzieht, erreicht eine Verbindung von B\u00fchnengeschehens und Publikum, insbesondere wenn die Zuschauer direkt, wie am Beginn des ersten Aktes, als Volk ins Handlungsgeschehen einbezogen werden. Die Kost\u00fcme variieren zwischen zeitlosen, schlichten, aber leger getragenen Anz\u00fcgen mit wei\u00dfem Hemd und schwarzem Hut bei den Herren Ottone und Nerone, sowie dem \u201ekleinen Schwarzen\u201c der Agrippina einerseits, und den altert\u00fcmlichen Trachten mit Puff\u00e4rmeln und Halskrause von Claudio und Lesbo andererseits, die allerdings durch Accessoires wie Schwimmreifen in Drachengestalt oder silberglitzernde Hosen durchbrochen werden, sowie einem flie\u00dfend langen und golden schimmernden Kleid bei Poppea als \u201eMittelweg\u201c.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas Orchester unter der Leitung von <strong>Ren\u00e9 Jacobs<\/strong> wurde auch in dieser Produktion von der barockspezialisierten <strong>Akademie f\u00fcr Alte Musik Berlin<\/strong> gestellt. Sorgf\u00e4ltig und detailgetreu in Bezug auf barocktypische Akzentuierung, sowie einer angepassten dynamischen und melodischen Gestaltung, begleiteten die Musiker die s\u00e4ngerische Entfaltung der barocken Emotionsausdeutung. <strong>Alexandrina Pendatchanska<\/strong> in der Rolle der Agrippina gelang es, mit einer facettenreichen, ausdrucksstarken Gestaltung jede emotionale Befindlichkeit ihrer Figur zu \u00fcbermitteln. So verlieh sie beispielsweise ihrer Verzweiflung im 2. Akt, 13. Szene <em>Piensieri, voi mi tormentate \u2013 Gedanken, Ihr qu\u00e4lt mich<\/em> glaubhaft Ausdruck. Eine mindestens ebenso starke vokale \u00dcberzeugungskraft kann <strong>Anna Prohaska<\/strong> als Poppea als auch <strong>Bejun Methas<\/strong> als Ottone zugeschrieben werden. So gelang es Anna Prohaska, jeden Ton des <em>Vaghe perle, eletti fiori \u2013 Liebliche Perlen, zarten Bl\u00fcten<\/em> im 1. Akt, 14. Szene mit Durchsichtigkeit und Zartheit zu versehen. Bejun Methas erlaubte seiner Altstimme, selbst in hochanspruchsvollen Arien wie <em>Voi che udite il mio lamento \u2013 Ihr, die ihr meine Klage vernehmt<\/em> im 2. Akt, 5. Szene, bis in die h\u00f6chsten Lagen seiner Stimme und die feinsten Ver\u00e4stelungen der Koloraturen, nicht die kleinste Ungenauigkeit in der Intonation. Unbedingt zu nennen ist au\u00dferdem die Leistung von <strong>Jennifer Rivera<\/strong> in der Rolle des Nerone, die ihrer Figur jugendliche und jungenhafte L\u00e4ssigkeit verlieh, daneben aber eine gesanglich hervorragende Leistung mit Ausdrucksst\u00e4rke und Transparenz jeden Tones &#8211; selbst in schnellen Koloraturarien wie <em>Come nube che fugge dal vento \u2013 Wie der Wind die Wolken verjagt<\/em> lieferte, sowie <strong>Marcos Fink <\/strong>(Claudio), der sich stimmlich solide pr\u00e4sentierte.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine in der G\u00e4nze gelungene Produktion, die vom Publikum mit gleicherma\u00dfen lang anhaltendem Applaus f\u00fcr S\u00e4nger und Orchester belohnt wurde.<br \/>\nFriederike Jurth<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<br \/>\nDas Bild zeigt: Anna Prohaska (Poppea)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: Vincenzo Grimani, UA: 26. 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